BlackBerry wird umgebaut: „Wir haben einen Plan und genug Geld“

BlackBerry wird umgebaut: „Wir haben einen Plan und genug Geld“

Kanadischer Konzern will mit neuem Betriebssystem die Kehrtwende schaffen - in Österreich hofft man auf mehr Privatkunden als Käufer.

Eine positive Nachricht zum Thema BlackBerry zu finden, das ist dieser Tage gar nicht so einfach. Seit Monaten überwiegten eindeutig die Bad News über RIM (Research In Motion) , dem Hersteller dieser Handymarke. Der kanadische Konzern hat einen beispiellosen Abwärtskurs eingeschlagen, seit 2008 ist der Börsewert um 95 Prozent gesunken. Zuletzt wurde dem neuen RIM-Management unter CEO Thorsten Heins bei der Hauptversammlung ordentlich eingeschenkt: Aktionäre forderten endlich eine schlagkräftige Strategie und wollten wissen, weshalb sich die Einführung des nächsten Betriebssystems für BlackBerry-Geräte, das BlackBerry 10 heißen wird, so lange verzögert. Eigentlich war geplant gewesen, dieses im Sommer zu starten, nun wird es mindestens bis Jänner dauern. Einige Großaktionäre forderten gar die Aufsplittung bzw. den Verkauf des Unternehmens.

Der tiefe Fall

Der Fall von RIM hat 2009 mit dem Siegeszug der Touchscreen- und internetfähigen Handys begonnen. Das damalige Management verweigerte sich den neuen Technologien und negierte die neuen Ansprüche der Kunden – stattdessen verließ man sich auf die Stärke bei Firmenkunden; ein BlackBerry war jahrelang ein Pflichtwerkzeug für Manager, etwa wegen der Möglichkeit, Mails rasch zu beantworten.

Marktanteil gesunken

Im ersten Quartal ist der Umsatz um 43 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar eingebrochen, der Anteil am Smartphone-Markt weltweit liegt nur mehr bei 6,4 Prozent – Apple kommt auf 23 Prozent, Android-Smartphones halten 59 Prozent. Der Konzern steckt in der Zwickmühle, muss einerseits sparen (5000 Stellen sollen gestrichen werden), andererseits rasch in Innovationen investieren. Paulo Baptista, Chef von RIM in Österreich, der Schweiz und Israel, ist dennoch die Zuversicht in Person. Im Gespräch mit FORMAT erklärt er, weshalb.

FORMAT: Herr Baptista, weshalb sollte ich als Unternehmenskunde heute noch einen BlackBerry kaufen?

Paulo Baptista, Director of Sales RIM Österreich, Schweiz, Israel: Es gibt viele sehr gute Gründe für BlackBerry. Für Unternehmenskunden ist es etwa wichtig, dass man kein Experte sein muss, um das Gerät bedienen zu können. Hier haben wir mit Mobile Fusion ein erstklassiges Produkt am Markt. Unsere BlackBerrys synchronisieren sich mit Outlook und anderen wichtigen Diensten unkompliziert und sicher. Heutzutage bekommen Nutzer sehr viele E-Mails, das BlackBerry hilft dabei, die Übersicht zu behalten. Man braucht auch nicht gleichzeitig viele Anwendungen - wie beispielsweise Facebook oder Twitter – geöffnet zu haben, das Smartphone informiert auf einen Blick über Neuigkeiten. Ganz wichtig ist auch die Möglichkeit, dass Unternehmen auf den BlackBerry Smartphones ihrer Mitarbeiter ein System namens Blackberry Balance aufsetzen können – so werden private und berufliche Inhalte getrennt angezeigt. Das Berufliche ist beispielsweise mit einem Passwort vor unerwünschten Zugriffen geschützt. Sollte ein Mitarbeiter die Firma verlassen, kann der Unternehmensaccount einfach gelöscht werden. Die Sicherheit unserer Kunden ist für uns ein Kernelement.

Und für Privatpersonen, welche Argumente gibt es da?

Da zählen andere Maßstäbe und auch da haben wir gute Argumente. Erstens: Bei Hybridgeräten, also solche mit physikalischer Tastatur und Touchscreen, sind wir die klare Nummer eins – dies belegen auch zahlreiche Tests in Fachmagazinen. Viele Konsumenten bevorzugen diese Kombination. Auf lokaler Eben veröffentlichen wir keine genauen Zahlen, aber ich kann Ihnen sagen, dass wir viele Privatkunden in Österreich haben. Zweitens: Unsere Geräte verbrauchen weit weniger Daten als andere, unter anderem aufgrund einer speziellen Komprimierungstechnologie. Drittens: Wir sind der einzige Anbieter, bei dem fast alle aktuellen Geräte die NFC-Technologie beherrschen, mit der man Daten unkompliziert und rasch untereinander austauschen kann.

