Bei Lanxess schlägt die Krise ein

Bei Lanxess schlägt die Krise ein

Nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal kippte Lanxess-Konzernchef Axel Heitmann die Ergebnisprognose für das kommende Jahr. "Die Autonachfrage ist wirklich kritisch, nicht nur in Europa", räumte Heitmann am Dienstag in Köln ein. Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, der unter anderem in Reifen, Dichtungen und Schläuchen zum Einsatz kommt.

Zudem produziert das Unternehmen Kunststoffe sowie Chemikalien zur Wasseraufbereitung. "Die angespannte Stimmung in Europa zeigt sich nun auch in anderen für uns wichtigen Märkten wie China und Brasilien", merkte Heitmann an.

Eine Erholung der Geschäftslage noch in diesem Jahr sieht der Lanxess-Chef nicht. Daher will Heitmann ein neues Sparpaket auflegen, um die Ertragskraft zu sichern: "Derzeit arbeiten wir an einer Überprüfung der Strategie und weiteren Maßnahmen."

Die trüben Aussichten ließen die Lanxess-Aktie an der Börse in den Keller rauschen. Zeitweise brachen die Titel um 7,9 Prozent auf 42,80 Euro ein und waren damit das Schlusslicht im Leitindex Dax. "Die Zahlen sind schlecht und Besserung ist kurzfristig wohl nicht zu erwarten, wenn das Ziel für 2014 wackelt", sagte ein Händler. Die Chemieindustrie komme in der aktuellen Berichtssaison nicht gut weg.

"Die Rahmenbedingungen für unsere Geschäfte bleiben schwierig", sagte Heitmann. Daher sei das Ziel eines um Sondereinflüsse bereinigten operativen Gewinns (Ebitda) von 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2014 nicht mehr erreichbar. Die mittelfristige Ergebnisprognose von 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2018 hielt Heitmann zwar aufrecht - Lanxess muss sich nun aber deutlich mehr strecken, um das Ergebnis zu schaffen. Für das laufende Jahr stellte Heitmann lediglich einen bereinigten operativen Gewinn von 700 bis 800 Millionen Euro in Aussicht, nachdem 2012 ein Rekordgewinn von 1,2 Milliarden erzielt worden war.

Vor allem in Asien bauten Kunden nach wie vor ihre Lager ab, sagte Heitmann. Lanxess hatte bereits sein Investitionsbudget für dieses Jahr auf 600 Millionen Euro gekürzt. Weitere Einsparungen und Schritte zur Ergebnisverbesserung wie das Einmotten oder die Schließung von Anlagen sind in Arbeit. Ob auch Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, sagte Heitmann nicht: "Ergebnisse werden wir Mitte September vorstellen." Lanxess hatte bereits angekündigt, seinen Produktionsstandort für Alterungsschutzmittel in Südafrika zu schließen.

Gewinn schmilzt zusammen

Im zweiten Quartal brach der bereinigte operative Gewinn binnen Jahresfrist um 45 Prozent auf 198 Millionen Euro ein. Der Umsatz ging um zwölf Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich schmolz der Überschuss auf neun Millionen Euro zusammen - ein Rückgang um 95 Prozent. Insbesondere die schwache Nachfrage aus der Automobil- und Reifenindustrie belastete das Geschäft von Lanxess. Der Chemiekonzern, der inzwischen seinen Firmensitz von Leverkusen nach Köln verlegt hat, erzielt etwa 40 Prozent seiner Umsätze mit der Auto- und Reifenbranche. Erst vor wenigen Tagen hatte der Reifen-Hersteller Continental vor einer langsameren Erholung des Reifenersatzgeschäfts in Europa gewarnt.

Zudem sanken zuletzt die Verkaufspreise für Lanxess-Produkte. "Zur Zeit sehen wir fallende Rohstoffpreise und entsprechend passen wir unsere Verkaufspreise an", sagte Heitmann. Lichtblick im Quartal war wie auch bei anderen Chemieunternehmen die Agrarchemie. Lanxess profitierte unter anderem von einer guten Nachfrage nach Chemikalien für die Landwirtschaft aus Europa.

Lanxess reiht sich ein

Mit seinen schwachen Geschäftszahlen zum abgelaufenen Quartal steht Lanxess in der Chemiebranche nicht allein da. Die Quartalsergebnisse der deutschen Rivalen fielen insgesamt bescheiden aus. Der Spezialchemiekonzern Evonik senkte in der vergangenen Woche nach einem Gewinneinbruch seine Ziele für das laufende Jahr und gab die Hoffnung auf eine Geschäftsbelebung im zweiten Halbjahr auf. Auch der Branchenprimus BASF rechnet nach einem Gewinnrückgang nicht mehr mit einer spürbare Erholung seiner Geschäfte im weiteren Jahresverlauf. Rheinabwärts spürt Bayer das härtere Umfeld in seiner Plastik-Sparte: Die Leverkusener kürzten ihren Geschäftsausblick für das Kunststoffsegment in diesem Jahr.

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