An Jain und Fitschen: "Das Leben ist kein Bonihof"

An Jain und Fitschen: "Das Leben ist kein Bonihof"

Bonusbeschränkungen und Gehaltsdeckel, Kundenzufriedenheit als Managerziel: Was das Deutsche Bank-Führungsduo bislang angekündigt hat, reicht den Anteilseignern nicht, wie sie am Donnerstag auf der Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle deutlich machten.

"Wir fordern den Vorstand auf, hier noch mehr zu tun", mahnte Hans-Christoph Hirt vom mächtigen Aktionärsberater Hermes. Und auch Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist nicht überzeugt: "Gestatten Sie mir die Skepsis, was Ihre Wandlung vom Saulus zum Paulus betrifft. Dazu bedarf es mehr als den gelegentlichen Besuch einer Postbank-Filiale ", rief Nieding in Richtung Jain, der jahrelang die Investmentbanker in London geführt hat. Nieding forderte eine Verlängerung von Fitschens Vertrag über 2015 hinaus, damit der 64-jährige Norddeutsche den Kulturwandel weiter begleiten könne.

Rund 5000 Aktionäre waren gekommen, um Jain und Fitschen die Leviten zu lesen. Darunter waren auch Aktivistengruppen wie Blockupy und Aktion Aufschrei, die kein Verständnis dafür haben, dass die Deutsche Bank an Nahrungsmittel-Spekulationen festhält. Auch unlautere Geschäfte mit der Rüstungsindustrie werfen sie dem Institut vor. Mehr als ein Dutzend Demonstranten schaffte es sogar ins Innere der Festhalle, um die Eröffnungsrede von Jain zu stören, bis sie von Sicherheitsleuten hinausgeworfen wurden.

Jain und Fitschen hatten im vergangenen Juni das Ruder vom langjährigen Konzernchef Josef Ackermann übernommen. Seither haben sie der Bank nicht nur einen radikalen Umbau inklusive Sparprogramm verordnet. Sie wollen vor allem der "Zockermentalität" der Investmentbanker einen Riegel vorschieben. Denn die Liste von Skandalen und Rechtsstreitigkeiten ist lang, die meisten davon rühren aus der Zeit vor der Finanzkrise und gehen auf das einst von Jain geführte Kapitalmarktgeschäft zurück: Zinsmanipulationen und umstrittene US-Hypothekendeals sind nur einige Beispiele. Die Bank hat für diverse Klagen und Prozesse inzwischen 2,4 Milliarden Euro zurückgestellt.

Premiere: Jain spricht Deutsch

Die neuen Bankchefs warben um Geduld. "Ein umfassender Kulturwandel, wie wir ihn anstreben, kann nicht einfach von oben verordnet werden. Man kann nicht einfach den Hebel umlegen", betonte Fitschen. Und Jain erklärte: "Wir wissen, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Einen Weg, der Zeit braucht."

Dabei hielt der gebürtige Inder erstmals seine komplette, etwa 15-minütige Rede auf Deutsch - was die Aktionäre mehrfach mit Applaus bedachten. Jain, der lange ein Geheimnis um seine Deutschkenntnisse gemacht hatte und bislang bei öffentlichen Auftritten hierzulande immer aufs Englische setzte, sprach langsam, noch etwas holprig und hielt sich genau an sein Manuskript. Aber er wirkte gelöster als sonst und rang sich gelegentlich sogar ein verschmitztes Lächeln ab, schließlich hatte er gerade erst eine drei Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung durchgeboxt und die Bank damit in die Gruppe der bestkapitalisierten Institute der Welt katapultiert. Zumindest dieses Thema kann er vorerst zu den Akten legen. "Wir können jetzt früher organisch wachsen und Wert für Sie, unsere Aktionäre schaffen", erklärte er.

Magere Dividende: "Eklatantes Missverhältnis"

Im Aufsichtsrat soll sich künftig ein eigener Ausschuss für Unternehmensintegrität mit der Überwachung des Kulturwandels befassen, wie Chefkontrolleur Paul Achleitner ankündigte. Leiten soll den Ausschuss der Jurist Georg Thoma, der neu in den Aufsichtsrat einzieht. Über das neue Vergütungsmodell wiederum soll die Hauptversammlung abstimmen, es soll die Top-Manager auch daran messen, ob und wie sie zur Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit beigetragen haben. Neu ist auch ein Gehaltsdeckel für die Chefs. Große Anteilseigner signalisierten Zustimmung, wünschen sich aber noch mehr Transparenz, wie etwa Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment sagte.

Auch den jüngsten Bonustopf für die Bankmitarbeiter findet Speich noch zu üppig: "Wie kann es sein, dass der Bonus-Pool bei 3,2 Milliarden Euro liegt und gleichzeitig nur 700 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden? Wann wollen Sie dieses eklatante Missverhältnis endlich ins Lot bringen?" Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger forderte ebenfalls: "Beenden Sie die Völlerei einiger und machen Sie dem Hungermarsch der Aktionäre ein Ende."

Die Aktionäre müssen sich seit 2008 mit weniger als einem Euro Dividende bescheiden. Für 2012 sollen abermals 75 Cent je Aktie ausgeschüttet werden, das reicht vielen nicht. Und auch die Deutsche Bank weiß, dass sie mehr bieten muss, um im weltweiten Wettlauf um die Gunst der Investoren mithalten zu können. "Wir sind zuversichtlich und entschlossen, künftig wieder eine höhere Dividende vorschlagen zu können", sagte Fitschen. Hoffnung macht ihm der starke Start ins Jahr - im ersten Quartal hatte die Bank einen Vorsteuergewinn von 2,4 Milliarden Euro geschafft. "Der Trend zeigt nach oben, wir wollen weiter beschleunigen."

Bonihof

"Das Leben ist kein Bonihof", mahnt denn auch ein Kritiker mit großem Plakat vor der Frankfurter Festhalle. Wie weit der Weg ist, den Jain und die Bank gehen müssen, um die Kritiker zu überzeugen, zeigt ein Vorfall gleich zu Beginn des Treffens: Bei seiner etwa 15-minütigen Rede wird Jain von einem Dutzend "Blockupy"-Aktivisten unterbrochen, die auf die Bühne stürmen wollen, "Krisenprofiteure" schreien und von Ordnern abgeführt werden. Später gibt es weitere vereinzelte Zwischenrufe kritischer Aktionäre. Fitschen wirbt in seiner Rede für Geduld mit Fortschritten beim versprochenen Kulturwandel - so wie Jain mit seinen Deutsch-Kenntnissen. Die Hauptversammlung wird ihm - über den üblichen Knopf im Ohr - simultan auf Englisch übersetzt. Doch der Perfektionist hat ehrgeizige Ziele, formuliert diese aber gemäß der neuen Kultur eher zurückhaltend: "Ich hoffe, bei der nächsten Hauptversammlung ist mein Deutsch etwas besser."

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