Ärger in Nigeria holt Ölkonzerne ein

Ärger in Nigeria holt Ölkonzerne ein

Die Ölkonzerne müssen sich immer mehr anstrengen und kommen doch nicht von der Stelle. Zurückgenommene Fördermengen, nicht erzielte Gewinne und verpasste Kostensenkungen prägen die Quartalsberichte von Exxon & Co. Entsprechend enttäuscht reagierten die Märkte, die Aktienkurse geben nach.

Der Branchenprimus Exxon sorgte dabei am Donnerstag für einen Paukenschlag, stürzte doch der Quartalsgewinn gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte auf 6,9 Milliarden Dollar ab.

Besonders schmerzhaft war bei Exxon, der weltgrößten börsennotierten Ölgesellschaft, der Gewinneinbruch im Raffineriegeschäft. Wie Schnee in der Märzsonne schmolz er auf 396 Millionen nach 6,6 Milliarden Dollar dahin. Der Kurs der Exxon-Aktie ging nach Handelsbeginn an der Wall Street um 1,5 Prozent in den Keller und folgte den Vorgaben aus dem vorbörslichen Handel.

Shell und Eni

Nicht viel besser ging es Shell und der italienischen ENI, denen vor allem wegen Problemen in Nigeria Fördermengen und Gewinnerwartungen einbrachen. Royal Dutch Shell führte Öldiebstähle und Produktionsausfälle in dem westafrikanischen Land mit als Gründe für einen Gewinnrückgang um fast ein Fünftel auf 4,6 Milliarden Dollar an. Analysten hatten dagegen kaum eine Veränderung zum Vorjahr erwartet. Der zum Jahresende scheidende Konzernchef Peter Voser nannte neben den Problemen in Afrika auch höhere Kosten und Steuereffekte in Australien als Begründung für die überraschenden Einbußen von 700 Millionen Dollar. "Die Ergebnisse sind für Shell ganz klar enttäuschend", sagte Voser.

Insidern zufolge will Shell inzwischen größere Teile seines Nigeria-Geschäfts verkaufen. Die Bohrfelder betreibt Shell unter anderem zusammen mit Eni. Die Italiener lehnten eine Stellungnahme dazu ab, ob sie im Fall eines Rückzugs von Shell ebenfalls verkaufen wollen.

Eni macht neben Nigeria auch Libyen zu schaffen

Auch Eni setzten im zweiten Quartal die Probleme in Nigeria zu, wo dem Unternehmen ein Streit mit den Behörden über Beteiligungen an den Öl-Vorkommen sowie Öl-Diebstahl und Sabotage zu schaffen machen. Zugleich hat der Konzern mit der unsicheren Lage im nordafrikanischen Libyen zu kämpfen, das auch fast zwei Jahre nach dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi noch von Unruhen erschüttert wird. Eni wies einen Gewinnrückgang von 55 Prozent auf 580 Millionen Euro aus und schraubte daraufhin sein Produktionsziel herunter: Für 2013 rechnet der staatlich kontrollierte Konzern nun nur noch mit einer Öl- und Gasproduktion auf Vorjahresniveau.

Einziger Ausreißer der laufenden Berichtssaison war die europäische Nummer drei Total : Die Franzosen beeindruckten die Märkte mit dem ersten Produktionsanstieg seit drei Jahren. Sie meldeten vorige Woche aber einen Gewinnrückgang um drei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Chevron legt sein Zahlenwerk am Freitag vor.

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