Amazon-Aktie: Heute 10 Prozent reduziert

Als Grund werden hohe Investitionen in neue Produktsegmente genannt, die sich langfristig auszahlen sollen. Den Aktionären reißt aber nun der Geduldsfaden.

Amazon-Aktie: Heute 10 Prozent reduziert

Ein absurd schlechtes Verhältnis zwischen Aktienkurs und Gewinn, stärkere Konkurrenz aus Fernost, Streit mit der Gewerkschaft in Deutschland und breite Investitionen in Projekt, deren Zukunft ungewiss ist: Format.at berichtete bereits Mitte Juni, dass die Aktie von Amazon (ISIN: US0231351067) mit Skepsis zu betrachten ist ( nachzulesen unter diesem Link) . Nun liegen die offiziellen Zahlen für das vergangene Quartal auf dem Tisch - und sie sind alles andere als berauschend.

Der Konzern schrieb im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 126 Millionen Dollar - fast doppelt so viel wie von Analysten erwartet. Zwar stieg der Umsatz erneut um fast ein Viertel auf rund 19,4 Milliarden Dollar. Investoren trennten sich dennoch in Scharen von ihren Aktien, der Amazon-Kurs fiel nachbörslich um rund zehn Prozent.

Hohe Investitionen

Als Hauptgrund für den hohen Verlust werden Investitionen genannt. Finanzchef Tom Szkutak erklärte, das Investment würde sich langfristig auszahlen - bei den Anlegern riss aber eindeutig der Geduldsfaden.

Firmengründer Jeff Bezos steckt viel Geld in neue Produkte rund um das Kindle-Tablet und Datendienste, entwickelt inzwischen eigene Fernsehshows und Videospiele. Außerdem ist Bezos mit dem Handy "Fire" ins Smartphone-Geschäft eingestiegen. Das Gerät soll auch unterwegs das Einkaufen im weltweit größten Online-Shop erleichtern. Ob es aber Platzhirschen wie Apples iPhone und Samsungs Galaxy-Serie die Stirn bieten kann, ist mehr als fraglich ( mehr zum "Fire" von Amazon unter diesem Link ).

Konkurrenz in China, Ärger in Deutschland

Auf seinem Heimatmarkt hat Amazon inzwischen zudem schlagkräftige Konkurrenz aus Asien. Chinas führender Online-Händler Alibaba will Amazon und auch eBay mit einem eigenen US-Internet-Auftritt angreifen. Der Konzern will damit auch seine Position vor seinem Mega-Börsengang in den USA festigen, bei dem der Alibaba mit bis zu 150 Milliarden Dollar bewertet werden könnte.

In Deutschland liegt Amazon mit der Gewerkschaft Verdi im Streit. Immer wieder gibt es Streiks in Amazon-Verteilzentren. Verdi fordert höhere Löhne sowie tarifliche Regelungen wie im Einzel- und Versandhandel. Amazon nimmt als Maßstab indes die Logistikbranche, in der weniger gezahlt wird. Die daraus resultierende Gefahr von Liefer-Verzögerungen schreckt auch österreichische Kunden ab - denn Österreich wird aus den deutschen Logistikzentren heraus beliefert.

Abverkauf im dritten Quartal

Der Fehlbetrag von 126 Millionen Dollar im zweiten Quartal bedeutete pro Aktie einen Verlust von 27 Cent. Analysten hatten mit lediglich 15 Cent gerechnet. Zudem kündigte Amazon am Donnerstag für das laufende Quartal einen operativen Verlust zwischen 410 und 810 Millionen Dollar an - im dritten Quartal 2013 hatte das Minus lediglich 25 Millionen Dollar betragen.

Anleger haben den Kurs lange mitgetragen, zuletzt verloren einige aber offenbar die Geduld. Denn während die US-Börsen in diesem Jahr von Rekord zu Rekord eilten, ging es für die Amazon-Aktie seit Jahresbeginn um zehn Prozent bergab. Dazu kommt nun der Kursrutsch vom Donnerstag von ebenfalls zehn Prozent. Die Phrase "heute deutlich reduziert" trifft somit derzeit nicht nur auf die Produkte zu - sondern auch auf den Marktwert des Unternehmens.