Abenteuer Afrika – Investoren gehen auf Schatzsuche

Abenteuer Afrika – Investoren gehen auf Schatzsuche

Vielmehr klopfen Profi-Anleger den drittgrößten Kontinent der Erde auf lukrative Anlagechancen ab. Und das Ergebnis ihrer Analysen begeistert sie: junge Volkswirtschaften, die rasant an Fahrt gewinnen, ein Rohstoffreichtum, der noch lange glänzende Geschäfte verspricht, und Scharen junger Arbeitskräfte.

In vielen Ländern sind Investitionen in Infrastruktur, Bauwirtschaft, Tourismus und Bildung auf den Weg gebracht. Kurzum - beste Voraussetzungen für renditeträchtige Investments. "Es ist durchaus üblich, dass Investitionen mehr als zwanzig Prozent abwerfen und ich gehe davon aus, dass auch in den nächsten zehn bis 20 Jahren noch hohe Gewinne anfallen werden", beschreibt Sven Richter die Chancen. Er verantwortet bei der auf Entwicklungsländer spezialisierten Fondsgesellschaft Renaissance Asset Management die Anlageentscheidungen in Afrika.

Internationale Investoren stehen unter Anlagedruck

Der Antrieb der Anleger ist groß. In den von der Finanz- und Schuldenkrise geplagten westlichen Industrieländern wird die Jagd nach Rendite immer schwieriger. Und in aufstrebenden Schwellenländern wie China oder Indien lässt sich Geld schon lange nicht mehr so problemlos vervielfachen wie vor fünfzehn oder zwanzig Jahren. Immer mehr Investoren schwenken deshalb um und setzen auf den wirtschaftlichen Aufschwung des ärmsten Kontinents der Erde.

Die mehr als 50 Staaten mit insgesamt 885 Millionen Menschen unterscheiden sich aber in ihrem Entwicklungsstand enorm. Für Investoren besonders interessant sind derzeit die Länder südlich der Sahara wie Nigeria, Ghana oder die Elfenbeinküste. Die Region verfügt nach Berechnungen der Deutschen Bank über 60 Prozent der weltweit noch nicht kultivierten Fläche, 60 Prozent der globalen Diamanten-Vorkommen, 30 Prozent des beispielsweise für die Handy-Produktion notwendigen Rohstoffs Kobalt und fünf Prozent der weltweiten Ölvorräte.

Investor Mobius und Bill Gates sind schon vor Ort

Bei allen Chancen - die Gründe, warum sich das Gros der Investoren so lange vom südlichen Kontinent ferngehalten hat, sind nicht vom Tisch. Investments in Afrika bleiben ein Abenteuer. Korruption und Vetternwirtschaft der politischen Eliten gehören nach wie vor zum Alltag, Rechtssicherheit ist nicht immer gegeben. Geltende Rahmenbedingungen können schnell kippen. "Der arabische Frühling war beispielgebend, wie sich eine ganze Region binnen Wochen verändern kann - von einer gefühlten Stabilität hin zu einer zweijährigen Lethargie", sagt Fondsmanager Sebastian Kahlfeld von der DWS. Investitionen in den betroffenen Ländern würden deshalb besonders bedacht angegangen.

Trotzdem bleibt Star-Investor und Schwellenländer-Spezialist Mark Mobius vom Rendite-Potenzial vor Ort so überzeugt, dass er an den ägyptischen Positionen in seinem milliardenschweren Fonds für aufstrebende Märkte festhält. Und Microsoft-Gründer Bill Gates setzt nach wie vor auf das ägyptische Bauunternehmen Orascom Construction. Gus Macfarlane, politischer Berater beim auf Risiko-Analysen spezialisierten Dienstleister Maplecroft, sagt, dass sich die politische Situation auf dem Kontinent in den vergangenen Jahren durchaus stabilisiert habe. Er untermauert das mit dem Hinweis, dass viele Länder inzwischen in eine zweite Runde freier und fairer Wahlen starteten.

