Alitalia-Kapitalerhöhung ist durch

Alitalia-Kapitalerhöhung ist durch

Einstimmig genehmigten die Aktionäre der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia nach einer Marathonsitzung bis tief in die Nacht eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro. Ob sich aber auch Großaktionär Air France-KLM mit frischem Geld beteiligt, blieb zunächst noch offen.

Die Chancen hierfür stünden 50:50, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Der Chef der italienischen Staatspost, die Alitalia auch unterstützen will, wollte dem Vernehmen nach noch am Dienstag nach Paris fliegen, um mit dem Management der französisch-niederländischen Airline darüber zu sprechen, die einen schärferen Sparkurs fordert.

Die Aktionäre müssen binnen der kommenden 30 Tage entscheiden, ob sie neue Aktien kaufen wollen. Die Post legte sich bereits fest und will für 75 Millionen Euro garantieren. Die italienischen Banken Intesa SanPaolo und Unicredit wollten sich ebenfalls mit 100 Millionen Euro beteiligen. Damit fehlen aber immer noch 125 Millionen Euro. Weil sich die Eigentümerstruktur des Konzerns verändere, hätten sich Mitglieder des Verwaltungsrats zum Rücktritt bereiterklärt, teilte Alitalia mit.

Air France äußerte sich zunächst nicht. Das Unternehmen ist nicht verpflichtet, neue Aktien zu kaufen. Experten gehen davon aus, dass die Fluggesellschaft weiterreichende Zusagen der italienischen Regierung und anderer Aktionäre erreichen will. Dazu kommt Unzufriedenheit mit den beschlossenen Rettungsmaßnahmen, wie aus dem Unternehmensumfeld verlautete: "Der Geschäftsplan, der vergangene Woche vorgelegt wurde, passt nicht, die Bedingungen werden nicht erfüllt, besonders, was die Umstrukturierung der Schulden angeht", sagte der Insider.

Dennoch habe Air France ein strategisches Interesse an Alitalia, hieß es weiter. Die Kapitalerhöhung gilt als Zwischenschritt für eine Übernahme von Alitalia durch Air France. 2008 hatte Italiens damaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi noch eine Fusion verhindert. Sollte sich Air France nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen, könnte der Anteil von derzeit 25 Prozent auf weniger als 15 Prozent fallen - damit würde das Unternehmen seine Sperrminorität verlieren.

Am Freitagabend hatte der Verwaltungsrat von Alitalia, dem auch Air France-KLM angehört, grünes Licht für ein Rettungspaket im Volumen von 500 Millionen Euro gegeben. Darin sind neben der Kapitalerhöhung Kreditlinien von Banken über 200 Millionen Euro enthalten. Alitalia benötigt dringend frisches Geld, um einen Bankrott abzuwenden. Die Gesellschaft ächzt unter einem Schuldenberg von einer Milliarde Euro und fliegt täglich fast 700.000 Euro Verlust ein. Das Unternehmen erwirtschaftete seit 2002 keinen Gewinn mehr. Am Wochenende stand Alitalia kurz vor dem Aus, nachdem der Ölkonzern Eni mit dem Stopp der Kerosinlieferungen gedroht hatte.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge