Auf Schrumpfkurs - das Ende der fetten Jahre für die Banken?

Auf Schrumpfkurs - das Ende der fetten Jahre für die Banken?

Es wird gespart und gekürzt an allen Ecken und enden. Imagepflege oder echte Wende? Branchenweit wurden im zweiten Quartal 2012 im Jahresvergleich jedenfalls die Investmentbanking-Vergütungskosten um etwa 15,3 Prozent gesenkt. Ein Ende scheint nicht in Sicht.

Credit Suisse, nach der UBS die Nummer zwei unter den Schweizer Banken, hat im Bereich Fixed-Income die Anzahl der Mitarbeiter in den zwölf Monaten bis Ende Juni um rund 18 Prozent reduziert. Das geht aus einer Präsentation von Finanzchef David Mathers hervor.

Die Bank aus Zürich ist den Angaben zufolge damit nahe an dem Ziel, den angestrebten Abbau von 20 Prozent der Stellen im Bereich für Festverzinsliche ab Mitte 2011 zu erreichen. Die Präsentation war vorbereitet worden für die Barclays Global Financial Services Conference, die am Mittwoch in New York stattfand.

Durch die Informationen des Finanzchefs bekommen Beobachter einen besseren Eindruck davon, in welchen Bereichen die Credit Suisse die Anzahl der Mitarbeiter senkt. Vergangenes Jahr hatte die Bank lediglich angekündigt, im gesamten Konzern rund 3500 Stellen streichen zu wollen. Bislang gab es aber keine Details zu der Frage, in welchen Geschäftsbereichen nun weniger Mitarbeiter tätig sein werden.

Ansatzpunkt Vergütungspraxis

Erst am Dienstag, also einen Tag zuvor, hatte die Deutsche Bank angekündigt, mehr Stellen streichen zu wollen als bislang angekündigt. Zudem sollen bei den Frankfurtern die Bonuszahlungen im Verhältnis zu den Erlösen reduziert werden. Dadurch will die größte Bank Europas nach Bilanzsumme ihre Rentabilität verbessern.

“Die Vergütungspraxis ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um im Sinne aller Interessengruppen Verhaltensmuster zu ändern und Anreizsysteme an einer nachhaltigen Performance auszurichten”, erklärte die Deutsche Bank.
Im Juli hatte die Deutsche Bank zunächst mitgeteilt, dass bis zu 1900 Stellen im gesamten Konzern gestrichen werden sollen - 1500 davon im Investmentbanking. Der Arbeitsplatzabbau solle nun jedoch noch umfangreicher ausfallen, kündigte Co-Chef Jürgen Fitschen am Dienstag an.

Unterm Strich will die Deutsche Bank bis zum Jahr 2015 jährliche Kosteneinsparungen von 4,5 Mrd. Euro erzielen, um die Profitabilität angesichts höherer Kapitalanforderungen und der Schuldenkrise in der Eurozone zu steigern. Um die nun geplanten Einsparungen bis 2015 zu erreichen, rechnet sie allerdings mit Umsetzungskosten von 4 Mrd. Euro.

Rüge der SNB

Als Reaktion auf steigenden Kapitalanforderungen hatte auch die Credit Suisse im Juli eine Verschärfung des Sparkurses angekündigt, neben einer Kapitalerhöhung. Wie die Bank damals mitteilte, sollen durch mehrere Schritte insgesamt rund 15,3 Mrd. Franken eingenommen werden, darunter 8,7 Mrd. Franken durch Sofortmaßnahmen. Bis Ende 2012 soll zudem das Kapital um weitere 6,6 Mrd. Franken erhöht werden. Credit Suisse folgte damit einem Ruf der Schweizerische Nationalbank, die im Juni eine Kapitalerhöhung gefordert hatte.

Die unangefochtene Kapitalstärke ist von herausragender Bedeutung für den Konzern, sagte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner von der Credit Suisse im Juli. “Wir haben uns deshalb entschieden, die vorgesehene Umsetzung unserer Kapitalstrategie zu beschleunigen und somit sämtliche allfällige Unsicherheiten nach der Veröffentlichung des SNB-Finanzstabilitätsberichtes zu beseitigen.”

In einer Telefonkonferenz gab Credit-Suisse-Chef Brady Dougan im Juli keinen Hinweis, ob die neuen Sparziele weitere Stellenstreichungen - über die zuvor bereits angekündigten hinaus - beinhalten werden.

"Herausforderndes" Marktumfeld

So wie Credit Suisse ist auch die UBS dabei, ihr Anleihe-Geschäft zu verkleinern. Vor diesem Hintergrund sind in diesem Jahr bereits zahlreiche Mitarbeiter gegangen. UBS-Finanzchef Tom Naratil hatte vor kurzem erklärt, das Marktumfeld werde “herausfordernd” bleiben und die Bank werde weiterhin wachsam bei den Kosten bleiben. Nachdem im vergangenen Jahr der Abbau von 3500 Stellen angekündigt worden war, würden die weiteren Schritte zur Verbesserung der Effizienz relativ “leise” erfolgen - und nicht mit einer Fanfare angekündigt, sagte er gegenüber Journalisten.

Die UBS will mindestens noch 400 weitere Stellen allein in ihrer Investmentbank streichen - den Abbau vollzieht sie allerdings nicht wie ursprünglich geplant bis 2016, sondern bereits bis zum Ende nächsten Jahres. Das berichtete die Schweizer “Handelszeitung” am späten Mittwoch. Die Bank reagiere so auf die anhaltende Flaute im globalen Geschäft mit Wertpapieren und Unternehmensfinanzierungen.

Vor dem Hintergrund der schlechten Marktaussichten ist es dem Bericht der Zeitung zufolge nicht ausgeschlossen, dass bei dem Unternehmen noch mehr Stellen wegfallen als im November 2011 angekündigt. Eine “strikte Kostenkontrolle” habe hohe Priorität, die Bank strebe “weitere, substanzielle Effizienzsteigerungen” an, wird eine UBS-Sprecherin zitiert.

Keine guten Zeiten für Investmentbanker

Viele globale Investmentbanken haben bereits im zweiten Quartal 2012 die Gesamtkosten für die Vergütung der Mitarbeiter zurückgefahren. Das belegen Daten, die von Bloomberg mit Hilfe von Konzern-Veröffentlichungen zusammengetragen wurden. Hintergrund sind die schwachen Geschäfte.

Branchenweit wurden die Investmentbanking-Vergütungskosten um etwa 15,3 Prozent gesenkt, verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bei der UBS war der Rückgang mit minus 32,5 Prozent besonders deutlich. Es folgt eine Übersicht ausgewählter Branchenriesen.

Investmentbank Vergütungskosten im zweiten Quartal 2012 verglichen mit dem zweiten Quartal 2011:

UBS -32,5 Prozent
JPMorgan Chase & Co. -21,6 Prozent
Morgan Stanley -21,4 Prozent
Deutsche Bank -16,9 Prozent
Goldman Sachs -9 Prozent
Nomura -7 Prozent
Credit Suisse -6,5 Prozent

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