Börsen weiter auf Klettertour

Börsen weiter auf Klettertour

Niedrige Zinsen, selbst die Europa-Wahlergebnisse und die Krise in der Ukraine können die Börsen nicht beeindrucken. Zinssenkungen und Arbeitsmarktdaten stimmen Anleger freundlich. Sie investieren in Aktien. Der S&P-Index in New York markiert ein neues Alltime-High.

Frankfurt/New York/Wien. Die Stimmung an den Börsen ist und wird auch gut bleiben. Die Präsidentenwahl in der Ukraine, aber auch das Ergebnis der Europawahl hat die Börsianer nicht negativ beeindruckt. Und mit dem Alltime-High des S&P 500-Index in den USA wird deutlich, dass die Börsianer Vertrauen gefasst haben.

Es scheint jedenfalls die Zeit der Bullen zu sein, die Zeit der Anleger, die wieder stärker ins Risiko gehen. Und Börsenexperten meinen, dass diese Zeit noch anhalten wird. Die US-Märkte hatten am Dienstagabend stark geschlossen. Der S&P 500-Index hat am Dienstag mit einem leichten Zuwachs von 0,6 Prozent bei 1911,91 Punkten geschlossen – so hoch wie nie zuvor. Alltime-High. Einfacher Grund: Die US-Konjunkturdaten stimmen, sind sogar „robust“. Die US-Unternehmen haben im April überraschend erneut mehr Aufträge für langlebige Güter erhalten. Die Hauspreise sind außerdem im März stärker als erwartet gestiegen. Und alles Gute bringt der Mai: die Verbraucherstimmung hat sich im Mai wie erwartet aufgehellt.

Geld strömt derzeit in Aktien, selbst Nebenwerte sind begehrt. Dies gilt als ein wichtiges Indiz dafür, dass die laufende Rally keine Eintagsfliege zu sein scheint. Die Risikobereitschaft der Anleger scheint hoch zu sein, verstärkt in Aktien zu investieren.

Was auch kein Wunder ist: Staatsanleihen und Tagesgeld sind niedrig verzinst. Die EZB hat angekündigt weiterhin den Zinssatz zu senken. Ergo: Investoren bleibt somit nichts anderes übrig als Aktien-Investments. Und das beflügelt die Börsen, gibt Aufwind. An den Börsen spricht man von Rally.

Dax knapp vor dem 10.000er

Doch nicht nur in den USA purzeln die Rekorde. Angesichts der Entwicklungen an den US-Börsen sowie in Asien, dürfte auch der Frankfurter Leitindex Dax bald die 10.000er-Marke schaffen. Am Dienstag notierte der Index bei 9940,82 Punkten, nachdem er 0,49 Prozent zulegen konnte. Analysten sehen bereits eine andauernde Börsen-Hausse. Laut Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research befindet sich die Wirtschaft demnach in einer mehrjährigen Aufschwung-Phase – eine Meinung, die auch von anderen Analysten geteilt wird.

Die EZB spielt mit

Die Anlage in Aktien wird auch durch das Handeln der Europäischen Zentralbank gestützt. Sie wird aller Voraussicht nach in der kommenden Woche nochmals die Zinsen senken. Beobachter rechnen damit, dass die Währungshüter bei ihrer nächsten Zinssitzung am 5. Juni in Frankfurt ihre Geldpolitik nochmals lockern werden. Als wahrscheinlich gilt eine weitere Senkung des Leitzinses - wahrscheinlich von 0,25 auf 0,15 Prozent. Zudem könnte die EZB Strafzinsen auf Gelder erheben, die Banken bei der Notenbank parken.

Europas Währungshüter sorgen sich wegen der Mini-Inflation im Euroraum. Eine einfache geldpolitische Antwort darauf gibt es nicht, das wird bei der Notenbank-Konferenz in Sintra deutlich.

"Wir sind uns bewusst, dass eine zu lange Periode niedriger Inflationsraten Risiken birgt", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Dienstag zum Abschluss der ersten großen Notenbank-Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra. Draghi bekräftigte, die EZB werde im Rahmen ihres Mandates ihren Beitrag zu einem stabilen Umfeld in Europa leisten: "Die EZB wird alles tun, was möglich ist."

Am Montag hatte Draghi betont, die EZB werde "nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt". Die Teuerung im Euroraum ist seit Monaten sehr niedrig, im April lag sie bei 0,7 Prozent. Einige Ökonomen warnen daher vor Deflation - also einem Preisverfall auf breiter Front, der die Konjunktur abwürgen könnte. Draghi zeigte sich überzeugt, dass sich die Teuerung mittelfristig wieder dem EZB-Stabilitätsziel von knapp unter 2,0 Prozent annähern wird. Aber die Notenbank müsse bereit sein, notfalls einzugreifen.

Draghi machte in Sintra jedoch auch deutlich, wie schwierig eine Entscheidung angesichts der unterschiedlichen Situationen ist, in denen sich die Euro-Volkswirtschaften befinden.

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