Blessing will Commerzbank auf Rendite trimmen

Blessing will Commerzbank auf Rendite trimmen

Allein das darbende Geschäft mit den elf Millionen Privatkunden soll mit einer Milliarde Euro auf Vordermann gebracht werden, wie das Institut am Mittwoch mitteilte. Sie bestätigte Informationen von Reuters aus Finanzkreisen.

In den Rest des Kerngeschäfts - darunter die renditestarke Mittelstandsbank - soll eine weitere Milliarde fließen. Die Kosten sollen mit "Effizienzmaßnahmen" gedeckelt werden, die die Bank nicht erläuterte. Dahinter könnte sich ein Stellenabbau verbergen. Bis 2016 soll die Commerzbank damit im Kerngeschäft auf eine Eigenkapitalrendite von mehr als zehn Prozent nach Steuern kommen. Zum Vergleich: Branchenprimus Deutsche Bank peilt bis 2015 nach massiven Sparmaßnahmen zwölf Prozent an.

Mit stabilen Kosten und steigenden Erträgen will Blessing das Verhältnis von Kosten zu operativen Erträgen deutlich verbessern: Bis 2016 soll die Aufwandsquote (Cost-income-Ratio) im Kerngeschäft - also ohne die eigene Abwicklungsbank - auf rund 60 Prozent gedrückt werden. 2011 waren es noch 81 Prozent. Für die interne "Bad Bank", die das Geschäft mit Immobilien-, Staats- und Schiffskrediten über die nächsten Jahre abwickeln soll, geht es um einen möglichst schnellen und zugleich "wertschonenden" Abbau des Portfolios von zuletzt 160 Milliarden Euro. Binnen vier Jahren soll es um 40 Prozent schrumpfen. Einen Weiterverkauf von Krediten will die Commerzbank dabei vermeiden.

Die Aktionäre werden von der Fitnesskur zunächst nicht viel haben. Eine Dividende werde es für dieses und das kommende Jahr wahrscheinlich nicht geben. Damit hatten Analysten allerdings auch nicht mehr gerechnet. Ein Insider sagte Reuters, die Bank rechne erst gegen Ende des Planungshorizonts damit, sich wieder eine Ausschüttung leisten zu können. Vorrang habe der Aufbau von Eigenkapital: Das Polster von Stammkapital und Gewinnrücklagen soll stets mehr als neun Prozent betragen - auch unter den schärferen Basel-III-Regeln, die ab 2013 schrittweise eingeführt werden sollen. Würden sie dann schon voll gelten, käme die Bank Anfang des Jahres erst auf 7,7 Prozent.

Vor einer Dividende muss die Commerzbank auch die Stillen Einlagen des Staates bedienen, mit denen ihr in der Finanzkrise aus der Patsche geholfen worden war. 1,6 Milliarden Euro davon sind noch übrig.

Bis zu 6000 Stellen in Gefahr

Die Commerzbank will am Donnerstag ihre Strategie bis 2016 den Mitarbeitern und Analysten vorstellen. Wie sich die Pläne auf die Belegschaft auswirken, ließ die Bank am Mittwoch offen. Ein Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit", wonach bis zu 6000 von 56.000 Stellen dem Umbau zum Opfer fallen könnten, wurde nicht bestätigt. Finanzkreisen zufolge will sich Blessing auch am Donnerstag nicht auf den Umfang des Stellenabbaus festlegen. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern haben gerade erst begonnen und dürften sich bis ins kommende Jahr ziehen. Bis Ende 2013 gilt ein Verzicht auf betriebsbedingte Entlassungen. Die Gewerkschaft Verdi drängt darauf, den Kündigungsschutz zu verlängern.

Das Augenmerk bei der neuen Strategie liegt auf dem Privatkundengeschäft, in dem die Commerzbank trotz 16.000 Mitarbeitern, elf Millionen Kunden und 1200 Filialen kaum Geld verdient. "Eine Neuorientierung und Wettbewerbsfähigkeit der Bank ist sicherlich notwendig und begrüßenswert, sie darf jedoch nicht auf dem Rücken der Beschäftigten erreicht werden", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Beate Mensch. Ein Stellenabbau wäre da kontraproduktiv.

Neue Produkte und eine modernere Technik sollen die Sparte deutlich profitabler machen. "Da wird jetzt richtig Geld in die Hand genommen", sagte ein Insider. Vor allem die IT-Systeme der Commerzbank gelten als veraltet, Kunden beklagen sich über das unhandliche Online-Banking. Das soll sich dank der Investitionen ändern. "Außer der Integration der Dresdner Bank gab es dort jahrelang Stillstand", sagte der Insider. Künftig sollen Kunden im Internet und in mobilen Anwendungen Zugriff auf ihr Konto haben. Mit der Tochter Comdirect hat die Commerzbank ein Vorbild im eigenen Konzern - beide Vertriebsschienen sollen aber auch in Zukunft getrennt bleiben. Die Privatkundensparte soll sich vom Wertpapiergeschäft unabhängiger machen, nachdem Provisionserlöse seit der Finanzkrise spärlicher fließen.

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