Air France lässt Alitalia zappeln: "Stecken kein Geld in eine Firma, die nicht überleben kann"

Air France lässt Alitalia zappeln: "Stecken kein Geld in eine Firma, die nicht überleben kann"

Eigentlich hofft Alitalia auf eine Rettung durch den Partner. Air-France-KLM-Chef Alexandre de Juniac sagte am Donnerstag aber, das französisch-niederländische Unternehmen sei nur unter sehr strikten Bedingungen zu einer Geldspritze bereit – ohne allerdings Details zu nennen. Er fühle sich vom Verlauf der bisherigen Verhandlungen darüber "beleidigt und entmutigt".

"Wir sind nicht dazu da, Geld in eine Firma zu stecken, die langfristig nicht überleben kann", erklärte de Juniac. Analysten rieten Air France-KLM von weiteren Investitionen in Alitalia ab.

Weil Alitalia 300 Millionen Euro frisches Kapital brauche, sei die 25-prozentige Beteiligung vollständig abgeschrieben worden, erklärte Air France-KLM. Die Belastung daraus belaufe sich auf 119 Millionen Euro. Air France-KLM hatte bislang gesagt, die Kapitalerhöhung "im Prinzip" zu unterstützen. "La Tribune" berichtete aber, die Chancen, dass sich die Pariser Firma noch an der Finanzspritze beteilige, seien praktisch null. Allerdings könnte es zu einem späteren Engagement kommen. Falls die Franzosen bei der Kapitalspritze außen vor bleiben, würde ihr Anteil an Alitalia auf nur noch 11 Prozent sinken.

Experten: Air France spekuliert auf Alitalia-Pleite

Branchenbeobachtern zufolge pokert Air France und will Alitalia so günstig wie möglich übernehmen. Die Experten vermuten hinter vorgehaltener Hand, dass es den Franzosen gelegen käme, wenn Alitalia Pleite ginge. Dann wäre eine Übernahme ohne Schuldenberg und sonstige Verpflichtungen - etwa bestimmte Strecken zu betreiben - möglich. Alitalia wollte sich am Donnerstag nicht konkret äußern, betonte aber, dass der Flugplan ohne Unterbrechungen funktioniere.

De Juniac hatte zuletzt seine grundsätzliche Bereitschaft zu einer Fusion an einen radikalen Umbau von Alitalia geknüpft. Das dürfte aber auf Widerstand der Regierung in Rom sowie der Gewerkschaften stoßen. Alitalia setzt der scharfe Wettbewerb von Billig-Anbietern zu. Das Unternehmen ächzt zudem unter knapp einer Milliarde Euro Schulden und fliegt täglich fast 700.000 Euro Verlust ein. Seit 2002 fiel kein Gewinn mehr an.

Schuldenberg schwillt weiter an

In den ersten neun Monaten des Jahres hat das Unternehmen nach Angaben vom Donnerstag bislang einen Verlust von 162 Millionen Euro eingeflogen - gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Im Sommerquartal schaffte das Unternehmen zwar unter dem Strich einen Nettogewinn von sieben Millionen Euro. Vor einem Jahr fiel der Gewinn jedoch noch vier mal so hoch aus. Zudem kletterte der Schuldenberg innerhalb von drei Monaten auf 851 Millionen von 813 Millionen.

Air France-KLM befindet sich selbst gerade in einem größeren Umbau. Sie haben den Abbau von knapp 2900 Stellen angekündigt, um die Kosten zu senken und so gegen die schwache Konjunktur und die scharfe Konkurrenz zu kämpfen. Im dritten Quartal kletterte der operative Gewinn um 29 Prozent auf 634 Millionen Euro. Der zuletzt zum Dollar stark gestiegene Euro senkte die Rechnung für Treibstoff um 109 Millionen Euro. Der Umsatz stagnierte allerdings bei 7,2 Milliarden Euro.

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