Als wäre nichts gewesen...

Als wäre nichts gewesen...

Die von Pacific Investment Management Co. (Pimco) in Aussicht gestellte “Neue Normalität” hat sich nur halb bewahrheitet. Zu den geänderten Realitäten, die Pimco im Jahr 2009 ankündigt hatte, sollten ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft und sinkende Anlagerenditen zählen.

Bill Gross und Mohamed El-Erian - die gemeinsamen Investmentchefs der im kalifornischen Newport Beach ansässigen Kapitalanlagegesellschaft - haben zumindest mit Blick auf die Konjunkturentwicklung Recht behalten: Die Weltwirtschaft dürfte 2012 um 2,2 Prozent gewachsen sein - deutlich schwächer als mit 3,2 Prozent im Durchschnitt der zehn Jahre vor Ausbruch der Finanzkrise 2008, wie aus Daten der Weltbank hervorgeht.

Dagegen war der von Pimco angekündigte Paradigmenwechsel bei den Finanzanlagen weniger akkurat. Grund waren die nie zuvor dagewesenen Maßnahmen der Zentralbanken zur Konjunkturbelebung, die Anleger in riskantere Anlagen trieben - so wie Aktien, Ramsch-Anleihen und Hypotheken.

Geld in Hülle und Fülle

Die Währungshüter von der Federal Reserve bis hin zur People’s Bank of China haben mehr als 6 Billionen Dollar in die Weltwirtschaft gepumpt. Ihre Bilanzen blähten sich im Zuge von Anleihekäufen per Juni 2012 auf bis zu 14,09 Billionen Dollar auf - nach 4,99 Billionen im Mai 2006, wie Bianco Research unter Berufung auf Pimco berichtet. Zugleich haben die Zentralbanken in aller Welt ihre Leitzinsen auf oder nahe ihren Rekordtiefs belassen.

“Sie haben unterschätzt, wie umfangreich die Reaktion der Notenbanken ausfallen und welch positive Wirkung sie auf die Finanzmärkte entfalten würde”, sagt Jay Schwister, leitender Fondsmanager von Baird Advisors in Milwaukee, der Anleihen im Wert von 17 Mrd. Dollar betreut, am 3. Januar im Telefoninterview. “Aus realwirtschaftlicher Sicht hat sich die ’Neue Normalität’ von Pimco aber so ziemlich eingestellt.”

Im Oktober 2009 haben Gross, Leiter des weltgrößten Anleihefonds, und El-Erian, Chef der Fondsgesellschaft mit einem verwalteten Vermögen von 1,9 Billionen Dollar, den Anlegern dazu geraten, sich auf ein “New Normal” einzustellen. “De- Leveraging, Re-Regulierung und De-Globalisierung, die das Wachstum belasten, sind wahrscheinlich auf absehbare Zeit das neue Modell”, hieß es. Die Kapitalerträge dürften demnach “halb so hoch ausfallen wie in den vergangenen zehn bis 20 Jahren”.

Dies traf im vergangen Jahr allerdings nicht so ganz zu. Festverzinsliche Papiere haben 2012 weltweit mit 5,7 Prozent eine höhere Rendite abgeworfen als im Schnitt der letzten 16 Jahre mit 5,4 Prozent. US-Ramsch-Anleihen - also hochverzinsliche Bonds mit Ratings unter “Baa3” von Moody’s Investors Service und “BBB-” von Standard & Poor’s - wiesen einen Ertrag von 15,6 Prozent auf, verglichen mit dem jährlichen Plus von 11 Prozent in den 1990ern. Mit zweitklassigen Hypotheken besicherte Bonds, die vor dem Zusammenbruch des US- Häusermarkts im Jahr 2007 ausgegeben worden waren, legten im Schnitt um 41 Prozent zu, wie Indexdaten von Barclays zeigen.

Darüber hinaus stieg weltweit der Wert der Aktien um 6,5 Billionen Dollar, während der MSCI All Country World Index um 13,4 Prozent anzog. Damit kletterte der MSCI-Weltindex 2012 stärker als in den 1990er Jahren, als ein jährlicher Durchschnitt von plus 9,4 Prozent verzeichnet worden war.

Pimco einer der Hauptprofiteure

Die Allianz-Tochter Pimco konnte von der Marktentwicklung profitieren, die durch die Zentralbankmaßnahmen ausgelöst wurden. Der 285 Mrd. Dollar schwere Total Return Fund von Gross legte im vergangenen Jahr um 10,4 Prozent zu und schlug damit 95 Prozent seiner Konkurrenten, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Damit wendete sich das Blatt, nachdem der Fonds 2011 noch 70 Prozent der Wettbewerber hinterherlief.

“Die Politik-Verzerrungen können nicht unendlich fortgesetzt werden”, schreibt Saumil Parikh, Co-Leiter für die Anlagestrategie bei Pimco, am 4. Januar in einer Email. “2013 wird ein Jahr der Rückkehr zu einer mittelfristigen Aussicht auf eine ’Neuen Normalität’, sowohl für die Wirtschaft als auch für die Finanzmärkte.”

Ein Ende der außerordentlichen Zentralbankmaßnahmen ist aber zunächst noch nicht zu erwarten. Der Offenmarktausschuss um Fed-Chairman Ben S. Bernanke hat Ende 2012 den monatlichen Kauf von Treasuries angekündigt. Die Europäische Zentralbank (EZB) sagte 2012 zu, gegen Auflagen unbegrenzt Staatsanleihen der Euro-Staaten zu erwerben. Und Shinzo Abe, dessen Liberaldemokraten im letzten Jahr die Wahlen in Japan gewannen, hat die Zentralbank aufgefordert, eine unbegrenzte Lockerung der Geldpolitik durchzuführen.

“Einige der stärkeren Marktbewegungen aus dem vergangenen Jahr fanden nach Ankündigungen von Maßnahmen der Notenbanken statt”, sagt Quincy Krosby, Marktstratege von Prudential Financial Inc. in Newark im Bundesstaat New Jersey, am 3. Januar im Telefoninterview. “Die ’Neue Normalität’ sind Märkte, die von Zentralbankaktionen abhängen.”

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