Anleihenmarkt: Das ewige Leiden von Spanien und Italien

Anleihenmarkt: Das ewige Leiden von Spanien und Italien

Für ihre Staatsanleihen fanden Spanien und Italien in den vergangenen Monaten noch stets ausreichend viele Käufer - allerdings mussten sie ihnen hohe Zinsen bieten. Entspannung sei nicht in Sicht, warnen Experten. Alles hänge am Krisenmanagement der europäischen Staats- und Notenbankchefs.

Wenn sie sich nicht bald zu einer überzeugenden Lösung durchrängen, könne es für Spanien und Italien am Bond-Markt eng werden. "Die Refinanzierbarkeit hängt davon aus, was sich geldpolitisch und europapolitisch tut. Das ist schwer vorhersehbar", resümiert Analyst Mario Mattera vom Bankhaus Metzler.

Einen Hinweis auf die Erwartungen der Investoren könnte die Emission fünf- und zehnjähriger italienischer Bonds wenige Stunden vor dem EU-Schuldengipfel am Donnerstag bieten. Italien will Papiere im Gesamtvolumen von bis zu 5,5 Milliarden Euro verkaufen. Bei den bereits gehandelten richtungsweisenden zehnjährigen Titeln liegt die Rendite derzeit bei 6,16 Prozent.

Es wird zu teuer...

Für ihre in den vergangenen Monaten ausgegebenen Staatsanleihen müssen Spanien und Italien teilweise 7,5 Prozent Zinsen bezahlen. Ein derart hoher Satz gilt für einen Euro-Staat als nicht dauerhaft finanzierbar. "Per saldo muss nach einem halben Jahr festgehalten werden, dass die Problematik für die Peripherie-Staaten noch immer dieselbe ist", erläutert Helaba-Analyst Ralf Umlauf. "Die Anleger sind nur zu hohen Prämien bereit, spanische oder italienische Papiere zu kaufen." Immerhin übertraf bei den Bond-Auktionen der vergangenen Monate das Interesse das Angebot meist um ein Vielfaches. Das sei ein positives Zeichen, betont Metzler-Analyst Mattera.

Spanien hat von dem für 2012 angepeilten Emissionsvolumen von knapp 90 Milliarden Euro bereits etwa 60 Prozent bei Investoren untergebracht und ist damit weiter als zur gleichen Zeit des Vorjahres. "Auffällig war, dass Spanien nach den beiden Langfrist-Tendern der EZB sehr aggressiv emittiert hat", sagt Analyst Sebastian von Koss von HSBC Trinkaus. "Allein Mitte Januar wurden binnen weniger Tage Anleihen im Volumen von knapp 17 Milliarden Euro verkauft." Dadurch könne es sich Spanien leisten, in Zeiten hoher Renditen weniger Papiere zu verkaufen. Das Land plant die nächsten Auktionen für den 5. und den 17. Juli.

"Italien hat dies nicht gemacht", fügt von Koss hinzu. "In der Rückschau war dies ein Fehler. Gegen Jahresende könnte das Land unter Zugzwang geraten und gezwungen sein, zu höheren Renditen zu emittieren." Italien will 2012 gut 200 Milliarden Euro frisches Geld aufnehmen, mehr als die Hälfte davon im zweiten Halbjahr. Allein bis Ende Juli sind fünf Bond-Emissionen geplant.

Invetsoren hoffen auf "mehr Europa"

Metzler-Analyst Mattera zufolge ist diese Tatsache allein aber noch kein Grund zur Sorge. "Italien operiert schließlich seit Jahren mit einem hohen Schuldenstand." Sorge bereite ihm eher der rasante Anstieg der spanischen Verbindlichkeiten, unter anderem aufgrund der finanziellen Hilfen für die marode Bankenlandschaft.

Nun richten Anleger ihre Aufmerksamkeit unter anderem auf den EU-Schuldengipfel Ende der Woche. Von dem Treffen erhoffen sie sich Entscheidungen für "mehr Europa". Darüber hinaus wird seit Wochen darüber spekuliert, ob die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli die Zinsen senkt beziehungsweise dem Finanzsektor mit einer weiteren Geldspritze unter die Arme greift. Zum Jahreswechsel hatten die Notenbanker den europäischen Geldinstituten Billig-Kredite im Volumen von rund einer Billion Euro zur Verfügung gestellt.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge