Banken in Frankreich – "Es ist das Ende eines Eldorados"

Banken in Frankreich – "Es ist das Ende eines Eldorados"

BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole haben einen Großteil der von der Schuldenkrise in der Eurozone bestimmten Jahre damit verbracht, ihr Geschäft außerhalb Frankreichs in Ordnung zu bringen. Doch nun müssen sie anfangen, sich mit den Auswirkungen der Konjunkturschwäche im Heimatmarkt zu befassen.

Die französischen Banken, die noch in dieser Woche beginnen, ihre Ergebnisse für das erste Quartal vorzulegen, haben bislang Geschäftsbereiche verkleinert, das Eigenkapital gestärkt und nach stabileren Finanzierungsquellen für ihr Geschäft in den sogenannten Peripherieländern der Eurozone gesucht. Jetzt haben sie mit langsamerem Wachstum im Kreditgeschäft, zunehmenden Insolvenzen und Ausfällen bei Problemkrediten in Frankreich zu tun, ihrem wichtigsten Markt für Einlagen und Erträge.

Die französische Wirtschaft stagnierte in den letzten beiden Jahren und die Arbeitslosenquote erreichte einen Rekordwert. Die Gesamterträge im Privatkundengeschäft bei allen fünf großen Banken - darunter auch Groupe BPCE und Crédit Mutuel-CIC - sind im vergangenen Jahr erstmals seit zwei Jahrzehnten gesunken. Die Strategie-Beratung Roland Berger in München rechnet damit, dass der Vorsteuergewinn in diesem Bereich bis 2015 um 5 Mrd. Euro zurückgeht.

“Es ist das Ende eines Eldorados”, sagt Fabrice Asvazadourian, Senior Partner bei Roland Berger in Paris, in einem Interview mit Bloomberg News. “Es war eine Branche, die an Wachstum gewöhnt war und nun kommt urplötzlich eine Vollbremsung”.

Ertragsrückgang auf Dauer

Im französischen Filialgeschäft sind die Erträge der fünf Banken im vergangenen Jahr um durchschnittlich rund ein Prozent gesunken auf 54 Mrd. Euro, wie aus einer Studie von Roland Berger aus dem März hervorgeht. Der Ertragsrückgang dürfte sich bis 2015 jährlich auf durchschnittlich 1,2 Prozent verstärken, heißt es weiter.
Die Gewinne im Privatkundengeschäft zu bewahren ist wichtig für die französischen Banken, da dieser Geschäftsbereich während der Finanzkrise ein Puffer gegen die volatilen Ergebnisse im Investmentbankengeschäft war.

Eine “Transformation” des Privatkundengeschäfts könnte anstehen, sagte der stellvertretende Vorstandschef von SocGen, Jean-Francois Sammarcelli, der für das französische Privatkundengeschäft verantwortlich ist. Nach Einschätzung von Bankenanalysten dürfte sich die Zahl der Filialen - sie ist höher als der europäische Durchschnitt - verringern.

“Die Profitabilität im Retail-Banking ist in Bedrängnis”, sagte Thomas Rocafull, Direktor Finanzdienstleistungen bei der Beratungsgesellschaft Sia Conseil in Paris. Die höheren Eigenkapitalanforderungen, der Wettbewerb unter den Banken sowie das sich verschlechternde makroökonomische Umfeld belasten die Gewinne, wie Rocafull ausführte.

Hinzu kommt die steigende Risikovorsorge für Kreditausfälle. Nach Angaben der französischen Zentralbank vom April haben die Unternehmensinsolvenzen in den zwölf Monaten bis Ende Januar um 1,7 Prozent zugenommen. Nach Einschätzung von Alex Koagne, Analyst bei Natixis in Paris, werden die Rückstellungen für Kreditausfälle im Filialnetz der französischen Banken dieses Jahr wohl um fünf bis zehn Basispunkte steigen.

Die Auswirkungen des schwächeren Privatkundengeschäfts werden sich auch in den Ergebnissen der Banken für das erste Quartal niederschlagen. Abzulesen ist das bereits bei der BNP Paribas: Die größte französische Bankhat im ersten Quartal deutlich weniger verdient als vor Jahresfrist. Der Nettogewinn brach um 45 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro ein. Bei Société Générale, die am 7. Mai berichtet, ist der Quartalsgewinn Analysten zufolge auf 342,6 Mio. Euro gesunken, nach 732 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Ebenfalls am 7. Mai legt der Crédit Agricole seine Quartalszahlen vor. Hier erwarten Analysten einen Gewinn von 328,3 Mio. Euro, nach 252 Mio. Euro im Vorjahresquartal.

Bei BNP Paribas ist der Aktienkurs dieses Jahr um 0,6 Prozent gefallen, Société Générale verzeichnete Kursverluste von vier Prozent. Die Aktie des Crédit Agricole kletterte um 16 Prozent, während der französische Benchmarkindex CAC 40 6,3 Prozent zulegte.

Laut den jüngsten Zahlen des französischen Bankenverbands beschäftigte die Branche 2011 rund 370.000 Personen und 70 Prozent davon im Privatkundengeschäft. Die Banken haben in Frankreich rund 38.000 Filialen. Nach Einschätzung von Asvazadourian dürften die größten Retail-Banken in diesem Jahr die Zahl der Beschäftigten um 10.000 verringern, indem weniger Neueinstellungen vorgenommen und weniger Mitarbeiter ersetzt werden, die altersbedingt ausscheiden.

Zudem dürften die Banken die Anzahl ihrer Filialen in den nächsten Jahren um durchschnittlich zwei Prozent reduzieren. In Frankreich kommen auf eine Million Einwohner 600 Bankfilialen - im europäischen Durchschnitt sind es nur 450 Filialen, so Asvazadourian. “Das Netz ist sehr eng, insbesondere in Paris und anderen großen Städten”, sagt Rocafull. “Da ist Raum für eine Optimierung”.

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