Banca Monte dei Paschi di Siena – die Radikalkur hat begonnen

Banca Monte dei Paschi di Siena – die Radikalkur hat begonnen

Das Institut ist fest verankert in der Region und hat in der Vergangenheit über seinen Großaktionär, die Monte-Paschi-Stiftung, Milliarden in Kunst, Kultur und Infrastruktur der 55.000 Einwohner zählenden Stadt investiert. Die Bank ist unter anderem am lokalen Flughafen sowie an Weingütern beteiligt und tritt als Sponsor des Fußball- und des Basketballklubs der Stadt auf.

Die 1472 gegründete Bank ist seit 1999 an der Börse, die Stiftung Fondazione Monte Paschi hält rund 37,6 Prozent der Anteile, zeigen Bloomberg-Daten. Über die Stiftung haben Lokalpolitiker Einfluss auf das Geschäft genommen und verwandten in der Vergangenheit rund die Hälfte der Dividenden für wohltätige Zwecke. Diese Zeiten dürften fürs Erste vorüber sein. In diesem Jahr führte die Verschuldung der Bank dazu, dass die Stiftung ihren Mehrheitsanteil abgeben musste.

“Das Ausmaß der Einflussnahme über einen erheblichen Anteil sieht im Rückblick wie ein Fehler aus”, sagt Gabriello Mancini, Vorsitzender der Fondazione Monte Paschi. Stadt und Provinz Siena haben in der Vergangenheit Richtlinien vorgegeben für die Verwaltungsratskandidaten. Es ging um Machterhalt.”

Kritiker der Bank monieren, dass dies zu teuren Fehlentscheiden führte, wie beispielsweise der Expansion der Bank über Siena hinaus. Unter dem Vorsitzenden Giuseppe Mussari erwarb die Bank 2007 den Konkurrenten Banca Antonveneta für sieben Mrd. Euro, mehr als der seinerzeitige Börsenwert von Monte Paschi selbst. Mussari trat im April zurück und ist inzwischen Vorsitzender des 699 Kreditinstitute vertretenden italienischen Bankenverbandes.

Alessandro Profumo als Vorsitzender des Aufsichtsrats und Fabrizio Viola als Vorstandsvorsitzender sollen die Schieflage der Bank bereinigen, indem sie Kosten reduzieren und die Bank neu ausrichten.

Staatshilfe soll 3,4 Milliarden bringen

Profumo und Viola haben bereits angekündigt, als Teil des Sanierungsplans bis 2015 die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 31.170 um 4600 zu verringern und 400 Filialen zu schließen. Bei der Regierung in Rom haben sie um Hilfen im Umfang von 3,4 Mrd. Euro angesucht. Es handelt sich um die zweite Rettung binnen drei Jahren. Noch prüfen die EU-Wettbewerbshüter den Antrag.

“Die Finanzanlagen, die Unfähigkeit, Risiken angemessen zu bewerten, das war der größte Fehler”, sagte der 54-jährige Viola in einem Interview in der Zentrale von Monte Paschi am 6. November. “Wir müssen aufräumen und die Bank zu einem Quell der Erneuerung machen.”

Viola, der seit Januar 2012 für Monte Paschi tätig ist, war davor bei zwei italienischen Genossenschaftsbanken, Banca Popolare dell’ Emilia Romagna und Banca Popolare di Milano. Profumo war 13 Jahre Vorstandsvorsitzender von UniCredit SpA.

Für das dritte Quartal wies Banca Monte dei Paschi am 13. November einen Verlust von 47,4 Mio. Euro aus. Neun von Bloomberg befragte Analysten hatten mit einem Gewinn von 103,4 Mio. Euro gerechnet. Die Rückstellungen für notleidende Kredite verdoppelten sich nahezu. Der Anteil notleidender Kredite zum Gesamtkreditportfolio lag bei 12,4 Prozent im September. Damit überstieg der Wert jenen von UniCredit SpA bei 8,3 Prozent und den von Intesa Sanpaolo Spa bei 7,3 Prozent - den beiden größten Banken Italiens.

Bei der zweiten Runde der von der europäischen Bankenaufsicht im vergangenen Jahr durchgeführten Stresstests wies Monte Paschi aufgrund ihrer Bestände an italienischen Staatsanleihen eine Kapitallücke von 3,3 Mrd. Euro aus. Am Ende des zweiten Quartals entsprach der Nominalwert der Bonds etwa dem Vierfachen der Bilanzsumme der Bank, immaterielle Vermögenswerte wie etwa die Marke ausgeklammert, zeigen Daten von Bloomberg.

“Die Leute haben in diesem Jahr begonnen zu verstehen, dass die Bank anders geführt werden muss, wie eine börsennotierte Gesellschaft. Ohne externe Einflussnahmen”, sagte Viola. “Alle Entscheide kommen jetzt ohne politische Einflussnahmen zustande, wir fokussieren uns auf das Kerngeschäft, die Kapitalausstattung, Liquidität und Profitabilität”, sagte Viola.

Die diesjährige Hauptversammlung im Oktober gab in diesem Sinne bereits ein Vorgeschmack für den angestoßenen Wandel. Statt Spezzatino di Chianina und Chianti aus den eigenen Weinbergen gab es für die Aktionäre bloß Sandwiches und Mineralwasser.

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