Airbus und Boeing unter Druck: Airlines wollen günstigere Flugzeuge

Die Wünsche der Airlines nach spritsparenden und leistungsstärkeren Flugzeugen setzen Airbus und Boeing unter Zugzwang. Auf der Luftfahrtschau in Farnborough ringen die beiden großen Flugzeugbauer um neue Aufträge und die erfolgreichste Modell-Strategie.

Airbus und Boeing unter Druck: Airlines wollen günstigere Flugzeuge

Wird Fliegen bald wieder zum Luxus? Wenn die Entwicklung der letzten Jahre weitergeht, dann könnte das sein. Weltweit stehen die Fluglinien nicht zuletzt wegen der hohen Treibstoffpreise unter enormen Kostendruck. Jetzt geben sie diesen an die Flugzeughersteller weiter. Bei der heute beginnenden Luftfahrtschau in Farnborough wollen sie einen neuen, anderen Typ von Flugzeugen sehen: Leistungs- und reichweitenstark, aber trotzdem spritsparend.

Boeing (WKN 850471, ISIN US0970231058) will mit einer neuen Variante seiner Mittelstreckenjets die Wünsche von Billigfluglinien wie Ryanair erfüllen. Die Passagiere sollen enger zusammenrücken. Je mehr Passagiere auf gleichem Raum befördert werden, desto günstiger können die Airlines die Tickets anbieten, so die Überlegung.

Die modernisierte Auflage 737-MAX-8 soll künftig 200 Menschen befördern können, elf mehr als in der normalen Version, erklärte der Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte, Ray Conner, vor der Farnborough Airshow (14. bis 20. Juli) am Sonntag in London. "Das Modell richtet sich speziell an Billigfluglinien." Der Sitzabstand soll bei der Billigflieger-Variante von üblicherweise 30 bis 31 Zoll auf noch 29 Zoll schrumpfen.

Airbus tüftelt

Auch der europäische Boeing-Rivale Airbus (WKN 938914, ISIN NL0000235190) arbeitet daran, mehr Fluggäste in sein Konkurrenzmodell A320 zu bekommen. Für die Langversion A321 hat Airbus schon eine Variante mit mehr Ausgängen vorgestellt, dank derer der Flieger mehr Fluggäste befördern darf.

Auf der Luftfahrtschau sind aber nicht nur die beiden Flugzeugbaugiganten vertreten. Auch die Regionaljetbauer aus aller Welt, allen voran Bombardier und Embraer, ziehen regelmäßig viele Besucher auf sich. Zulieferer, deren Spezialgebiete von Triebwerksverkleidungen bis zu Unterhaltungselektronik für die Passagierkabine reichen, präsentieren ihr Angebot. Auch die Militärluftfahrt nimmt breiten Raum ein.

Vor zwei Jahren trafen bei der Airshow, die sich jährlich mit der Pariser Luftfahrtmesse abwechselt, mehr als 200.000 Besucher auf über 1.500 Aussteller. Unternehmen schlossen Aufträge und Vorverträge im Wert von 72 Mrd. US-Dollar (rund 53 Mrd. Euro) für insgesamt 758 Flugzeuge ab.

Airbus A330neo wird erwartet

Airbus dürfte nach Informationen von Branchenkennern seine Pläne für die A330neo vorstellen. Airbus will sein 20 Jahre altes Langstreckenmodell A330 Insidern zufolge mit sparsameren Triebwerken ausstatten. Die A330 konkurriert mit Boeings 787 "Dreamliner", der deutlich weniger Kerosin verbraucht.

Auf die erwartete Frischzellenkur für den Airbus A330 reagierte Boeing-Manager Conner allerdings gelassen. "Unsere 787-10 ist fast 30 Prozent besser als die A330", sagte Conner mit Blick auf die geplante Langversion des Boeing-Fliegers. Zwar sei die A330 in der Anschaffung billiger, doch am Ende gehe es um die Höhe der Betriebskosten.

Conner sieht zudem zwischen dem Großraumjet "Dreamliner" und dem modernisierten Mittelstreckenmodell 737-MAX noch Luft für einen kleineren Langstreckenjet mit schmalem Rumpf. Das Marktsegment sei interessant, und Boeing würde es gerne besetzen, sagte Conner. Derzeit gebe es allerdings noch keine Pläne.