Amazon-Aktie: Vom Bestseller zum Rausverkauf

Amazon-Aktie: Vom Bestseller zum Rausverkauf

Der Glanz und Glamour des Online-Handels verblasst langsam: Amazon, Ebay und Rakuten büßten seit Jahresbeginn kräftig ein. Billige Schnäppchen sind die Aktien trotzdem noch nicht. Dennoch ist die Empfehlung der Analysten klar: Kaufen!

Nach dem Tod von Steve Jobs sucht die Technik-Welt nach neuen Idolen. Und Jeff Bezos, Gründer und CEO von Amazon ( ISIN US0231351067 ), könnte diese Rolle einnehmen. Für seine Visionen und sein teils exzentrisches Verhalten ist er bekannt: Nachdem er 1994 Amazon gegründet und damit den modernen Handel revolutioniert hatte, schuf er im Jahr 2000 das private Raumfahrtunternehmen Blue Origin – dessen Ziel ist es nicht nur, reiche Menschen in den Orbit zu katapultieren, sondern auch Rohstoffe aus dem All abzubauen.

Um 250 Millionen Dollar kaufte er im Jahr 2013 die Traditionszeitung „Washington Post“ – ein relativer kleines Körberlgeld für einen Mann, der mit einem Privatvermögen von 30 Milliarden Dollar den 21. Platz der reichsten Menschen der Welt belegt. Zum Vergleich: Das entspricht knapp acht Prozent des österreichischen BIP; von dem Geld könnte sich der Amerikaner 77.000 Ferrari-Sportwagen, 150.000 Rising-Sun-Yachten oder 6,5 Milliarden BigMacs kaufen.

Das klingt beeindruckend. Doch immer mehr zeigen sich Risse in der Welt von Bezos, Amazon und der gesamten Branche.

Aktie kracht trotz schwarzer Zahlen

Denn Bezos war schon mal reicher: Seit Jahresbeginn hat er knapp 17 Prozent seines Vermögens – bescheidene sechs Milliarden Dollar – verloren. Diese Entwicklung geht Hand in Hand damit, dass sein Unternehmen Amazon an der Börse harte Zeiten durchmacht: Seit Jahresbeginn hat die Aktie um 17,85 Prozent verloren; nun notiert sie bei 327,62 Dollar.

Besonders stark krachte der Kurs Ende Jänner bei der Präsentation der Jahresbilanz: Zwar teilte das Unternehmen mit, dass man nach einem Verlustjahr 2013 wieder schwarze Zahlen geschrieben hatte, indem sich ein Verlust von 39 Millionen Dollar in einen Gewinn von 274 Millionen Dollar verwandelte und der Umsatz um 22 Prozent zulegte – den Anlegern war das aber nicht genug: Am gleichen Tag verlor die Aktie um 4,6 Prozent. Die Alarmglocken sollten wohl auch schrillen, wenn man einen Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Internetkonzerns wirft: Dieser Quotient aus dem Kurs einer Aktie und dem Gewinn je Aktie besagt, wie oft der Gewinn im aktuellen Kurs einer Aktie enthalten ist und ist daher ein Indikator dafür, ob eine Aktie überbewertet ist – je niedriger er ist, desto besser. Im deutschen Aktienmarkt galten in den 1970er und 1980er Jahren KGVs von 8 als billig und von 15 als teuer; seit den 1990er Jahren schwanken die KGVs von 12 bis 25. Mit einem Wert von 532,72 ist Amazons KGV jenseits von Gut und Böse.

Branche im Abwärtssog

Doch nicht nur bei Amazon, auch bei den Mitbewerbern geht es deutlich bergab. Der größte Konkurrent, Ebay (ISIN US2786421030) , hat seit Jahresbeginn über ein Zehntel des Aktienwerts verloren und notiert nun bei 49 Dollar. Der japanische Mitbewerber Rakuten (ISIN JP3967200001) büßte knapp ein Fünftel (18,8 Prozent) ein und liegt nun bei 1270 Yen. Mit 26,16 (Ebay) und 37,37 (Rakuten) sind die KGVs dieser Unternehmen ebenfalls noch hoch, auch wenn die Situation nicht so dramatisch ist wie bei Amazon.

Über eine positive Entwicklung freuen sich hingegen jene, die auf den digitalen Vertrieb von Filmen anstatt auf physische Güter setzen: Die Aktie von Netflix (ISIN US64110L1061) legte seit Jahresbeginn um 16,86 Prozent zu und notiert nun bereits bei 430,26 Dollar. Das ist viel, vor allem angesichts einer noch relativ kleinen Unternehmensgröße: Das rund 2000 Mitarbeiter starke Unternehmen hat erst im vergangenen Quartal zum ersten Mal mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz gemacht, der Quartalsgewinn liegt bei 53 Millionen Dollar und das KGV bei 161,75 – auch hier ein absurd hoher Wert. Bei Netflix dürfte die Euphorie der Aktionäre wohl mehr auf den Zukunftsperspektiven – der Video-Streaming-Dienst plant eine Expansion in Europa, auch in Österreich – als auf den gegenwärtigen Fakten beruhen.

Der wahre Riese sitzt in China

Enger wird es für die westlichen Unternehmen, wenn sich China ins Spiel bringt – denn der dortige Anbieter Alibaba.com plant ebenfalls einen Börsengang. Das Unternehmen mit 300 Millionen Kunden und 25.000 Beschäftigten wickelt 80 Prozent aller Internet-Einkäufe in der Volksrepublik ab, Experten bewerten die Marktkapitalisierung von Alibaba.com mit 160 bis 200 Milliarden Dollar. Das ist fast so viel wie Ebay (62 Milliarden Dollar) und Amazon (150 Milliarden Dollar) zusammen.

Vergleichsweise mickrig geht es dabei in Deutschland zu, wo der Berliner Inkubator Rocket Internet den Gang an die Börse plant. Die GmbH ist an 75 Unternehmen beteiligt, darunter der Online-Händler Zalando; nach dem Gang an die Frankfurter Börse könnte sie mit drei Milliarden Euro bewertet werden. Zalando selbst macht zwar laufend höhere Umsätze, blieb aber im vergangenen Jahr noch immer in den roten Zahlen stecken – einen Gewinn hat das Unternehmen in seiner fünfjährigen Geschichte noch nie gemacht.

Analysten empfehlen: Kaufen!

Überbewertete Aktien und aufkeimende Konkurrenz scheinen Analysten aber nicht den Optimismus zu nehmen – vielmehr ist man wohl der Meinung, dass es nach dem jüngsten Kursverfall wieder bergauf gehen muss: Bei Amazon erhöhten im Juni etliche Analysten ihre Bewertung auf „Buy“ und „Outperform“, derzeit sprechen 77 Prozent eine Kaufempfehlung aus – mit einem Zielkurs von 417,47 Dollar und einem Ertragspotenzial von 27,4 Prozent. Für Ebay verhält sich die Situation ähnlich. Auch hier zeigten sich die Analysten zuletzt sehr optimistisch; 66,7 Prozent sprechen eine Kaufempfehlung aus, erwarten in zwölf Monaten einen Zielkurs von 61,76 Dollar mit einem Ertragspotenzial von 26 Prozent.
Vom Zusperren sind die Online-Händler somit noch weit entfernt.

Vielleicht bestätigen sich auch die Hoffnungen der Analysten, und es geht bald wieder aufwärts. Allerdings zeigt ein Blick auf die Zahlen deutlich, dass auch online das Geld nicht auf den Bäumen wächst.

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