Banken zocken sich gegenseitig ab

Innerhalb von lediglich sechs Monaten verlor die Bank mit dem von der UBS aufgelegten strukturierten "Mist"-Wertpapier ihr gesamtes Investment in Höhe von 15 Mio. Dollar.

Banken zocken sich gegenseitig ab

Der Vertical ABS 2007-1, eine von der UBS aufgelegte Mezzanin-Cashflow-Struktur aus besicherten Wertpapieren (ABS), gehört zu mehreren Dutzend Collateralized Debt Obligations (CDO), die das US-Justizministerium in seiner Klage vom 4. Februar gegen S&P und den Mutterkonzern McGraw-Hill Cos. anführte. Die Ratingagentur verlieh den Produkten die Bestnote “AAA”.

In internen E-Mails von UBS seien CDOs zu dem Zeitpunkt, als die Bank sie verkaufte, als "Mist" bezeichnet worden, sagte Senator Carl Levin bei einer Anhörung im April 2010 vor einem Unterausschuss des US-Senats zu den Ursachen und Folgen der Finanzkrise.

Citigroups Citibank-Sparte stieg bei der als am sichersten geltenden Tranche des CDO ein und verließ sich dabei auch auf die Spitzenbonitätsnote von S&P, wie aus der Klageschrift hervorgeht. Die Bank verlor ihr gesamtes Investment, als es bei dem CDO am 19. Oktober 2007 zum Zahlungsausfall kam.

Anpassungen hier und da – und schon gibt's das passende Rating

Aus E-Mails eines S&P-Analysten vom April 2007 geht hervor, wie versucht wurde, das Rating einer CDO-Tranche kurz vor Abschluss des Geschäfts durch Anpassungen beim Cashflow-Modell zu rechtfertigen. Letztendlich funktionierte das Modell, weil “ein Fehler beim Wasserfallmodell” gefunden wurde, “der strenger war als nötig”, schrieb der Analyst. Der Wortlaut der E-Mails steht im Bericht des Unterausschusses.

Der Vertical ABS CDO basierte hauptsächlich auf bonitätsschwachen Subprime-Hypothekenbonds. 75 Prozent davon stammten aus dem Jahr 2006, 8 Prozent aus 2007 und sechs Prozent aus 2005. Mehr als ein Drittel der hinterlegten Sicherheiten waren RMBS mit einem Rating von “BBB” oder niedriger.

“Ach ja”, schrieb S&P-Mitarbeiter Bujiang Hu in Reaktion auf die Herabstufung des Vertical ABS CDO 2007-1 durch Moody’s im Oktober 2007, wie aus dem Bericht des Unterausschusses zur der Rolle der Ratingagenturen hervorgeht. “Die Katze ist aus dem Sack.”

Die US-Regierung wirft der größten Ratingagentur der Welt vor, absichtlich die Risiken von Hypothekenanleihen falsch dargestellt zu haben. Damit habe sich S&P einen Anteil an dem boomenden Geschäft mit der Bündelung von Hypothekenkrediten in Wertpapieren sichern wollen.

S&P bestreitet die Vorwürfe. In einer Erklärung vom 4. Februar verwies die Ratingagentur darauf, dass alle in der Klage genannten CDOs von einem Wettbewerber mit denselben Ratings versehen worden waren. Moody’s hatte die oberen 1,14 Mrd. Dollar der Vertical ABS im April 2007 mit der Höchstnote “Aaa” bewertet.