Börsengang: Twitter will sich Milliarde sichern

Börsengang: Twitter will sich Milliarde sichern

So konnte Twitter im vergangenen Jahr seinen Umsatz verdreifachen, wie aus Unterlagen hervorgeht, die am Donnerstag bei der Börsenaufsicht SEC eingereicht wurden. Allerdings schreibt das soziale Netz tiefrote Zahlen.

Gelingt der Börsengang, wäre es der größte seit dem IPO von Facebook im vergangenen Jahr. Twitter ist bei vielen Politikern und Stars beliebt, die mit Hilfe der 140 Zeichen langen Nachrichten mit Anhängern und Fans kommunizieren. Zu den prominentesten Nutzern gehören US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus.

Bei dem Börsengang will Twitter den Unterlagen zufolge eine Milliarde Dollar bei Anlegern kassieren. Die Summe ist aber eher als Platzhalter zu verstehen und wird sich während der Werbetour bei Investoren verändern. Sollte es keine Probleme geben, könnte die Twitter-Aktie unter dem Kürzel TWTR ab November an der Börse gehandelt werden. Ob Twitter einen Börsengang an der New York Stock Exchange oder der Nasdaq wagt, war zunächst unklar.

In den Unterlagen verwies Twitter auf sein rasantes Wachstum. Lag der Umsatz im gesamten Jahr 2012 bei 317 Millionen Dollar, waren es im ersten Halbjahr 2013 schon 254 Millionen Dollar. Zugleich stand unter dem Strich ein Fehlbetrag von 69 Milliarden Dollar. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, schrieb Twitter auch in den Jahren 2010 bis 2012 einen Verlust. Die roten Zahlen seien aber kein Thema, sagte der Analyst Brian Wieser von Pivotal Research. "Ein Gewinn wäre eine Überraschung gewesen."

Das Unternehmen ist nach eigenen Zahlen stark von Werbeeinnahmen abhängig: Sie hatten im ersten Halbjahr 2013 einen Anteil von mehr als 87 Prozent. Obwohl die Zahl der Nutzer ständig steige, seien die Anzeigenpreise in den vergangenen fünf Quartalen gesunken, hieß es. Dies nehme man aber bewusst in Kauf, um langfristig zu wachsen und Werbeanzeigen den ganzen Tag über schalten zu können. Dank dieses Vorgehens seien mehr Anzeigenkunden gewonnen worden, vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sowie internationale Firmen, erklärte Twitter.

Der Konkurrent Facebook, der ebenfalls von Werbeeinnahmen abhängig ist, hatte im vergangenen Jahr mit seinem Börsengang für Aufsehen gesorgt. Viele Investoren waren besorgt, weil das weltgrößte soziale Netz Probleme hatte, Anzeigen zu schalten, wenn sich Mitglieder per Smartphone oder Tablet-PC einloggen. Dies scheint bei Twitter weniger ein Problem zu sein: 65 Prozent der Umsätze stammen nach eigenen Angaben von Nutzern mit mobilen Geräten. Insgesamt waren zwischen April und Juni mehr als 218 Millionen Menschen bei Twitter aktiv. An einem Tag seien es mehr als 100 Millionen.

2006 ging's los

Die erste Twitter-Botschaft setzte im Jahr 2006 Jack Dorsey ab, der den Dienst in San Francisco mitbegründete. Im Arabischen Frühling, beim Tsunami in Japan 2011 und im US-Wahlkampf spielte Twitter eine wichtige Rolle. Auch in Deutschland wird der Dienst beliebter: So nutzte ihn SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für seinen Wahlkampf. Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier oder Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert sind auf Twitter aktiv. Zahlreiche Medien locken mit den Nachrichten auf ihre Webseiten. Nutzer können ihre Botschaften auch mit Fotos und Grafiken versehen. Seit dem vergangenen Jahr gehört der Videodienst Vine zu Twitter, mit dem man bis zu sechs Sekunden lange Aufnahmen posten kann.

Marktforschern zufolge verbringen Twitter-Nutzer in den USA im Durchschnitt 4,2 Stunden in der Woche mit dem Angebot. Bei Facebook sind sieben Stunden.

Der Twitter-Börsengang wird von Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan, Bank of America Merrill Lynch, Allen & Co, Deutsche Bank und Code Advisors begleitet.

Inside Twitter

In den vergangenen Jahren sickerte kaum etwas über das Geschäft von Twitter durch, jetzt ist der Börsenprospekt eine wahre Fundgrube für interne Informationen. Die Highlights:

- Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres lief ein Verlust von 69,2 Millionen Dollar (50,9 Mio. Euro) auf. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 79,4 Millionen und 2011 sogar 164 Mio. Dollar. Zur Jahresmitte hatte das Unternehmen noch gut 160 Mio. Dollar auf der hohen Kante.

- Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets, Twitter nahm in dem Jahr nur gut 7 Mio. Dollar mit Anzeigen ein. Im ersten Halbjahr 2013 erreichten die Werbeerlöse bereits 221 Mio. Dollar.

- Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Rund 65 Prozent der Werbeerlöse werden auf iPhones und iPads von Apple oder Smartphones und Tablets mit dem Google-System Android erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter rund 215 Millionen Nutzer pro Monat, rund 100 Millionen Menschen greifen auf den Dienst täglich zu.

- Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

- Twitter-Chef Dick Costolo wird jetzt vor allem mit Aktien bezahlt. Seit August bekommt er nur noch ein Jahresgehalt von 14.000 Dollar statt bisher 200.000 Dollar. Dafür wurden ihm allein 2012 Aktien und Optionen im geschätzten Wert von über 11 Mio. Dollar zugeteilt. Mit dem Börsengang könnten die Anteile noch deutlich wertvoller werden.

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