BASF trennt sich weiter – vielleicht auch vom Pipeline-Netz

BASF trennt sich weiter – vielleicht auch vom Pipeline-Netz

Nach der geplanten Trennung vom Gashandelsgeschäft und den Speicheraktivitäten könnte der Chemieriese Experten zufolge schon bald das nächste Teilstück der Sparte auf den Prüfstand stellen - das 2.200 Kilometer lange Netz an riesigen Gasfernleitungen in Deutschland. "Das ist ein heißes Thema", sagt ein Brancheninsider.

Auslöser der Überlegungen ist der Mitte November angekündigte Anteilstausch zwischen BASF und dem russischen Energieriesen Gazprom, in dessen Rahmen sich BASF vom Gashandel- und Speichergeschäft verabschiedet. In der Folge habe für BASF das in der Gesellschaft Gascade angesiedelte Pipeline-Netz kaum noch strategischen Wert, sagten mehrere Branchenkenner zu Reuters. Das Erdgas-Fernleitungssystem gehört zu 50,01 Prozent BASF und zu 49,99 Prozent Gazprom.

Milliarden-Erlös für BASF?

Der Großteil des Gascade-Fernleitungsnetzes entstand in den 1990er Jahren. Kernstück ist die 702 Kilometer lange Nord-Süd-Leitung Midal, an die auch das BASF-Werk in Ludwigshafen angeschlossen ist. Dazu kommt unter anderem die 338 Kilometer lange Jagal-Pipeline und die 314 Kilometer lange Leitung Stegal, die das polnische mit dem tschechischen und slowakischen Netz verbindet. Mit dem Leitungssystem fuhr BASF viele Jahre satte Gewinne ein. Seit der Liberalisierung des europäischen Strommarktes Mitte des vergangenen Jahrzehnts schrumpfen die Gewinne jedoch - und machen BASF kaum noch Freude.

Als mögliche Käufer kommen Branchenexperten zufolge große Infrastruktur-Fonds wie Macquarie und GIP sowie Versicherer wie Allianz und Münchener Rück in Betracht. Einige Banker gehen aus, dass BASF das Netz schon bald auf die Verkaufsliste setzen wird. Eine Veräußerung dürfte allerdings alles andere als einfach werden, geben andere Branchenkenner zu bedenken. "Das werden schwierige Gespräche zwischen BASF und Gazprom", sagt ein mit den Überlegungen vertrauter Banker. "Die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Lösung ist niedrig."

Der Verkaufspreis könnte in die Milliarden gehen. Manche in der Branche rechnen mit einer Million Euro pro Kilometer, womit das gesamte Paket satte 2,2 Milliarden Euro kosten würde. Andere Experten halten dieses Betrag angesichts der schrumpfenden Gewinne in der Sparte dagegen für deutlich zu hoch.

Hoffnungsschimmer Energiewende

Eine große Unbekannte sind bisher die Pläne von Gazprom. Der Energieriese beschäftigt sich Kreisen zufolge zwar mit dem Thema, in welche Richtung der staatlich kontrollierte Konzern am Ende steuern wird, ist aber noch völlig unklar. Insider sehen drei Möglichkeiten. Gazprom könnte die Pipelines ganz übernehmen, was allerdings vermutlich Politik und Aufseher auf den Plan rufen würde. Alternativ könnten die Russen bei Gascade ganz aussteigen oder einen neuen Partner an ihrer Seite akzeptieren.

Für Investoren, die derzeit händeringend nach sicheren Anlagemöglichkeiten fahnden, wäre ein Einstieg bei Gascade aus Sicht von Experten durchaus attraktiv. Zwar sind die Gewinnspannen für den Gastransport zuletzt wegen des härteren Wettbewerbs gesunken. Da im Zuge des deutschen Atomausstiegs die Bedeutung von Gas steigend wird, rechnen Insider in den kommenden Jahren allerdings mit stabilen Gewinnen.

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