Banken und der Euribor – zuerst manipulieren, dann mit Ausstieg drohen

Banken und der Euribor – zuerst manipulieren, dann mit Ausstieg drohen

Wegen hoher Kosten und Angst vor Rechtsrisiken spielen immer mehr Banken mit dem Gedanken, bei der Festsetzung des Referenzsatzes nicht mehr mitzumachen.

Nach dem Ausstieg der Citigroup und der Deka prüften mehrere deutsche Landesbanken nicht mehr zur Erhebung des Euribor beizutragen, sagten drei mit dem Thema vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt Überlegungen, ob man da weiter dabei sein muss", sagte einer der Insider. "Derzeit läuft eine Abwägung von Kosten und Nutzen." Die Landesbanken haben vor allem Angst davor, dass sie nach einer Reform der Euribor-Festsetzung möglicherweise Geld für Rechtsrisiken zur Seite legen müssen.

Der Ausstieg von Banken aus dem Erhebungsprozess würde die Pläne von Politikern und Aufsehern untergraben, die den Euribor angesichts der jüngsten Manipulations-Skandale reformieren und zuverlässiger machen wollen. Je mehr Institute bei der Festlegung mitmachen, desto schwieriger ist es für einzelne, den Satz durch falsche Angaben zu verzerren. Der Verband öffentlicher Banken (VÖB), der die Landesbanken vertritt, drängt jedoch darauf, dass die neuen regulatorische Anforderungen für die Banken nicht zu aufwendig werden. "Je enger das Korsett an Vorschriften ist, desto eher könnte man sich die Frage stellen, ob man an der Erhebung auf freiwilliger Basis weiter mitmacht", sagte VÖB-Kapitalmarktexperte Georg Baur zu Reuters.

Ähnlich wie der Londoner Interbankenzins Libor, der im Zentrum des Manipulationsskandals steht, beruht der Euribor auf den Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten. Sie melden einmal täglich die Zinsen, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen. Auf dieser Basis wird dann der Euribor-Referenzzins ermittelt, an dem sich die Preise für viele Finanzprodukte wie Hypotheken oder Tagesgeld orientieren. Der Libor ist zwar der weltweit bedeutendere Satz, in Europa spielt der Euribor jedoch für einige Produkte eine wichtigere Rolle.

In Deutschland sind an der Festlegung des Euribor Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, LBBW, BayernLB, Helaba, NordLB und Landesbank Berlin beteiligt. Die Finanzaufsicht Bafin prüft Finanzkreisen zufolge seit Sommer, ob die Institute genügend Vorkehrungen getroffen haben, um Zinsbetrügereien wie beim Libor zu verhindern. Hier hatten Banken falsche Angaben gemacht, um ihre Referenz-Zinssätze zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Beim Euribor hat es möglicherweise ebenfalls Manipulationen gegeben.

Veto der Aufseher?

Europaweit gibt es deshalb verschiedene Vorschläge, wie man den Euribor zuverlässiger machen kann. "Denkbar wäre, dass Benchmarks künftig sowohl auf tatsächlichen Transaktionen als auch auf Einschätzungen beruhen", sagt VÖB-Experte Baur. "Gerade bei langfristigen Leihgeschäften zwischen Banken gibt es am Markt gegenwärtig nicht immer genügend Transaktionen, auf deren Basis man einen Leitzinssatz erheben könnte. Deshalb sind Einschätzungen weiter nötig." Bei der Reform müssten die Aufseher jedoch "mit Augenmaß vorgehen und darauf achten, dass die Kosten für die Banken nicht zu hoch werden".

Ob Landesbanken sonst am Ende tatsächlich aus der Euribor-Erhebung aussteigen, sei noch nicht klar, betonten zwei Insider. Neben den Risiken gebe es schließlich auch Gründe, an Bord zu bleiben. "Für die Reputation wäre es zum Beispiel gut, wenn man bei der Erhebung weiter mitmachen würde", sagte einer von ihnen. Eine Sprecherin der Landesbank Berlin erklärte: "Wir wollen die Unsicherheit nicht verstärken und bleiben deshalb dabei." Alle anderen an der Euribor-Festsetzung beteiligten Landesbanken wollten sich nicht äußern.

Viele Landesbanken würden sich öffentlich zurückhalten, weil sie davon ausgingen, dass die Aufseher sie notfalls zu einer Teilnahme an der Euribor-Festsetzung verpflichten, sagte ein Insider. "Es könnte sein, dass ein Ausstieg von den Aufsehern nicht akzeptiert würde." Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im November bereits angedeutet, dass man Banken, die bisher nicht an der Euribor-Erhebung mitwirken, zu einer Beteiligung zwingen könnte. "Die Option, geeignete Banken zur Teilnahme an dem Panel zu verpflichten, sollte in Erwägung gezogen werden, um sicherzustellen, dass die Erhebung ausreichend groß und repräsentativ ist." Dadurch würde es schwieriger werden, den Euribor zu manipulieren.

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