Auflösung des Kali-Kartells setzt Fragezeichen hinter "Legacy"-Projekt von K+S

Auflösung des Kali-Kartells setzt Fragezeichen hinter "Legacy"-Projekt von K+S

Branchenexperten setzten nun große Fragezeichen hinter das ehrgeizige "Legacy"-Projekt von K+S-Konzernchef Norbert Steiner, mit der Erschließung einer neuen Mine in Zentralkanada im Kali-Geschäft einen großen Sprung nach vorne zu machen.

Das neue Bergwerk soll im Sommer 2016 den Betrieb aufnehmen und bis Ende 2017 eine Produktionskapazität von mindestens zwei Millionen Tonnen erreichen. Die Analysten des Bankhauses Berenberg sind skeptisch: "Nach unserer Einschätzung wird das Unternehmen auch gezwungen sein, sein kanadisches Expansionsprogramm bis auf weiteres zu stoppen."

Was ist geschehen? Bislang wurden die Preise im weltweiten Kali-Geschäft von zwei Exportkonsortien bestimmt: dem russischen Handelsbündnis BPC der Produzenten Uralkali und Belaruskali und dem kanadischen Konsortium Canpotec, der Rivalen Potash, Agrium und Mosaic. Das Duopol kam bisher für rund 70 Prozent des weltweiten Kali-Handels auf und sorgte für nahezu identische Preise in wichtigen Abnehmerländern wie Indien und China - eine komfortable Situation für alle großen Kali-Förderer. Doch Uralkali will das BPC-Bündnis auflösen und künftig auf eigene Faust handeln. Fallende Kali-Preise wollen die Russen über steigende Absatzmengen in China, Indien und Brasilien auffangen. Konzernchef Wladislaw Baumgertner rechnet damit, dass die Kali-Preise bereits in der zweiten Jahreshälfte von derzeit rund 400 Dollar unter die Marke von 300 Dollar fallen könnten.

Legacy-Projekt steht auf der Kippe

K+S könnte das nur schwer verkraften. Denn die Betriebskosten der deutschen Bergwerke sind deutlich höher als die der Konkurrenz aus Russland und Kanada. Bei derart drastisch sinkenden Kali-Preisen würden die Ergebnisse des Konzerns daher deutlich schrumpfen. Als einziger großer westeuropäischer Produzent können die Kasseler den Weltmarktpreis zudem kaum selbst beeinflussen. Die Analysten von Bernstein Research gehen noch weiter: "K+S kann einen Preisrutsch nicht mit höheren Verkaufsmengen ausgleichen, solange das kanadische Legacy-Projekt nicht startet, das nach unserer Einschätzung eine unsichere Zukunft hat." Der Grund: Die Bergwerke von K+S produzieren bereits an ihrer Kapazitätsgrenze - da ist schlichtweg keine Luft mehr nach oben.

"Legacy" wurde allerdings 2011 mit der Übernahme der kanadischen Potash One unter völlig anderen Voraussetzungen auf den Weg gebracht. Um die für das Projekt anvisierte Prämie von 15 Prozent auf die Kapitalkosten zu verdienen hatten die Nordhessen einen Kalipreis von mindestens 420 Dollar einschließlich Fracht zugrunde gelegt. Die Analysten von Bernstein Research schließen deshalb weitere Verzögerungen oder nochmalige Kostensteigerungen bei dem Bergbau-Projekt nicht aus. "Als Folge davon könnte K+S seine Beteiligung über ein Gemeinschaftsunternehmen verringern oder eine Aktienplatzierung anschieben, um sich das Kapital für den Abschluss des Projekts zu holen", so ihre Schlussfolgerung.

K+S prüft weiteres Vorgehen

Bislang ist jedoch unklar, wie Konzernchef Steiner auf die neuen Markt-Verhältnisse strategisch reagieren wird. "Eine umfassende Bewertung der aktuellen Situation ist uns derzeit nicht möglich. Wir beobachten die weitere Entwicklung sehr genau", hatte er nach Bekanntwerden des Schritts verkünden lassen. Die positiven mittel- und langfristigen Trends im Kali-Geschäft hätten aber nach wie vor Bestand. Analysten bezweifeln, ob eine Rückkehr zur alten Duopol-Struktur überhaupt möglich ist. Die Experten von Bernstein sind sich sicher: "Unserer Einschätzung zufolge würde es nach den Aussagen des Uralkali-Chefs sehr schwierig werden, chinesische Kunden davon zu überzeugen, Preise von mehr als der Marke von 300 Dollar die Tonne zu zahlen."

Viele K+S-Investoren haben deshalb in diesen Tagen schon ihre Konsequenzen gezogen: Sie flohen in Scharen aus der Aktie. Binnen weniger Tage schrumpfte der Börsenwert des Rohstoff-Konzerns auf knapp über drei Milliarden Euro von zuvor rund 4,6 Milliarden Euro. Damit ist inzwischen auch die Dax-Mitgliedschaft von K+S in Gefahr.

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