300.000 Jobs weg – die Banken bluten

300.000 Jobs weg – die Banken bluten

Die Mitteilung von Citigroup vom Mittwoch, rund 11.000 Jobs streichen zu wollen, ist das jüngste Anzeichen dafür, dass schleppende Geschäfte, strengere Kapitalregeln und eine schwache Konjunktur der Branche derzeit zu schaffen machen.

Banken in aller Welt werden wohl noch weitere Stellen kürzen, sollten die Erlöse im kommenden Jahr nicht kräftig nach oben gehen, sagen Analysten und Personalberater.

“Die Messer sind geschärft und bereit”, erklärte Jason Kennedy, Chef der Londoner Personalvermittlung Kennedy Group, in einem Interview mit Bloomberg News. “Die Unternehmen sind zu groß für die Geschäfte, die sie generieren. Aber sie sind noch immer recht optimistisch, dass der Markt wieder zurückkommt bis Mitte 2013. Sollte das nicht geschehen, dann wird es im ersten Halbjahr 2013 weitere Streichungen geben.”

1000 hier, 100 da

Die Schweizer Bank UBS erklärte im vorletzten Monat, sie werde sich weitestgehend aus dem Bereich der Festverzinslichen zurückziehen. Auf diese Weise solle die Rentabilität verbessert werden. In diesem Zusammengang will das Unternehmen über drei Jahre rund 10.000 Stellen streichen - das entspricht 15 Prozent der Mitarbeiter. Der Konzern kürzt bereits weltweit Jobs, und beschleunigte die Bemühungen zuletzt.

Credit Suisse, die Nummer zwei unter den Schweizer Banken, ist gerade dabei, etwa 100 Arbeitsplätze im britischen Investmentbanking zu streichen. Die Bank hatte im vergangenen Monat angekündigt, bis Ende 2015 eine weitere Milliarde Franken pro Jahr einsparen zu wollen.

Die britische Royal Bank of Scotland hatte in diesem Jahr bereits den größten Teil ihrer Sparte für den Handel von Aktien aufgegeben. Bank of America und HSBC gaben im vergangenen Jahr bekannt, dass sie rund 30.000 Stellen streichen wollen.

Schleppendes Investmentbanking-Geschäft

Bei den zehn größten globalen Häusern dürften die Erlöse aus dem Handel und Investmentbanking in diesem Jahr zwar um rund 2,8 Prozent auf dann 148 Mrd. Dollar (114 Mrd. Euro) ansteigen - das liegt allerdings immer noch etwa 32 Prozent unter dem Niveau von 2009 und rund 13 Prozent unter dem Niveau von 2010. Das zeigen Daten von Coalition Ltd.

Unterm Strich bleibt den Banken wohl nichts anderes übrig, als die Bezahlung und die Anzahl ihrer Mitarbeiter zu senken sowie fast ein Drittel ihrer Handelsgeschäfts-Assets aufzugeben, um zumindest die Hälfte der Renditen von einst zu erzielen. Das geht aus einer Mitte November veröffentlichen Analyse von Sanford C. Bernstein hervor.

Die Finanzdienstleister müssen demnach den Anteil der Mitarbeiter-Entlohnung auf 40 Prozent der Erlöse reduzieren, von derzeit 50 Prozent. Dies könnte laut Bernstein geschehen, indem beispielsweise teure Führungskräfte gefeuert und einige Händler durch Computer ersetzt werden.

Die Anzahl der Stellen in den Londoner Finanzbezirken City und Canary Wharf dürfte im kommenden Jahr auf 237.000 sinken, erklärte das in der britischen Hauptstadt ansässige Centre for Economics and Business Research. Das wäre den Daten zufolge die niedrige Anzahl seit 1993. Noch vor sechs Monaten lag die 2013- Prognose bei 256.000 Stellen.

“Ich erwarte, dass sich der Abbau von Stellen weltweit im Investmentbanking fortsetzt”, erklärte Tom Kirchmaier von der London School of Economics. “Es hat einen strukturellen Wandel im Investmentbanking gegeben. Die Investoren wollen das nicht, die Aufseher wollen das nicht. Verkauf und Handel sind extrem fremdfinanziert, und die Asset-Qualität verschlechtert sich.”

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