Börse-Umfrage: Die Jahresendrally fällt heuer wohl aus

Börse-Umfrage: Die Jahresendrally fällt heuer wohl aus

EZB-Anleihekäufe hin, Fed-Geldspritzen her: Auf eine Jahresend-Rally werden Anleger nach Einschätzung von Börsianern in den kommenden Monaten vergeblich warten.

Nach ihren fulminanten Kurssteigerungen der vergangenen Monate sei bei DAX und EuroStoxx50 die Luft erst einmal raus. Auch in der ersten Hälfte 2013 erwarten Experten nur magere Gewinne.

"Wir interpretieren die jüngste Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten nicht als den Beginn einer länger anhaltenden Hausse", betonen die Volkswirte der BayernLB in einem Kommentar. "Erstens bleibt die weltweite Konjunkturdynamik auf absehbare Zeit gedämpft." Zweitens seien die Perspektiven für die Entwicklung der Unternehmensgewinne verhalten. Die Abschwächung der Weltkonjunktur schlage sich zunehmend in einem schwächeren Auftragseingang und einem Rückgang der im historischen Vergleich sehr hohen Margen nieder. Zudem bleibe die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum als Belastungsfaktor zunächst bestehen, mit sich weiterhin abwechselnden Zuspitzungs- und Beruhigungsphasen.

Die Luft wird dünn

Seit Anfang Juli legte der DAX um etwa 14 Prozent zu. Damit steuert er auf das zweitbeste Ergebnis in einem dritten Quartal zu. Gleiches gilt für den EuroStoxx50, der in den vergangenen drei Monaten rund elf Prozent gewann. Zum Jahresende erwarten 22 von Reuters befragte Analysten den Dax bei 7500 Punkten. Für den EuroStoxx50 gaben 50 Börsianer Prognosen ab: Im Schnitt sehen sie den pan-europäischen Index bei 2650 Zählern. Das wäre im Vergleich zum aktuellen Stand ein Plus von einem beziehungsweise drei Prozent. Bis zum Ende des ersten Halbjahres 2013 werden die Kurse voraussichtlich auf 7600 und 2768 Punkte anziehen, wie aus der Erhebung weiter hervorgeht.

Nach der Ankündigung unbegrenzter Käufe von Anleihen kriselnder Euro-Staaten durch die Europäische Zentralbank (EZB), dem OK des Bundesverfassungsgerichts für den Rettungsschirm ESM und den Geldspritzen der US-Notenbank Fed hoben zahlreiche Volkswirte ihre Prognosen an. Ohne eine anziehende Konjunktur werde ein kräftige Aufschwung der Aktienkurse aber sicher ausbleiben, sagt Helaba-Aktienstratege Markus Reinwand.

Kurseinbruch wenig wahrscheinlich

Ein Kurseinbruch ist Börsianern zufolge aber auch nicht zu befürchten. "Wir haben nicht den Eindruck, dass uns die Fundamente für die Aktienmärkte wegbrechen", sagt Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank.

Seine Kollegen von der LBBW weisen auf einen weiteren Aspekt hin: "Entgegen landläufiger Meinungen machen schwächere Konjunkturerwartungen an sich Aktien noch nicht unattraktiv." Irgendwann wögen die Chancen auf eine mittelfristige Verbesserung der wirtschaftlichen Lage das Risiko einer weiteren Verschlechterung auf. "Unter markttechnischen Aspekten könnte dieser Zeitpunkt bald kommen", fügen sie hinzu und betonen: "Die relativ hohen Dividendenzahlungen der Dax-Unternehmen dürften selbst bei einer Gewinnverschlechterung gesichert sein."

Als weiteren Pluspunkt für den Aktienmarkt verbuchen einige Börsianer das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Jürgen Pfister, Chef-Volkswirt der BayernLB, warnt allerdings vor überzogenen Kurs-Erwartungen. "Die niedrige Bewertung ist eine gute Absicherung nach unten, aber kein Garant für eine Aufwärtsbewegung."

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