Airbus vs. deutsche Bundesregierung: Streit um Langstreckenjet A350 spitzt sich zu

Airbus vs. deutsche Bundesregierung: Streit um Langstreckenjet A350 spitzt sich zu

Die deutsche Bundesregierung nannte am Freitag die über eine Zeitung vermittelte Darstellung von Airbus "nicht nachvollziehbar", dass im Konzern die Gespräche dazu "als endgültig gescheitert angesehen werden". Airbus selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Das Wirtschaftsministerium erklärte, offiziell für gescheitert erklärt worden seien die Verhandlungen, die auf verschiedenen Ebenen liefen, bislang nicht. Die Bundesregierung sieht weiter Lösungschancen und steht für weitere Gespräche bereit.

In dem Konflikt geht es um ein Darlehen der deutschen Regierung von insgesamt 1,1 Milliarden Euro, mit der die Entwicklung des A350 gefördert werden soll. Auch andere Airbus-Ländern leisten bei neuen Flugzeugmodellen des europäischen Hersteller derartige Anschubhilfen. Rund 500 Millionen Euro des deutschen Entwicklungskredits sind inzwischen ausgezahlt, die Zahlung von noch gut 600 Millionen Euro steht noch aus. Grund für das deutsche Zögern bei der Auszahlung ist nach Lesart der Bundesregierung, dass der Konzern bisher seinen Zusicherungen zur Stärkung des Forschungs- und Entwicklungsstandorts Deutschland nicht ausreichend nachgekommen ist.

Airbus dagegen argumentiert nach Angaben aus dem Umkreis des Konzerns, man habe im Gegenteil in den Verhandlungen erst zuletzt noch konkrete Vorschläge unterbreitet, die aber nicht aufgenommen worden seien. Der Konzern sieht zudem nach Angaben eines Insiders ein Missverhältnis zwischen dem deutschen Finanzierungsanteil von nur 15 Prozent beim A350 und dem deutschen Arbeitsanteil an dem neuen Flugzeug von über 30 Prozent. Darüber hinaus habe die deutsche Regierung versucht, für die Zahlung dieses Geldes Zusicherungen für Arbeitsanteile für künftige Programme zu erlangen, was Airbus ablehnt, lautet ein weiterer Vorwurf.

Auswirkungen

Airbus sei daher praktisch gezwungen, seinen deutschen Arbeitsanteil nach unten zu korrigieren, berichtete die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf Airbus-Dokumente. Das werde Stellen kosten und könnte Auswirkungen auf die deutschen Zulieferbetriebe haben. Auch im Umkreis des Unternehmens hieß es, Airbus-Chef Tom Enders könnte sich gezwungen sehen, den auf Deutschland entfallenden Arbeitsanteil bei der Produktion des A350 herunterzufahren.

Die Bundesregierung nahm die Drohungen von Airbus "mit Befremden" zur Kenntnis, wie es in Regierungskreisen hieß. Das gelte umso mehr, als es zuletzt Annährungen in den Gesprächen gegeben habe. "Wir gehen davon aus, dass eine konstruktive Lösung möglich ist", hielt ein Ministeriumssprecher dagegen. Die Regierung sei zu weiteren Gesprächen bereit. Er klagte aber bei Airbus die Erfüllung von Zusagen zur Stärkung des Forschungs- und Entwicklungsstandorts Deutschland ein. "Hier erwartet das Bundeswirtschaftsministerium konkrete Vorschläge und deren Umsetzung", sagte er. Deutschland ist seit einigen Monaten Großaktionär bei der Airbus-Mutter EADS.

Auch im Umkreis des Flugzeugherstellers selbst wurde die Tür zu einem Kompromiss nicht vollends zugestoßen. Womöglich werde sich nach der Bundestagswahl ein neues Bild ergeben, hieß es. Derzeit machten Gespräche aber kaum mehr Sinn.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge