Bilfinger-Chef Koch setzt den Sparstift an

Bilfinger-Chef Koch setzt den Sparstift an

Kürzungen bei den derzeit rund 9000 Veraltungsposten seien "nicht auszuschließen", sagte Bilfinger-Chef Koch bei der Vorlage der Bilanz für die ersten sechs Monate dieses Geschäftsjahres. Durch die knapp zwei Dutzend Übernahmen in den vergangenen zwei Jahren seien bei Bilfinger "überproportional viele Mitarbeiter in der Verwaltung" tätig, rechnete Finanzchef Joachim Müller vor.

Die Personalkostenquote von derzeit zehn Prozent der Konzernleistung ist laut Koch "auf Dauer nicht tolerierbar" und soll bis Ende 2015 um einen Prozentpunkt sinken, wodurch die Kosten jährlich um bis zu 100 Millionen Euro gedrückt werden könnten. Auch Wettbewerber kämen mit einer Personalkosten-Quote von neun Prozent zurecht. Bilfinger fehlt derzeit vor allem in Europa - wo rund 80 Prozent der Geschäfte abgewickelt werden - der Rückenwind. Im Service-Geschäft mit Industrie- und Immobilienkunden herrscht Preisdruck, lukrative Aufträge zum Bau neuer Kraftwerke in Deutschland sind Mangelware, die bereits zusammengestutzte Bau-Sparte schreibt nur hauchdünne Gewinne.

Für das vor Bilfinger liegende zweite Geschäftshalbjahr bläst der frühere hessische Ministerpräsident Koch daher zur Aufholjagd: "Wir gehen in eine zweite, nicht einfache Jahreshälfte." Nach dem schleppenden Jahresstart habe Bilfinger bei Umsatz und Gewinn in den Monaten April bis Juni schon Boden gutgemacht und werde wie geplant am Ende des Jahres ein höheres Ergebnis und einen Erlöszuwachs einfahren. "Wir können von einem stärkeren zweiten Halbjahr ausgehen." Die Nachfrage aus Großbritannien und Skandinavien bei Industrie-Wartung sei gut, auch die in den USA boomende Öl- und Gasindustrie sorge für eine gute Geschäfte. Im Gebäude-Management kämen die meisten Aufträge zudem erst zum Jahresende herein. Auch die jüngsten Übernahmen, für die Bilfinger binnen zwei Jahren rund 700 Millionen Euro einschließlich Schulden auf den Tisch legte, sollen sich auszahlen: Sie sollen für eine bessere Auslastung der knapp 70.000 Beschäftigten sowie für steigende Umsätze sorgen.

Erstes Halbjahr hinkt Vorjahr noch Hinterher

Nach dem ersten Halbjahr hinkt Bilfinger dem Vorjahr noch deutlich hinterher. Die mit Kunden abgerechnete Konzernleistung schrumpfte von Januar bis Juni um zwei Prozent auf vier Milliarden Euro. Im Gesamtjahr 2013 strebt Bilfinger an, mindestens 8,7 Milliarden Euro mit den Kunden abzurechnen und damit die Erlöse des Vorjahres in Höhe von 8,6 Milliarden Euro zu überbieten. "Das wird wieder zu einem sehr guten Gesamtergebnis führen", versicherte Vorstandschef Koch und versprach den Investoren für 2013 steigende Gewinne und höhere Margen. Das sorgte an der Börse für Zuversicht: Mit einem Plus von fast drei Prozent führten die Aktien die Gewinnerriege im Nebenwerteindex MDax an. Die schleppenden Geschäfte mit der Chemieindustrie seien von der soliden Nachfrage der Öl- und Gasförder-Branche kompensiert worden, urteilte die Commerzbank.

Bilfinger hat sich im laufenden Jahr vorgenommen, den um Sondereffekte wie akquisitionsbedingte Abschreibungen und Veräußerungsgewinne bereinigten Konzerngewinn im fortgeführten Geschäft gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 231 Millionen Euro zu steigern. Per Ende Juni standen lediglich 81 Millionen Euro zu Buche, ein Fünftel weniger als vor Jahresfrist. Nachdem im ersten Quartal der lange Winter Bilfinger zugesetzt hatte, wartete der Mannheimer auch im Frühjahrsquartal weiter vergebens auf die Bezahlung durch die polnische Regierung für den Bau von zwei Umgehungsstraßen. Für Entlastung bei den Kosten wird der Sparkurs in der Verwaltung sorgen: Um 20 Millionen Euro sollen die Ausgaben bis Jahresende gedrückt werden.

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