"103 Milliarden Gründe, warum es für Banken kostspielig ist, nicht das richtige zu tun"

"103 Milliarden Gründe, warum es für Banken kostspielig ist, nicht das richtige zu tun"

Insgesamt enthalten in dieser Summe sind Kosten für Anwälte und Gerichtsverfahren, aber auch für die Beilegung von Vorwürfen in Zusammenhang mit zwielichtigen Hypotheken und Zwangsvollstreckungen, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Heruntergerechnet entspräche das Ausgaben von 51 Mio. Dollar pro Tag, zudem ist der Betrag höher als die gesamten Gewinne der Banken im Jahr 2012.

Banker sind wegen der stetig steigenden Rechnungen etwas beunruhigt. Sie haben eigentlich darauf gezählt, dass durch die Kostensenkungen die niedrigeren Einnahmen ausgeglichen werden und Raum für höhere Ausschüttungen entsteht. Etwa 40 Prozent der Rechtskosten und Rückstellungen fielen seit Januar 2012 an, da Aufsichtsbehörden, Staatsanwälte und Investoren immer neue Vorwürfe erheben. Dieser Trend belastet auch die Aussichten für die Aktienkurse in der Branche. Einige rechnen damit, dass diese Belastungen noch ein Jahrzehnt anhalten könnten.

“Sie haben die Marke überschritten, ab der sich diese Ausgaben in ihren Ergebnissen widerspiegeln”, sagt Jeffrey Sica, Vermögensverwalter und Chef von Sica Wealth Management LLC. “Dies wird ihnen auch weiter wehtun, und die Leute werden anfangen, darauf zu achten.”

Krone geht unangefochten an JPMorgan

Etwa 75 Prozent der gesamten Kosten entfallen auf JPMorgan und Bank of America, wie aus den Daten hervorgeht, die auf Unternehmensberichten basieren. Seit Anfang 2008 steckte JPMorgan 21,3 Mrd. Dollar in Anwaltskosten und Rechtsstreitigkeiten - mehr als jede andere Bank. Weitere 8,1 Mrd. Dollar wurden für Hypotheken-Rückkäufe zurückgestellt, zeigen die Unterlagen.

Bank of America stockte die Rechtskosten unter Konzernchef Brian T. Moynihan im ersten Halbjahr um 3,3 Mrd. Dollar auf, sodass sie insgesamt auf 19,1 Mrd. Dollar kommen. JPMorgan fügte in den ersten sechs Monaten des Jahres 1,5 Mrd. Dollar hinzu und die anderen vier Kreditinstitute zusammen 2,4 Mrd. Dollar.

Tatsächlich ist damit zu rechnen, dass die Untersuchungsbehörden ihr Vorgehen gegen die Institute nur weiter verschärfen, sagt Daniel Hurson, ein früherer US- Staatsanwalt und Anwalt der Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC), der mittlerweile seine eigene Kanzlei in Washington leitet. Dies könne daran liegen, dass sich die wirtschaftliche Lage erholt hat und die Solvenz der Banken nicht länger angezweifelt wird.

“Es könnte so empfunden werden, als seien die Banken mit einer Menge ungestraft davon gekommen - und jetzt ist es vielleicht an der Zeit, Versäumtes nachzuholen”, sagt Hurson.

Wie lange sich die Rechtsstreitigkeiten noch hinziehen werden, ist unklar. US-Generalstaatsanwalt Eric Holder erklärte gegenüber dem Wall Street Journal diesen Monat, dass er in den nächsten Monaten neue Fälle in Zusammenhang mit der Finanzkrise vorbringen werde. Das könnte zusätzliche Gerichtsverfahren nach sich ziehen. Zwar sind einige Fälle nach Ablauf von fünf Jahren verjährt, wenn jedoch Bankenbetrug eine Rolle spielt, ist die Frist doppelt so lang.

“Es bestehen zurzeit 103 Milliarden Gründe, warum es für Banken kostspielig ist, nicht das richtige zu tun”, sagt Mark T. Williams, der einen Lehrauftrag an der Boston University hat und zuvor bei der US-Notenbank Federal Reserve Prüfer war. “Das Risiko der Zuwiderhandlung wurde letztendlich mit einem Preisschild versehen.”

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