Banken im Büßerhemd – Sünden kosten 100 Milliarden Dollar

Banken im Büßerhemd – Sünden kosten 100 Milliarden Dollar

Denn die Summe umfasst nicht nur bereits abgeschlossene Vergleiche im Libor-Zinsskandal, bei US-Hypothekenprozessen oder Geldwäsche-Verfahren, sondern auch Rückstellungen für noch ausstehende Strafen. Und diese Rückstellungen können stetig steigen, wie sich zuletzt bei der Deutschen Bank zeigte.

Der deutsche Branchenprimus hat inzwischen mehr als vier Milliarden Euro zur Seite gelegt, um bei seiner Prozessflut auf der sicheren Seite zu sein. Das geht auf absehbare Zeit zulasten der Gewinne und zwingt die Deutsche Bank wie auch andere Häuser, ganze Geschäftsbereiche auf den Prüfstand zu stellen. Was lohnt sich in Zukunft überhaupt noch und was nicht mehr?

"Wir sind nach der Finanzkrise in eine neue Regulierungswelt eingetreten, und die gesamte Branche muss sich daran erst noch gewöhnen", sagt Mike Rees, der bei der britischen Standard Chartered das Großkundengeschäft leitet. "Jeder hat sich bislang auf die neuen Liquiditäts- und Kapitalstandards fokussiert. Aber ich denke, die weitaus größeren Kosten kommen auf die Finanzindustrie bei der Einhaltung der neuen Verhaltensregeln zu."

Vor allem die US-Großbank JP Morgan - wegen ihres vermeintlich guten Risikomanagements lange Zeit das Vorzeigehaus an der Wall Street - machte zuletzt Negativ-Schlagzeilen. Das Institut steht vor einem rekordverdächtigen Hypothekenvergleich mit den US-Behörden, der sich auf 13 Milliarden Dollar summieren dürfte.

Für alle US-Banken belaufen sich die Nach-Krisen-Kosten damit allein für die vergangenen vier Jahre auf fast 85 Milliarden Dollar, wie das Analysehaus SNL Financial ausgerechnet hat. In Europa sind es wiederum hauptsächlich die britischen Banken, die unter hohen selbstverschuldeten Belastungen ächzen: Für die Entschädigung von Kunden, denen sie vor der Krise fragwürdige Restschuldversicherungen andrehten, haben sie bereits über 40 Milliarden Dollar gezahlt oder vorsorglich zurückgelegt. Das Geld ist jedenfalls erst einmal weg.

Die Karten werden neu gemischt

"Die Banken müssen sich fragen: Was ist für uns strategisch noch sinnvoll? Was sind die Risiken? Was ist der Nutzen? Und dann müssen sie Entscheidungen treffen", betont ein ranghoher Bankmanager, der namentlich nicht genannt werden will. Die Großbank HSBC hat es vorgemacht: Sie zog sich aus etlichen Ländern vor allem Lateinamerikas zurück, nachdem ihr die US-Behörden wegen laxer Geldwäschekontrollen eine Milliardenstrafe aufgebrummt hatten. Jetzt gibt das Institut jährlich 800 Millionen Dollar mehr aus, um sicherzustellen, dass seine Angestellten rechtliche und ethische Regeln einhalten.

Credit Suisse und Barclays wiederum haben sich in der lukrativen privaten Vermögensverwaltung aus Märkten wie Weißrussland und Turkmenistan zurückgezogen. Dort mögen zwar viele gut betuchte Oligarchen leben. Doch niemand weiß genau, wo ihre Gelder eigentlich herkommen. Und seit sich die Behörden weltweit verstärkt Steuerflüchtlinge vorknöpfen, ist für Barclays auch die Beratung von Stiftungen rund um Steuerthemen zu einer heiklen Angelegenheit geworden.

Die Finanzinstitute werden nicht müde zu betonen, die schärfere Regulierung schade zwangsläufig der Wirtschaft - vor allem dann, wenn viele Leistungen für Privatkunden und kleinere Unternehmen einfach nicht mehr angeboten würden. Doch die Warnung verhallt bislang ungehört, die Politik springt nicht darauf an. Also legen die Banker nach, so wie John Paul Cusack, der bei der UBS die Geldwäschekontrollen überwacht. Er betonte unlängst auf einer Branchenkonferenz, umfangreiche Finanzdienstleistungen für jedermann und konsequenter Risikoabbau passten nur schwer zusammen. "Wir sind momentan vor allem darauf aus, keine Strafen zu bekommen."

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