Braucht die Deutsche Bank eine Kapitalerhöhung?

Braucht die Deutsche Bank eine Kapitalerhöhung?

Diese Frage stellen sich Börsianer wieder, seit die Credit Suisse mit einem ganzen Strauß von Kapitalmaßnahmen 15 Mrd. Franken (12,49 Mrd. Euro) einsammeln will.

Am Markt wird spekuliert, dass das neue Führungsduo des deutschen Marktführers, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die für September avisierte neue Strategie mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung garnieren könnte. Die Aktie der Deutschen Bank verlor am Mittwoch zeitweise ein Prozent. Das Institut wollte sich nicht zu dem Thema äußern.

"Niemand kann das ausschließen - aber es ergibt sich nicht zwingend aus den Maßnahmen bei der Credit Suisse", wiegelt Analyst Guido Hoymann von der Privatbank Metzler ab. Denn die Schweizer, die nach seiner Rechnung nach Basel-III-Standards derzeit gerade auf fünf Prozent hartes Kernkapital kommen, kämen erst mit den angekündigten Kapitalmaßnahmen auf ein Niveau, das die Rivalen Deutsche Bank und UBS schon erreichten.

Doch auch die Präsentation, die Finanzvorstand Stefan Krause alle drei Monate zeigt, sieht ernüchternd aus. Die Effekte von Basel III lassen die harte Kernkapitalquote der Deutschen Bank bis Anfang 2013 von zuletzt 10,0 Prozent auf 7,2 Prozent abschmelzen - einen einbehaltenen Gewinn von drei Mrd. Euro im laufenden Jahr schon eingerechnet. Doch das ist eine Was-wäre-wenn-Rechnung: Zum einen geht Krause davon aus, dass die Vorschriften Knall auf Fall eingeführt werden, wo es lange Übergangsfristen gibt. Zum anderen kann die Deutsche Bank noch gegensteuern, indem sie Risiken aus der Bilanz nimmt, die mit Kapital unterlegt werden müssen. Doch die Frage bleibt, ob die Märkte nicht schneller die neun Prozent als Kapitalpuffer verlangen, die die Deutsche Bank als einer der weltgrößten Banken künftig wohl vorhalten muss.

JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein sieht die Ausstattung der Deutschen Bank mit Eigenkapital seit langem kritisch. Nur aus diesem Grund empfiehlt er sie bisher nicht zum Kauf. Selbst mit den 8,3 Prozent, die sie nach seinen Berechnungen unter Basel III Ende 2013 erreichen könne, läge sie im Vergleich mit anderen Großbanken im hinteren Feld, schreibt er in einer Studie. Eine schnell bei Investoren platzierten Kapitalerhöhung um rund zehn Prozent, die 2,5 Mrd. Euro bringen würde, könnte zu einer Neueinschätzung der Aktie führen, lockt der Analyst.

Metzler-Analyst Hoymann sieht das anders: Für eine Quote von zehn Prozent, die für ein Haus wie die Deutsche Bank angemessen wäre, fehlten ihr 15 Milliarden Euro - etwa der Gewinn von drei bis vier Jahren. Da wären 2,5 Milliarden ein Tropfen auf den heißen Stein: "Damit könnte man die Basel-III-Ziele vielleicht ein halbes Jahr früher erreichen", sagt Hoymann. "Da stellt sich die Frage, ob sich das lohnt." Außerdem hätten auch Fitschen und Jain die Linie von Josef Ackermann mitgetragen, die Aktionäre zu verschonen. "Eine Kapitalerhöhung wäre schon ein gewisser Bruch. Ich wäre überrascht davon."

Doch der seit Wochen bröckelnde Kurs der Deutsche-Bank-Aktie - von fast 30 auf nur noch 25 Euro seit Mitte Juni - zeige, dass der Markt inzwischen eine Kapitalmaßnahme erwarte, sagt Hoymann. Die Deutsche Bank könne in jedem Fall nur gewinnen: "Wenn sie kommt - so könnte man versucht sein anzunehmen -, wird der Kurs hochgehen. Wenn nicht, auch."

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