Autokrise: Ford dreht zu - GM hinkt hinterher

Autokrise: Ford dreht zu - GM hinkt hinterher

Der amerikanische Autohersteller Ford, der anders als GM vor der Krise von 2009 in den USA gerade so die Kurve kriegte, ist jetzt auch in Europa seinem Konkurrenten wieder ein Schritt voraus. Das Unternehmen schließt dort drei Werke und streicht Tausende Jobs, während GM nicht aus den Startlöchern kommt.

Das Tempo, mit dem Ford die Umstrukturierung vorantreibt und das vergleichweise langsame Vorankommen von GM ist gerade angesichts des gegenwärtig schrumpfenden Absatzes auf dem alten Kontinent von entscheidender Bedeutung. Beide Unternehmen verbuchten im dritten Quartal deutliche Verluste in Europa und warnten, dass sie 2012-2013 dort zusammen mehr als sechs Milliarden Dollar verlieren könnten.

Das trifft vor allem die GM-Tochter Opel hart, die in den vergangenen zehn Jahren schon Milliardenverluste eingefahren hat, mit den Gewerkschaften über Kreuz liegt, mit ihrem Markenimage kämpft und fast alle Top-Manager ausgewechselt hat. Vor allem aber ist Opels Produktion zu teuer und die Personalkosten sind angesichts der schrumpfenden Nachfrage in Europa zu hoch.

Opel habe anders als Ford "die goldene Chance völlig verpasst", in der vorangegangenen Krise tiefe Einschnitte durchzusetzen, sagte Mirko Mikelic von der Fifth Third Bank, zu dessen Geschäftsbereich auch GM-Vorzugsaktien und Ford-Anleihen gehören. "Viele Anleger würden gern einen Abbau der Kapazitäten sehen." Ähnliche Schritte wie bei Ford würden auch von GM erwartet.

Überkapazitäten

Die Eurokrise hat das Problem der Überkapazitäten in der Autobranche noch verschärft. Die Hersteller haben hohe Fixkosten bei einer sinkenden Zahl gebauter Autos. Die Werke von GM und Ford in Europa sind nach Einschätzung von Branchen-Analysten zu weniger als 75 Prozent ausgelastet.

Anders als Opel hat Ford in Europa aber einen klareren Weg zur wirtschaftlichen Gesundung. Das Unternehmen kündigte an, 6200 Jobs zu streichen sowie ein großes Montagewerk und zwei kleinere Fertigungsstätten in Großbritannien und Belgien zu schließen. Wenn das nicht ausreiche, um bis Mitte des Jahrzehnts die Rentabilität deutlich zu erhöhen, seien weitere Sparmaßnahmen möglich, kündigte Ford an.

GM ist hingegen damit beschäftigt, eine Allianz mit dem ebenfalls strauchelnden französischen Hersteller PSA Peugeot Citroen zu schmieden, die nicht vor 2016 spürbare Ergebnisse bringen dürfte. Opel steckt zudem in langwierigen Gesprächen mit der Gewerkschaft über die Zukunft des Werkes in Bochum. Eine Frist bei den Gesprächen war kürzlich verstrichen und die Gewerkschaft teilte mit, dass die Verhandlungen fortgesetzt würden, möglicherweise bis ins nächste Jahr. Der Termin für eine Entscheidung bleibt ungewiss.

"Wir wissen, dass wir hinterherhinken", sagte der Vice-Chairman von GM, Steve Girsky, und verweist auf das sich verschlechternde Image der Marke Opel und das angespannte Verhältnis zu den deutschen Gewerkschaften. "Wir machen aber langsam Fortschritte", sagte er Analysten und gab sich optimistisch: "Kleine Siege führen zu großen Siegen." Zu einem Bericht der "Financial Times Deutschland" äußerte sich das Unternehmen indes nicht, wonach Volkswagen -Manager Karl-Thomas Neumann Mitte des kommenden Jahres als Chef zu Opel wechseln soll. Die Stelle ist seit mehr als drei Monaten vakant. "Trotz des schrecklichen wirtschaftlichen Umfelds in Europa legen wir die Hände nicht in den Schoß", sagte Girsky. "Es gibt bei Opel auch schon ein paar zarte Pflänzchen in der Wüste." Im kommenden Jahr würden einige neue Modelle die Lage verbessern.

"Wir verfolgen genau, wo wir gegenüber Ford stehen, und wir wissen, dass es da einen Rückstand gibt", sagte GM-Finanzchef Chuck Stephens. "Offensichtlich hat er sich in diesem Jahr vergrößert. Ford ist uns etwa zwei Jahre dabei voraus, eine globale Architektur zu schaffen." Bei der Umstrukturierung in Europa dürften es nach Ansicht von Experten eher vier Jahre sein.

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