Bewährungsprobe Zinstief – Allianz kämpft um Sparer

Bewährungsprobe Zinstief – Allianz kämpft um Sparer

Fast 30 Milliarden Euro an Vermögen zogen die Kunden im dritten Quartal aus Fonds von Europas größtem Versicherer ab - nur auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 war der Aderlass noch größer. An Glanz verloren hat vor allem die US-Anleihetochter Pimco um den Manager Bill Gross, dessen Flaggschiff-Fonds Total Return die Investoren zuletzt nicht mehr überzeugte.

Der Titel des weltgrößten Anlagefonds ist verloren. Das bringt den Allianz-Konzern, der dieses Jahr auf einen Gewinn von knapp zehn Milliarden Euro zusteuert, zwar nicht aus dem Tritt. Doch das rasante Wachstum der Vermögensverwaltung, die sich über die Jahre zum zweitwichtigsten Standbein neben der Schaden- und Unfallversicherung gemausert hat, ist gebremst.

Finanzchef Dieter Wemmer bemühte sich am Freitag um Schadensbegrenzung: "Dass Pimco nicht jedes Quartal zehn Prozent wachsen kann, ist klar." Große Umbauarbeiten oder eine Reduzierung der Gebühren für die Kunden seien nicht nötig. Die Vermögensverwaltung, zu der auch die breiter aufgestellte Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) gehört, sei lediglich in einer Formschwäche. Wohl und Wehe der Konzernsparte hänge an den Rahmenbedingungen.

PIMCO braucht Zeit

Die sind seit dieser Woche nicht leichter geworden: Erst am Donnerstag senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent, um die Wirtschaft im Euroraum anzukurbeln - Anfang 2013 lag er noch bei 0,75 Prozent. Damit werden festverzinsliche Wertpapiere, auf die die Sparer zu Beginn der Krise wegen der massiven Verwerfungen auf den Aktienmärkten noch gesetzt hatten, immer unattraktiver. Hinzu kommt die Unsicherheit darüber, wie lange sich die US-Notenbank Fed noch als große Bondkäuferin betätigt und den Markt in Schwung hält. Die einstige Stärke von Pimco verkehrt sich ins Gegenteil und der Vorstoß in andere Bereiche ist für die Anleihe-Gurus offensichtlich schwieriger als gedacht, wie unlängst auch Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann in einem Interview einräumte.

Börsianer zeigten sich zum Wochenausklang dennoch gnädig: Die Allianz-Aktie zählte mit einem Plus von einem Prozent zu den größten Gewinnern im Dax, der leicht nachgab. Dazu trug auch die Anhebung des Jahresziels bei: Die Allianz peilt jetzt ein operatives Ergebnis über 9,7 Milliarden Euro an, dem oberen Ende der bisherigen Prognosespanne. Damit nähert sich der Versicherer den Analystenschätzungen an, obwohl das Ergebnis im dritten Quartal bei 2,5 Milliarden stagnierte. Auch beim Nettogewinn dürfte die Allianz 2013 über dem Vorjahreswert herauskommen, sagte Wemmer. Zu einer Dividendenaussage wollte er sich noch nicht hinreißen lassen. In der Regel schüttet der Konzern 40 Prozent des Reingewinns an die Anleger aus.

Rund drei Milliarden Euro soll die Vermögensverwaltung 2013 zum Konzernergebnis beitragen, wie Wemmer bekräftigte. Allerdings brach der Spartengewinn im abgelaufenen Quartal um elf Prozent auf 754 Millionen Euro ein. Der Bereich verwaltet aktuell noch ein Vermögen von 1,8 Billionen Euro, Anlagen der Allianz eingerechnet. Das sind fast drei Prozent weniger als im Frühjahr.

Keine Angst vor "Christian"

Auch die Lebens- und Krankenversicherung warf im Niedrigzinsumfeld weniger ab. Unerwartet gut schlug sich dagegen in den Sommermonaten die Schaden- und Unfallversicherung, wo das Ergebnis um sechs Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro stieg. Dabei hatte es gerade in Europa etliche Unwetter gegeben: Nach der Flut kam etwa der große Hagelsturm in Deutschland. Das führte zu Nettobelastungen von insgesamt 464 Millionen Euro. Neben diesen Wetterkapriolen gab es aber deutlich weniger Einzelschäden, für die die Allianz aufkommen musste.

Im laufenden Schlussquartal kommt nun noch Herbststurm "Christian" dazu, der Ende Oktober über weite Teile Europas hinweggefegt war. Die Allianz geht davon aus, dass der Sturm die Branche insgesamt mehr als eine Milliarde Euro gekostet hat und rechnet für sich selbst mit einer Belastung von etwa 100 Millionen Euro, wie Wemmer sagte. Die genaue Schadenserfassung laufe aber noch. "Nehmen Sie das mal als Daumenschätzung." Der Sturm dürfte nach den Worten des Finanzchefs zusammen mit anderen Einmaleffekten zwar zu einem leichten Gewinnrückgang im vierten Quartal führen, das Jahresziel aber nicht mehr kippen. Schon die großen Rückversicherer hatten in dieser Woche Entwarnung in Sachen "Christian" gegeben und eher von einem überschaubaren Schaden gesprochen.

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