Biotech-Milliarden-Deal: Amgen schluckt Onyx

Biotech-Milliarden-Deal: Amgen schluckt Onyx

Das US-Unternehmen Amgen schluckt für 10,4 Milliarden Dollar den kleineren Rivalen Onyx, der bereits seit mehreren Jahren mit Bayer bei Medikamenten gegen die lebensbedrohliche Krankheit kooperiert.

Nach zweimonatigem Buhlen und einem verbesserten Angebot gelingt Amgen damit ihr bislang zweitgrößter Zukauf nach der 16 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Immunex vor zwölf Jahren. Amgen-Aktien stiegen an der Börse um rund acht Prozent, Onyx zogen sechs Prozent an.

"Wir erwarten, dass diese Übernahme das Wachstum beschleunigen wird und den Wert für die Amgen-Aktionäre erhöht", sagte Amgen-Chef Bob Bradway. In der Biotech-Industrie steht Onyx für die fünfgrößte Transaktion überhaupt. Für Bradway, der Amgen seit Mai 2012 leitet, ist es der bislang teuerste Zukauf. Unter seiner Führung hatte Amgen lediglich eine Reihe kleinerer Transaktionen angeschoben - die bislang größte war der Kauf des Rivalen Micromet für 1,16 Milliarden Dollar. Auch Micromet, die ihre Wurzeln in Deutschland hat, lockte Amgen vor allem wegen ihrer Krebsarzneien.

Onyx kommt nach Schätzung von Analysten 2014 auf einen Umsatz von lediglich 878 Millionen Dollar. Doch das Unternehmen arbeitet in einem Medizinfeld, in dem sich die Hoffnungen der Pharmabranche konzentrieren und das starkes Wachstum verspricht. Die Krebsmedizin gilt als eine Art Heiliger Gral für Pharmafirmen, da Behandlungserfolge bisher begrenzt sind und sie für neue, biotechnologisch entwickelte Mittel hohe Preise verlangen können. Erst kürzlich schnappte sich die britische AstraZeneca für bis zu 500 Millionen Dollar den Krebsspezialisten Amplimmune. Auch der Leverkusener Bayer-Konzern war als Interessent für Onyx gehandelt worden.

Wunschobjekt Kyprolis

Amgen zahlt nach Firmenangaben 125 Dollar je Aktie - die Onyx-Aktie war am Freitag mit knapp 117 Dollar aus dem Handel gegangen. Das erste Angebot Ende Juni über 120 Dollar hatte das Onyx-Management noch als zu niedrig zurückgewiesen. Nun sind sich beide einig und rechnen bis zum Beginn des vierten Quartals mit einem Abschluss. Der US-Pharmariese Pfizer hatte Insidern zufolge von einer Offerte Abstand genommen, da Onyx durch den jüngsten Übernahmekampf deutlich teurer geworden ist.

Onyx hat Vielversprechendes zu bieten: Die Firma aus San Francisco hatte 2012 das Blutkrebsmittel Kyprolis auf den Markt gebracht, dem Analysten Umsätze von mehr als zwei Milliarden Dollar zutrauen. Amgen erhält mit dem Zukauf die kompletten Rechte an diesem Medikament. Ferner fließen dem Konzern nun die Erlöse zu, die Onyx aus der Zusammenarbeit mit Bayer bei den Präparaten Nexavar gegen Nieren- und Leberkrebs sowie Stivarga gegen Darmkrebs zustehen. Stivarga gilt beispielsweise ebenfalls als Blockbuster-Präparat, dem Spitzenumsätzen pro Jahr jenseits der Milliardenschwelle zugetraut werden. Künftig könnten zudem Lizenzgebühren für ein Brustkrebsmittel hinzukommen, das federführend von Pfizer entwickelt wird.

Nachschub für die Pipeline

Amgen stockt mit Onyx seinen Nachschub an neuen Arzneien auf, nachdem die wichtigen Umsätze mit Mitteln gegen Blutarmut zurückgegangen sind. In der Krebsmedizin gehörte das Unternehmen bislang nicht zu den großen Adressen. Das einzige Produkt zur Krebsbehandlung - Vectibix gegen Darmkrebs - war für Amgen weitgehend eine Enttäuschung. Andere Präparate zielen lediglich darauf ab, Nebenfolgen von Krebs oder der Behandlung zu lindern.

Die Biotech-Branche ist für die großen Pharmahersteller ein wichtiges Nachschubreservoir geworden. Sie kaufen dort kräftig zu, um an neue Medikamente zu kommen. Auslaufende Patente setzen die Arzneimittelriesen unter Druck. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr in der Gesundheitsbranche Fusionen und Übernahmen über 93,6 Milliarden Dollar auf den Weg gebracht - 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zu den bislang größten Transaktionen zählen die 8,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Pharma-Firma Warner Chilcott durch den Generika-Produzenten Actavis und der drei Milliarden Dollar teure Kauf von Human Genome Sciences durch die britische GlaxoSmithKline.

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