Amerika bleibt Magnet der Weltfinanzen

Amerika bleibt Magnet der Weltfinanzen

Als die Ratingagentur Standard & Poor’s im vergangenen August die Bonitätsnote der USA herabstufte, mangelte es nicht an Kassandra-Rufen bezüglich der Folgen für die USA. Alles übertrieben?

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney sah eine “Kernschmelze”, die ihn an die Wirtschaftskrisen während der Präsidentschaft von Jimmy Carter erinnerte. Er warnte vor höheren langfristigen Zinsen und einer Beschädigung des Ansehens der USA bei ausländischen Investoren.

Paul Ryan, der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im US- Repräsentantenhaus, erklärte, der Verlust des erstklassigen Ratings “AAA” werde die Kosten für Hypotheken und Autokredite in die Höhe treiben. Und Mohamed El-Erian, Vorstandschef von Pacific Investment Management Co., warnte, im Laufe der Zeit werde die Rolle des Dollar und der US-Finanzmärkte untergraben und die Kreditkosten würden “für so ziemlich alle Amerikaner” steigen.

Aber die Pessimisten haben sich geirrt. Annähernd ein Jahr später sind die Hypothekenzinsen auf Rekordtief, die Finanzierungskosten der USA sind gesunken, Dollar und der Aktien-Benchmarkindex Standard & Poor’s 500 sind gestiegen, und das Interesse der weltweiten Anleger an US-Staatspapieren hat zugenommen.

Warren hatte Recht

Dagegen zeigte sich der Milliardär und Investmentguru Warren Buffett aus Omaha, Nebraska, weitsichtig, als er die Herabstufung gelassen hinnahm und erklärte: “In Omaha haben die USA immer noch die Note ’AAA’. Falls es ein “Vierfach-A“- Rating gäbe, würde ich es den USA geben.”

Die Renditen der zehnjährigen Treasuries sind seit der Herabstufung um 1,07 Prozentpunkte gefallen und haben Allzeittiefs markiert. Am 1. Juni lag die Rendite bei 1,44 Prozent. Im Gegenzug stiegen die Kurse. Seit dem 5. August haben zehnjährige US-Staatsanleihen sieben Prozent gewonnen, nachdem sie im vergangenen Jahr auf ein Plus von 9,8 Prozent kamen und damit die beste Performance seit 2008 boten, wie Indizes von Bank of America Merrill Lynch zeigen.

Ein Investment von 100 Mill. Dollar in Treasuries mit Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren, getätigt am Tag der Herabstufung, hätte dem Anleger laut Indexdaten von Merrill Lynch rund 8,59 Mill. Euro eingebracht.

“US-Treasuries sind immer noch die meistgehandelten und am weitesten verbreiteten Anleihen weltweit”, konstatiert Jeffrey Caughron, Partner bei dem Beratungsunternehmen Baker Group LP in Oklahoma City. “Das wird immer wichtiger, wenn es Anzeichen für ein schwächeres weltweites Wirtschaftswachstum und anhaltende Probleme in Europa gibt.”

Trotz einer nur langsamen wirtschaftlichen Erholung haben die USA immer noch einmalige Vorteile am weltweiten Markt. Dazu gehören die Größe und die Widerstandskraft der Wirtschaft und die Rolle des Dollars als weltweite Reservewährung. Niedrige Treasuries-Renditen zeigen, dass die meisten Anleger erwarten, dass die USA ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen werden, egal wie gestört das politische Klima in Washington wird.

Einig sind sich die Experten allerdings darüber, dass die USA ihre langfristigen fiskalischen Ungleichgewichte angehen müssen, die die Staatsverschuldung bis auf 68 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hochgetrieben haben. Die Pessimisten warnen, dass die USA von vorübergehenden Einflüssen wie der Kapitalflucht aufgrund der europäischen Schuldenkrise und dem Kaufprogramm der Federal Reserve Bank für längerfristige Anleihen profitieren.

Defizit als Damoklesschwert

Der zeitliche Aufschub, den die Finanzmärkte gewährt haben, könnte plötzlich enden, wenn die Haushaltsprobleme nicht angegangen werden. Ein Hindernis für eine Lösung der Probleme ist die wachsende Kluft zwischen den beiden großen Parteien.

Und diese dürfte sich eher noch verschärfen, nicht zuletzt, weil die erwarteten Folgen einer Herabstufung ausgeblieben sind. Eine drohende schlechtere Bonitätsnote habe einen Teil ihres Schreckens verloren, sagte Steve Bell, Republikaner und ehemals Direktor im Haushaltsausschuss des Senats. “Es wurde Alarm geschlagen und nichts ist passiert”, erläuterte Bell. “Das hat eine Reihe von Kongressmitgliedern überzeugt, dass die Auswirkungen einer Herabstufung überbewertet werden und dass eine solche nicht zu ernsthaften wirtschaftlichen oder finanziellen Problemen führen würde.”

Die Herabstufung durch S&P vergangenes Jahr erfolgte nach Monaten politischer Zänkereien zwischen Präsident Barack Obama und den Republikanern im Kongress, bei denen es um die Anhebung der Verschuldungsgrenze der USA ging. S&P hat im Juni gewarnt, dass politische und fiskalische Risiken zu einer zweiten Herabstufung von US-Anleihen bis 2014 führen dürften. Moody’s Investors Service und Fitch Ratings bewerten die USA zwar weiterhin mit der Top-Bonitätsnote, haben sie aber mit einem negativen Ausblick versehen.

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