Ausgegoogelt: Google verkauft Motorola an Lenovo

Ausgegoogelt: Google verkauft Motorola an Lenovo

Google hat den erst 2011 übernommenen Smartphone Hersteller Motorola um drei Milliarden Dollar an Lenovo verkauft. Google hatte selbst im Jahr 2011 noch 12,5 Milliarden für das Unternehmen gezahlt.

Der chinesische Computerhersteller Lenovo macht damit künftig auf dem hart umkämpften US-Smartphone-Markt Platzhirsch Apple Konkurrenz. Die am Mittwoch bekanntgemachte Transaktion ist bislang Chinas größte Technologie-Übernahme und bereits der zweite Milliardendeal von Lenovo in den USA binnen kürzester Zeit. Erst vor wenigen Tagen hatte der weltgrößte PC-Hersteller, zu dem in Deutschland der Aldi-Lieferant Medion gehört, den Kauf einer Server-Sparte von IBM für 2,3 Milliarden Dollar angekündigt. Im Jahr 2005 hatte Lenovo bereits für 1,75 Milliarden Dollar das IBM-Computergeschäft erworben.

Die Vereinbarung mit dem chinesischen Konzern bedeutet für Google den Ausstieg aus dem Smartphone-Geschäft. Der US-Internetriese hatte Motorola erst 2011 für 12,5 Milliarden Dollar übernommen, konnte die Tochter aber nicht in die schwarzen Zahlen führen. Die Verluste weiteten sich in den vergangenen Quartalen sogar aus. Google-Chef Larry Page erklärte, seinem Unternehmen sei besser gedient, sich auf seine Smartphone-Software Android zu konzentrieren als auf eigene Geräte. Google-Aktien legten im nachbörslichen Handel 2,6 Prozent zu.

Als Schatz von Motorola gelten die Patente. Der Großteil davon verbleibt im Besitz von Google, wie das Unternehmen mitteilte. Lenovo erhalte den Markennamen Motorola und rund 2000 Patente. Die Chinesen zahlen 660 Millionen Dollar in bar und 750 Millionen in eigenen Aktien. Hinzu kommt ein Schuldschein über 1,5 Milliarden Dollar.

"Kultmarke" Motorola soll Durchbruch im Westen bringen

Lenovo hat sich bislang vom US-Markt ferngehalten. Das ändert sich mit Motorola nun grundlegend. "Die Akquisition einer solchen Kultmarke, eines innovativen Produktportfolios und eines unglaublich talentierten internationalen Teams wird Lenovo mit einem Schlag zu einem starken weltweiten Wettbewerber im Smartphone-Geschäft machen", erklärte Lenovo-Chef Yang Yuanqing. Analyst Frank Gillett vom Marktforscher Forrester sagte, mit Motorola könne das chinesische Unternehmen auf den westlichen Märkten viel rascher Bekanntheit erlangen.

Der Deal muss noch von den Behörden in den USA und China genehmigt werden. Analysten erwarten vor dem Hintergrund wechselseitiger Ausspähvorwürfe harte politische Debatten, insbesondere in den Vereinigten Staaten.

In Bereichen wie Wearables (Google Glass) und Smart Home will Google aber weiterhin an eigener Hardware arbeiten. Fraglich ist auch wie es mit Googles eigener Nexus-Linie weitergehen wird. Diese wird zwar nicht von Google selbst gefertigt, aber maßgeblich vom Unternehmen mitgestaltet und vertrieben.

Hintergrund

Hintergrund des Motorola-Verkaufs dürfte Gerüchten zufolge eine mit Samsung getroffene Einigung sein, wonach Samsung einer deutlichen Reduktion der eigenen Android-Anpassungen zugestimmt haben soll. Als Gegenzug verzichtet Google auf die Hardware-Produktion im Smartphone-Bereich und ist so nicht länger direkter Konkurrent von Samsung.

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