BMW kennt keine Krise

BMW kennt keine Krise

Der Autobauer BMW rechnet trotz eines Gewinnanstiegs noch lange mit Problemen durch die Pkw-Krise in Europa. Die Marktschwäche und der Preiskampf auf dem Heimatkontinent würden auch in der zweiten Jahreshälfte anhalten, sagte Vorstandschef Norbert Reithofer am Donnerstag.

Im zweiten Quartal ließen sie das Betriebsergebnis in der Autosparte einbrechen; weil das Geschäft mit Leasing und Finanzierung besser lief, verbuchte der Konzern einen Zuwachs beim Gewinn. Rasche Verbesserungen in Europa erwartet Reithofer nicht: "Wenn es einen Lichtblick am Horizont gibt, dann nicht vor Mitte 2014", sagte er. BMW habe aber auch Pläne für den Fall vorbereitet, dass sich die Krise in Europa noch fünf Jahre hinzieht.

Die Pkw-Verkaufszahlen in Europa, einer der wichtigsten Absatzregionen, schrumpfen seit anderthalb Jahren und erreichen immer neue Negativrekorde. Vor allem in Südeuropa meiden die Kunden wegen der hohen Arbeitslosigkeit und düsterer Aussichten große Neuanschaffungen. Während Massenherstellern wie Peugeot Citroen, Fiat oder Opel das Wasser bis zum Hals steht und sogar der breit aufgestellte europäische Marktführer VW Federn lassen musste, kommen die Hersteller von teuren Premiumfahrzeugen glimpflicher davon: BMW, Audi oder Daimler können die teils empfindlichen Einbrüche in Europa in den weiter gut laufenden Märkten USA und China ausbügeln. Alle drei glänzten zuletzt mit Spitzenwerten beim Absatz. Zu schaffen macht ihnen die heimische Krise dennoch, weil sie fast die Hälfte ihrer Wagen auf dem Heimatkontinent verkaufen.

Trendwende in Europa?

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte in der vergangenen Woche eine Trendwende in Europa erspäht. Auch der Zulieferer Continental sieht den Boden erreicht. "Diese positiven Signale, die andere erkennen, sehen wir nicht", sagte BMW-Chef Reithofer. Finanzvorstand Friedrich Eichiner ergänzte, in Westeuropa habe sich der Markt zuletzt schlechter entwickelt als erwartet. Die von der Branche selbst angezettelte Rabattschlacht macht auch vor der Oberklasse nicht Halt. Der Preisdruck ziehe den Umsatz um einen halben bis ganzen Prozentpunkt nach unten, erläuterte Eichiner. Angesichts hoher Erlöse - fast 20 Milliarden Euro im zweiten Quartal - sei dies nicht wenig. Zudem verkaufen sich viele kleinere Modelle besser, werfen aber weniger Gewinn ab als große. Zu Buche schlugen auch hohe Kosten für neue Technologien wie das Elektroauto i3. In der Kernsparte Automobile ging die Rendite (Ebit-Marge) im zweiten Quartal auf 9,6 Prozent zurück. Damit lag BMW knapp hinter Audi mit 9,9 Prozent, aber deutlich vor Daimlers Pkw-Segment mit 6,4 Prozent.

Eichiner sagte, in der zweiten Jahreshälfte stiegen die Investitionen. Die Markteinführung des i3 im November wird mit einer teuren Werbekampagne begleitet, um die skeptisch beäugte Elektromobilität hoffähig zu machen. Daneben werden Werke erweitert, etwa in China, und neue Modelle wie das 4er Coupe oder der Geländewagen X5 an den Start gebracht. Trotz vielfältiger Einsparungen bleibt laut Finanzvorstand eine Belastung von einer Milliarde Euro. Reithofer sprach von Investitionen in die Zukunft. Für 2013 bekräftigte er die Prognose, wonach der Absatz weiter steigen und der Gewinn stagnieren soll. An der Börse kamen die BMW-Äußerungen nicht besonders gut an: Die Aktie des Autobauers war mit einem Minus von 1,7 Prozent am Mittag der größte Verlierer im DAX.

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