Apple vor dem nächsten großen Wurf

Rechtzeitig zur Präsentation der Ergebnisse zum 3. Quartal am heutigen Dienstag zieht Apple seinen nächsten Joker aus der Tasche. Zwei neue Modelle des iPhones Version 6 sollen neue Umsatztreiber werden. In der Geschäftswelt will der US-Konzern als Ausrüster endgültig landen. Im Herbst gibt es auch weitere Neuheiten bei der Software.

Apple vor dem nächsten großen Wurf

New York/Cupertino (Kalif.)/Wien. 64 Analysten weltweit bewerten derzeit die Aktien des US-Konzerns Apple. 45 empfehlen die Aktie zum Kauf, 14 mit halten und vier sehen bereits einen Höhepunkt erreicht, was das Geschäft und somit das Kursziel anbetrifft und geben eine Verkaufsempfehlung. Apple wird heute Abend seine Ergebnisse zum 3. Quartal präsentieren. Und die Ergebnisse vermutlich zum Vorjahr leicht übertreffen.

Die von Apple erwarteten Zielgrößen belaufen sich für das abgelaufene Q3/2014 auf 36 bis 38 Milliarden US-Dollar. Analysten zufolge wird Apple sein Zeile leicht übertreffen. Seit der Bekanntgabe der letzten Quartalsergebnisse (Q2/2014) legte die Apple-Aktie um 26 Prozent zu. UBS hatte zuletzt das Kursziel um 15 Dollar auf 115 Dollar erhöht. Das Papier notierte Montagabend bei 93 Dollar.

Ein fetter Dreierweg

Rechtzeitig zur Präsentation der Quartalsergebnis zieht Apple wieder zwei Joker aus der Tasche. Erstens: Ein neues iPhone soll in Vorbereitung sein - Größer als die bisherigen Geräte. Apple soll bereits beim Zulieferer 70 bis 80 Millionen Geräte mit Bildschirmdiagonalen von 4,7 und 5,5 Zoll bestellt haben, wie das Wall Street Journal berichtet. Das iPhone 6 soll somit in zwei Typen verkauft werden. Verkauf ab Herbst 2014 - mit Timing rechtzeitig vor Weihnachten.

Rund 60 Millionen Stück des aktuellen iPhone5 (Modell 5s und 5c) wurden seit Markteinführung im Herbst 2013 gebaut.

Im Herbst sollen die neuen iPhone6 gebaut werden. Apple-Auftragsfertiger Foxconn soll die Geräte zusammenbauen. Der chinesische Apple-Partner will angeblich zusätzlich 100.000 Mitarbeiter einstellen. Allerdings nicht nur für die iPhone-Produktion. Apple plant auch eine Computeruhr (iWatch) für den Herbst, die in Kombination mit dem iPhone genutzt werden kann. Ein neues Geschäftsfeld, mit dem sich Apple in den ersten Quartalen zusätzlich Einnahmen im zweistelligen Millionenhöhe erwartet.

Erst vorige Woche hat der US-Computer- und Smartphonehersteller mit einer Kooperation aufhorchen lassen. Nach 33 Jahren erbittertem Kampf gegen IBM wurde nun Burgfrieden geschlossen. Einfacher Grund: Apple will in die Geschäftswelt vorstoßen. Die Geräte sollen stärker integriert werden mit Geschäftsanwendungen. Und dazu braucht der Konzern den einstigen Widersacher Big Blue. IBM soll mit internetbezogenen IT-Diensten sowie mit Servern Apple im Geschäftskunden-Segment in Position bringen.

Der dritte Bereich, bei dem Apple große Chancen zugerechnet werden, ist das Softwaregeschäft. Zwei Segmente will Apple im Herbst präsentieren: das HomeKit (Anm.: Software zur Steuerung von Geräten im Haushalt) sowie die HealthKit (Anm.: für Anwendungen etwa zur Gesundheitsprävention für den Gesundheitssektor sowie Privatnutzer) . Erste Anwendungen, programmiert von Apple-zertifizierten Entwicklern, sind bereits im Testbetrieb. Im September sollen die ersten Programme (Apps) verkauft werden. Für das Betriebssystem iOS8 wurden ebenso Updates und neue Funktionen angekündigt, die die Arbeit mit den Apple-Programmen noch weiter vereinfachen und verbessern soll.

Lob und Kritik

Apple verstehe es wie kein anderer IT-Konzern, Hard- und Software so miteinander zu koppeln und aus diesen durch den Verkauf auch selbst Profite zu ziehen. Cloud-Dienste, Zahlungslösungen (Payment via iPhone), die Verbesserung der Musikservices, aber auch Online-Werbung sollen zusätzliche Erlöse und Profite bringen. Mittels Geschäftsanwendungen will Apple unter anderem über die Kooperation mit IBM noch tiefer in den Business-Bereich vordringen, wo es noch große Erlöspotenziale sieht.

Bei den Entwicklern der Apps stand Apple zuletzt in der Kritik. Der AppStore sei durch die Vielzahl der Anwendungen nahezu unüberschaubar geworden. Apple gelobte auf der im Frühjahr stattgefundenen Entwicklerkonferenz Besserung.

Weiterhin Liebling der Analysten

Auch wenn Skeptiker sagen, Analysten hinken dem Trend meistens hinterher und somit auch die Bestandsaufnahmen und Prognosen eher ungenau seien, könnte Apple wieder zum Liebling der Anleger werden. Nach dem Aktiensplit ist die Einstiegshürde für die Aktie mit rund 90 Dollar aus psychologischen Gründen "nicht mehr zu teuer".

Dennoch: Viel wird davon abhängen, ob Apples Ergebnisse im abgelaufenen 3. Quartal die Erwartungen trifft - ob etwa die Verkäufe des iPhones bei Chinas größtem Provider China Mobile tatsächlich in zweistelliger Millionenhöhe aufgegangen ist. Dass Apple bei Rabatten knausert, ist bekannt. Im Gegensatz zu Samsung cashen die Amerikaner noch immer beim iPhone kräftig ab, auch wenn der Wettbewerb für apple durch die Android-Konkurrenz härter ist denn je ist. Und auch der Smartphone-Absatz zuletzt geringere Zuwachsraten aufweist.