Axel Springer: Digitales Geschäft kompensiert Printschwäche

Axel Springer: Digitales Geschäft kompensiert Printschwäche

Der radikale Umbau von Axel Springer weg von Printprodukten hin zu digitalen Inhalten trägt erste Früchte. So konnte der "Bild"-Herausgeber unter anderem mit Anzeigenportalen den Erlöseinbruch bei Zeitungen von knapp zwölf Prozent im zweiten Quartal kompensieren.

Erste Erfolge konnte Springer-Chef Mathias Döpfner bei dem Versuch vermelden, sich journalistische Inhalte im Internet bezahlen zu lassen. Innerhalb eines halben Jahres gewann die Tageszeitung "Die Welt" mit einem neuen Bezahlmodell 47.000 Abonnenten im Netz, zusätzlich schalteten sich 27.000 Printleser für welt.de frei.

"Journalismus ist Nutzern auch in der digitalen Wert etwas wert", sagte Döpfner am Mittwoch. Eine neue Erlösquelle sei etabliert. Drei von vier Nutzern führten das Abo auch nach der günstigeren Testphase fort. Allerdings wird für das Online-Abo maximal knapp 15 Euro fällig, während ein "Welt"-Printabo einschließlich Online-Zugang monatlich fast 45 Euro kostet. Springer gilt deutschlandweit als Vorreiter beim Kampf gegen die Kostenlos-Kultur im Netz. Auch das Boulevard-Flaggschiff "Bild" ist seit Juni kostenpflichtig und ködert mit einer Bundesliga-App neue Leser. Im Streit mit dem Bezahlsender Sky über zu ähnliche Angebote rechnet Döpfner bis Freitag mit einer Entscheidung der Deutschen Fußball Liga.

Weltweit suchen Verlage angesichts einbrechender Printauflagen und damit fehlender Werbeerlöse händeringend nach neuen Umsatzsäulen. Dies hat die Branche auf den Kopf gestellt. Erst am Montag kaufte Amazon -Gründer Jeff Bezos die altehrwürdige Washington Post, laut Döpfner für "einen schockierend niedrigen Preis".

Döpfner will Digital-Bereich weiter stärken

Springers Strategie ist es, mit mehreren Standbeinen zu punkten. Zum Konzern gehören Anzeigen-Portale wie Immonet, Seloger und Stepstone genauso wie Online-Vermarktungsdienste wie Zanox und eben der Printbereich. Dieser Sektor schrumpft allerdings empfindlich mit dem Verkauf eines Großteils der Zeitungen und Magazine. Für 920 Millionen Euro wechseln zum Jahresende "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost", "Hörzu" und weitere Blätter zur Funke Gruppe. "Die zusätzlichen Mittel stecken wir in die beschleunigte Digitalisierung und Stärkung der Kernmarken", verteidigte Döpfner den Schritt, der in der Medienwelt für großes Aufsehen sorgte.

Zugleich bestätigte er erneut das "grundsätzliche" Interesse an der Scout24-Gruppe der Deutschen Telekom. Er wollte sich allerdings nicht dazu äußern, ob ein Gebot abgegeben wurde. Kreisen zufolge ist zusammen mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic längst eine Offerte eingereicht worden. Die Deutsche Telekom verspricht sich Kreisen zufolge bei einem Verkauf der Scout24-Gruppe einen Erlös von 1,5 bis zwei Milliarden Euro.

Einen Kauf der TV-Senderkette ProSiebenSat.1 schloss Döpfner dagegen aus. Dies sei "keine Option mehr", sagte der Springer-Chef.

Digitale Medien leisten größten Gewinn- und Umsatzbeitrag

Für das neue "Welt"-Bezahlmodell diente die "New York Times" als Blaupause, die den Schritt bereits vor Jahren wagte. Im zweiten Quartal stieg die Zahl der digitalen Abonnenten der gleichnamigen Zeitung auf knapp 700.000 und damit um 35 Prozent zum Vorjahr. Springer ist da noch nicht ganz so weit: Bisher liegt der Umsatz mit Bezahlinhalten im mittleren einstelligen Millionenbereich. Analysten werten die Online-Abonnements für "Welt" positiv. "Die Zahlen sind ermutigend und alles andere als ein Fehlstart", sagte ein Frankfurter Analyst. Die Springer-Aktie gehörte mit einem Plus von 1,9 Prozent zum größten Gewinner im Nebenwerteindex MDax.

Die digitalen Medien, zu denen neben Zanox, die Online-Anzeigenportale und auch die Online-Angebote der Printprodukte gehören, leisteten im zweiten Quartal den höchsten Beitrag zu Umsatz und Ergebnis. Ihr Plus glich die Ausgaben für den Konzernumbau und den Ergebniseinbruch im Printsektor von rund einem Viertel nahezu aus: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel von April bis Juni um 0,4 Prozent auf 171,6 Millionen Euro und lag damit deutlich über den Erwartungen von Analysten. Auch das Umsatzminus von 0,9 Prozent auf 823,7 Millionen Euro fiel weniger stark als befürchtet aus. Der Konzern mit rund 14.600 Mitarbeitern bestätigte, er rechne für das Gesamtjahr mit einem Ergebnisrückgang im einstelligen Prozentbereich, jedoch einem Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

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