Apple: 6 Gründe, warum der Absturz weiter geht

Apple: 6 Gründe, warum der Absturz weiter geht

1.) Fundamental betrachtet steht der Apple-Konzern glänzend da. Auch die Bewertung der Aktie im Vergleich zur Konkurrenz scheint günstig. Immerhin notiert Apple aktuell mit einem geschätzten KGV für 2013 von knapp über zehn. Genau da spießt es sich allerdings, denn dieser Wert fußt auf einer wohl überzogenen Erwartung der Investoren. Am 23. Jänner legt Apple die aktuelle Quartalsbilanz auf den Tisch. Dabei erwartet sich der Markt aufgrund des starken Weihnachtsgeschäfts einen Gewinn je Aktie von 13,36 US-Dollar. Das wäre eine Steigerung gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um gut 30 Prozent. Aber ist Apple zu solchen Steigerungen überhaupt noch fähig?

Es ist zu befürchten, dass diese Frage mit „Nein“ beantwortet werden muss. Denn schon in den beiden abgelaufenen Quartalen blieb Apple mit den Ergebnissen hinter den Prognosen zurück. Damit wurde Anlegern endgültig vor Augen geführt, dass die unheimliche Apple-Story zu Ende geht und der zwischenzeitlich weltgrößte Konzern kleinere Wachstumsbrötchen backen muss.

2.) Apple verliert sukzessive das Leadership bei Innovationen im Bereich Smartphones und Tablets. Der Konzern des verstorbenen Gründers Steve Jobs hat schon seit längerer Zeit keinen Big-Bang à la iPod, iPhone oder iPad präsentiert. Man launcht lediglich Upgrades bestehender Modelle. Damit geht ein Stück Mythos verloren, der sich auch in den jüngsten Meldungen bestätig: Apple reduzierte zuletzt die Einzelteil-Bestellungen bei Lieferanten für das iPhone 5 um bis zu 50 Prozent . Grund: Die deutlich schwächere Nachfrage nach dem „neuen“ iPhone.

3.) Die Qualität der Apple-Produkte lässt zunehmend zu wünschen übrig. Apple ist mittlerweile ein Massenhersteller, muss demnach mit entsprechendem Produktionsdruck arbeiten. Die schon in den Medien breit getretenen Arbeitsbedingungen bei Auftragsfertiger Foxconn sind auch ein Indiz für die sinkende Verarbeitungsqualität der Geräte mit dem Apfel. Während Anmutung und Verarbeitung vor einigen Jahren noch konkurrenzlos waren, sprechen Kritiker aktuell immer öfter von „China-Schrott“, der die hohen Verkaufspreise niemals rechtfertigt. Dem nicht genug, häuft sich Ärger bezüglich des Supports. Bei den reparaturanfälligen iPhones wird nur ungern die Gewährleistungspflicht eingehalten.

4.) Die Konkurrenz nimmt Apple immer mehr in die Mangel. Besonders groß ist der Druck von Samsung, aber auch das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8, das auf allen Endgeräten lauffähig ist, sorgt für immer mehr Stirnrunzeln bei Apple. Mit jedem Tag der Konkurrenzsituation steigt somit der Margendruck und der Druck, die Geräte billiger zu verkaufen bzw. billiger zu fertigen (siehe oben). Damit bekommt die Wachstumsstory erhebliche Kratzer.

5.) Jeder Hype hat ein Ende, oder: Die Börse ist keine Einbahnstraße! Seit dem Hoch im September 2012 hat die Apple-Aktie bereits knapp 29 Prozent an Wert verloren. Der Bärenmarkt ist daher längst eingetreten. Wundern sollte das niemanden, denn schließlich blickt Apple trotz jüngster Kursverluste auf eine steile Rally zurück. Anleger konnten mit der Apfel-Aktie seit dem Jahr 2000 knapp 1925 Prozent (!) verdienen. Da ist eine Korrektur – auch wenn sie länger dauert – nur gesund.

6.) Ein Chartbild sagt oft mehr als tausend fundamentale Worte. Genau das spricht bei der Apple-Aktie aktuell Bände. Anleger sollten daher wenig Hoffnung darauf vergeuden, dass die Aktie die 500-US-Dollar-Marke wird verteidigen können. Zu ausgeprägt ist der Abwärtstrend und zu eindeutig ist der Trendbruch der langfristigen Hausse. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Aktie erst bei rund 400 Dollar einen Boden findet. Denn dort befinden sich erstens die nächsten wirklichen Unterstützungslinien und zweitens deutet ein historischer technischer Event auf weiter fallende Kurse. Mitte November bildete die Apple-Aktie nämlich ein sogenanntes „Death-Cross“ aus, also den Schnitt der gleitenden 50-Tage-Durchschnitts-Linie mit der 200-Tage-Linie von oben nach unten. Dieser trendverstärkende Indikator ist bei Apple besonders aussagekräftig, weil das „Death-Cross“ historisch seit elf Jahren lediglich zweimal passierte.

Fazit : Eine erneute Trendwende zum Guten kann daher nur durch eine Gewinnüberraschung am 23. Jänner passieren. Die technische Verfassung der Aktie lässt aber wenig darauf schließen.