29 Banken lenken das Finanzsystem

29 Banken lenken das Finanzsystem

Die Banken-Aufseher könnten in dieser Woche ihre Liste der 29 systemrelevanten Banken (“too- big-to-fail”), für die Extra-Kapitalanforderungen vorgesehen sind, zusammenkürzen.

Das Financial Stability Board (FSB) soll sich den Angaben zufolge bei einem Treffen am Mittwoch und Donnerstag in Tokio auf eine aktualisierte Liste verständigen. Dahinter stehe die Einsicht, dass der Zusammenbruch einiger der enthaltenen Banken keine allzu große Gefahr für die Stabilität die Weltwirtschaft mehr darstelle. Hinzu komme, dass einige Finanzkonzerne eine Restrukturierung durchgeführt hätten.

Veröffentlicht worden war die Liste der 29 systemrelevanten Banken im vergangenen Jahr. Zu finden sind darauf unter anderem die Deutsche Bank AG, Citigroup Inc., JPMorgan Chase & Co., BNP Paribas SA, Royal Bank of Scotland Group Plc und HSBC Holdings Plc. Nach älteren Planungen sollen sie nun Extra-Kapitalpuffer aufbauen, die bei bis zu 2,5 Prozent der risikogewichteten Aktiva festgesetzt wurden.

“Die Entscheidungsträger stehen vor dem großen Problem, dass sie die Kapital-Niveaus der Banken anheben und die Risiken im Finanzsystem senken wollen, ohne dabei das Wirtschaftswachstum abzuwürgen”, sagte Huw Van Steenis, Chef europäische Banken-Analyse bei Morgan Stanley. Sein Arbeitgeber findet sich ebenfalls auf der Liste der 29 Banken.

Eine der Banken, die mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Liste herausfällt, ist Dexia SA - der belgisch-französische Finanzdienstleister wird derzeit aufgespalten, nachdem er mit unbesicherten Papieren kein Kapital mehr beschaffen konnte. Das zumindest meint Karel Lannoo, Vorstandschef beim Centre for European Policy Studies in Brüssel.

“Es gibt vielleicht noch zwei, drei andere” in einer ganz ähnlichen Situation, sagte er. Dennoch: “die absoluten Bilanzsummen bleiben enorm” bei den allergrößten Banken.

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht hat laut der informierten Kreise bei seinem Treffen im vergangenen Monat in Istanbul einen Entwurf für eine überarbeitete Liste vorbereitet. Der Vorschläge sollen nun vom FSB beim anstehenden Treffen in Japan in Erwägung gezogen werden.

Die überarbeitete Liste soll nach dem Tokio-Treffen an die Finanzminister und Zentralbankchefs der G20-Staaten für eine Billigung geschickt werden. Bei dieser Gruppe wiederum ist ein Treffen im kommenden Monat geplant.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das FSB erklärte, die Liste werde in jedem Jahr überarbeitet - wobei das Ergebnis dann jeweils im November veröffentlicht werden solle. Die erste wirklich entscheidende Liste dürfte die im Jahr 2014 sein, da die dann genannten Banken den geplanten Extra-Kapitalpuffer wohl tatsächlich aufbauen müssen.

Der Extra-Kapitalpuffer für die systemrelevanten Banken kommt als Ergänzung zu der ohnehin schon vom Basler Ausschuss beschlossenen Verdreifachung der Kern-Reserven, die Banken für mögliche Verluste vorhalten müssen. Diese so genannten Basel- III-Regeln sollen für alle Banken gelten, die internationale Geschäfte betreiben. Derzeit ist geplant, dass sie ab 2019 im vollen Umfang angewendet werden.

Hätten die Basel-III-Bestimmungen schon Ende 2011 gegolten, dann wäre die Kapitallücke bei den großen internationalen Banken 374,1 Mrd. Euro gewesen. Das gab der Ausschuss vergangenen Monat bekannt. In seinen Berechnungen ist der Extra-Puffer für die 29 systemrelevanten Banken bereits enthalten.

Bei seinem Treffen in Tokio will sich das FSB auch noch mit anderen Fragen auseinandersetzen. So sollen die Fortschritte der Länder bei der Regulierung von Over-The-Counter-Derivaten begutachtet werden. Zudem wollen die Aufseher neue Regel für so genannte Schattenbanken diskutieren.

Das FSB vereint Zentralbanker, Aufsichtsbehörden sowie Regierungsvertreter der G20-Staaten. Über das Gremium sollen die Regeln für das Finanzsystem koordiniert werden.

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