Noch liegt wenig Geld in Aktien – aber hohe Zuwachsraten

Große Vermögensverwalter wie Morgan Stanley, JP Morgan oder Templeton haben bereits Aktienfonds für Afrika aufgelegt. Von den hiesigen Flagschiffen geht die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS den Trend mit. Union Investment und Deka bündeln Investments im Nahen Osten und in Afrika in jeweils einem Produkt. Etliche Fonds-Boutiquen - wie zum Beispiel die britische Renaissance oder die Schweizer Bellevue Asset Management - haben sich auf den noch jungen Markt spezialisiert. Eine ganz neue Investorengruppe entwickelt sich vor Ort: lokale Pensionsfonds, die die Nachfrage einer aufstrebenden Mittelschicht bedienen.

Im Vergleich mit westlichen Aktienmärkten liegt der afrikanische noch geradezu brach: Ende 2012 waren dem Datendienstleister Lipper zufolge fünf Milliarden Dollar über Aktienfonds in Afrika investiert - nicht eingerechnet reine Südafrika-Fonds sowie breit angelegte Schwellenländer-Fonds. Dagegen verwaltet allein die deutsche Investmentwirtschaft Aktienfonds über 240 Milliarden Euro (rund 310 Milliarden Dollar). In Lateinamerika sind immerhin 38 Milliarden Dollar in entsprechende Produkte investiert. Was an Afrika beeindruckt, sind die Zuwachsraten: In den vergangenen sechs Jahren haben sich die in Aktien investierten Gelder verfünffacht. Das Plus in Lateinamerika lag bei 40 Prozent.

Die Mittelschicht soll für Rendite sorgen

Die afrikanischen Börsen haben sich während der globalen Finanzkrise unabhängig von den ansonsten fast synchron laufenden internationalen Märkten entwickelt. Sie hängen weder an den großen Schwellenländer-Börsen von Brasilien, Indien oder China noch sind sie untereinander eng verwoben. Für Investoren ist das eine gute Möglichkeit zu diversifizieren. Hohe Schwankungen gehören allerdings auch in Afrika zum Alltag.

Als Investor brauche man eine starke Überzeugung und müsse Rückschläge aushalten, sagt David Mcilroy, der die Anlagen für den britischen Vermögensverwalter Alquity verantwortet. "Wir sind langfristig orientierte Investoren, keine Händler." 2011 - im Jahr des arabischen Frühlings - war der MSCI-Aktienindex, der die liquidesten afrikanischen Titel ohne Südafrika abbildet, um rund 30 Prozent abgerutscht. 2012 machte er die Verluste mit einem 38-prozentigen Plus wieder wett. Im laufenden Jahr hat er bislang rund zehn Prozent gewonnen. Damit haben diese Titel selbst dem breiten Index für aufstrebende Schwellenländer und dem der etablierten Schwellenländer den Rang abgelaufen.

Zu den Aktien, die sich im vergangenen Jahr am besten entwickelt haben, zählten die Anteilsscheine der nigerianischen Banken Guaranty Trust und Zenith. Investoren gehen davon aus, dass mit der steigenden Nachfrage nach Gebrauchsgütern der Bedarf an Finanzdienstleistungen ebenfalls zunimmt. "Die Verbraucher haben mehr Geld in den Taschen, und das ist zu spüren bei Gebrauchsartikeln, bei Autokäufen, in der Baubranche, im Bildungsbereich", sagt Richter von Renaissance. Langfristig vielversprechende Unternehmen ließen sich durchaus unabhängig von den politischen Rahmenbedingungen finden. "Die Firmen, an denen wir uns beteiligen, schauen wir uns auf Basis ihrer Fünf-Jahres-Perspektiven an."

Kleine und illiquide Börsen bremsen das Geschäft

Auch am Afrika-Geschäft großer internationaler Konzerne können Investoren inzwischen separat teilhaben. Der Lebensmittelriese Nestle zum Beispiel hat ein eigenes Listing in Nigeria. Unilever oder der Ölkonzern Total haben Aktien an der westafrikanischen Regionalbörse BRVM ausgegeben.

Die größte Schwierigkeit, in afrikanische Aktien zu investieren, bilden die vielen kleinen und illiquiden Börsen. "Die große Herausforderung ist es, an die interessanten Sektoren erst einmal zu kommen und dann Aktien in der Masse zu kaufen, in der man sie benötigt", berichtet Kahlfeld. Dieses Problem kennt auch Fondsmanager Richter. Er nimmt für einen Subsahara-Aktienfonds vorübergehend keine neuen Gelder mehr an, weil er mit dem Investieren nicht nachkommt: Der Fonds hat in den vergangenen zwölf Monaten 40 Prozent Gewinn gemacht.

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