Doch BlackBerry wird in Österreich eher als Firmenwerkzeug gesehen.

Ein Problem war bisher, dass man bei Kauf eines BlackBerry zusätzlich zu den Monatstarifen noch zehn Euro extra für die BlackBerry-Services zahlen musste. Das haben wir geändert, nun ist Preisparität gegeben. Ich bin sicher, dass uns das im Privatkundenbereich einen massiven Schub geben wird.

Nun haben in den vergangenen Monaten aber eindeutig die negativen Schlagzeilen zur Marke BlackBerry dominiert. Fürchten Sie nicht, dass das viele potenzielle Käufer abschrecken könnte?
Natürlich kann ich nicht behaupten, dass es in den letzten beiden Quartalen nur positive Nachrichten gab. RIM befindet sich derzeit in einer Umbruchphase, in der wir uns neu positionieren und parallel ein neues bahnbrechendes Betriebssystem namens BlackBerry 10 entwickeln. Aber so ist das in der Branche eben, da geht es von Hero zu Zero und wieder zu Hero in kürzester Zeit. Aber ich sage Ihnen eines: Wir sind der einzige außer Apple, der sein eigenes Betriebssystem hat. Und unser nächstes System, BlackBerry 10, wird unsere Kunden und den Markt begeistern.

Wann wird es endlich kommen? Im Jänner, wie zuletzt angekündigt?

Sicher im ersten Quartal. Und es hat das Zeug dazu, die gesamte Branche zu verändern. Alle neue Geräte werden damit laufen.

Und wie geht es RIM sonst?

Wir sind im Turnaround-Modus, unser Top-Management wird gerade umstrukturiert und wir haben in diesem Zuge viele neue erfahrene Top-Manager verpflichten können, die den Start von BB10 entscheidend mitprägen werden. Man darf nicht vergessen, wir wachsen global nach wie vor und haben weltweit schon 80 Millionen User. Wir haben einen Plan, wir sind schuldenfrei und verfügen über Cashbestände in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar. Und wie schon gesagt: Wir können es alleine schaffen, wir brauchen niemanden anderen.

Das ist also der Unterschied zu Nokia?

Ja, genau. Und zu HTC, auch zu Samsung. Denken Sie doch an das Google-Handy – war das etwa ein Erfolg? RIM hat ja zunächst Software entwickelt, dann kam die Hardware dazu. Wir wissen also ganz genau, was wir da machen.

Eine Kernfrage ist jene nach der Zielgruppe. Bleibt der Fokus auf Unternehmenskunden?

Ja, diese Zielgruppe bleibt wichtig. In den USA beispielsweise arbeitet ein großer Teil der Regierungsbehörden mit BlackBerrys. Aber jetzt wächst der Consumer-Anteil, vor allem in Ländern mit hohem Prepaid-Anteil, denn mit unseren Geräten kann beispielsweise die Datenmenge reduziert und somit besser kontrolliert werden.

Und wie entwickelt sich der österreichische Markt?

Wir werden auch hier wachsen, in den nächsten eineinhalb Jahren werden wir bei den Konsumenten kräftig zulegen.

Wie ist das Verhältnis zu den österreichischen Mobilfunkbetreibern?

Sehr gut, vor allem zu A1, weil die ja Partner von Vodafone sind. Aber auch zu T-Mobile und Orange gibt es eine gute Zusammenarbeit, bei 3 haben wir noch Potential.

Zuletzt haben RIM-Anteilseigner eine Aufsplittung oder einen Verkauf des Unternehmens gefordert. Wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

Nein, denn wir sind fokussiert auf den Verkauf unseres aktuellen Produkt-Portfolios wie auch in Vorbereitung auf Blackberry 10. Natürlich sind wir nicht glücklich, wenn es solche Meldungen gibt. Aber wir glauben fest an das Unternehmen und unsere Strategie.

Wo wird RIM, wo wird die Marke BlackBerry in einem Jahr stehen?

Dann ist BlackBerry 10 im Markt etabliert und wird eine revolutionäre Plattform sein für viele neue Geräte. Mit BlackBerry 10 begeistern wird derzeit schon Entwickler rund um den Globus, denn Apps werden ein zentraler Bestandteil der nächsten BlackBerry-Handys sein. Ich bin also zuversichtlich, dass wir uns im nächsten Jahr toll entwickeln werden.

Robert Prazak

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