Börse-Berichtsaison: Vor Gewinnwarnungen wegen China-Krise

Börse-Berichtsaison: Vor Gewinnwarnungen wegen China-Krise

Die Wirtschaftsflaute in China und in den weiteren Shwellenländern könnte in der bevorstehenden Berichtsaison noch die eine oder andere Gewinnwarnung internationaler Unternehmen nach sich ziehen.

Die Wirtschafts-Lokomotive China ist ins Schnaufen gekommen und wird nun für viele Unternehmen, die vom Aufschwung im Reich der Mitte profitiert hatten, zum Bremsklotz. Aufgrund der schlechten Wirtschaftsdaten haben in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Firmen ihre Prognosen gesenkt. Experten gehen davon aus, dass in der anstehenden Berichtssaison zum dritten Quartal mit weiteren Gewinnwarnungen zu rechnen ist. "Man kann nicht ausschließen, dass weitere große Unternehmen ihre Prognose wegen China senken werden", sagt Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. Dazu zählten vor allem Chemieunternehmen wie BASF sowie Maschinenbauunternehmen und die Automobilbranche. Für die beiden letzteren Branchen ist China der größte Auslandsmarkt.

Auch in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland sorgt man sich. China ist ein wichtiger Handelspartner Deutschlands und rangiert auf Platz vier nach Frankreich, den USA und Großbritannien. Ökonomen zufolge ist das Wirtschaftswachstum in China im dritten Quartal erstmals seit der globalen Rezession Anfang 2009 unter die Marke von sieben Prozent gerutscht. Dem Exportweltmeister macht die schwächelnde Nachfrage aus wichtigen Absatzmärkten zu schaffen, während sinkende Immobilienpreise die heimische Wirtschaft belasten. Der zuletzt überraschend schwache Anstieg der Inflation in China sorgte auch für Verkaufsdruck an den Börsen.

WARTEN AUF NEUEN FÜNFJAHRESPLAN

"Die makroökonomischen Umstände in China haben sich extrem verschlechtert in den letzten Monaten", urteilt ICF-Analyst Ruland. Zugleich kommt die aktuelle Unsicherheit für ihn nicht überraschend, da dies in den letzten Jahren immer so gewesen sei, bevor der neue Fünfjahresplan für China beschlossen wird. Vom 26. bis 29. Oktober treffen sich in Peking die Anführer der Kommunistischen Partei, um den 13. Fünfjahresplan zu finalisieren, der mit dem nächsten Jahr in Kraft treten wird. "Das sorgt für zusätzliche Zurückhaltung und Unsicherheit." Der Auftragsstau dürfte sich nach Einschätzung Rulands im Laufe des vierten und ersten Quartals auflösen.

Noch hinterlässt die schwächelnde China-Konjunktur aber ihre Spuren in den Bilanzen der Unternehmen. So kippten zuletzt etwa der Modekonzern Hugo Boss, der Autozulieferer Leoni, der Medizintechnikanbieter Drägerwerk und der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson unter Verweis auf China ihre Prognosen. Dem Luxusgüter-Hersteller Burberry und dem weltgrößten Lebensmittelkonzern Nestle machen das verhaltene Wachstum in Fernost ebenfalls zu schaffen. Vor allem bei den Unternehmen, die ein schwächelndes Asien-Geschäft nicht kompensieren könnten, müsse mit Enttäuschungen gerechnet werden, warnen Experten.

SPREU ODER WEIZEN

Nun werde offenkundig, wer Probleme habe und wer nicht, sagt Marktexperte Jörg Rahn vom Vermögensbetreuer Marcard, Stein & Co. "Da trennt sich die Spreu vom Weizen." Für manche Firmen sei China auch eine willkommene Ausrede für hausgemachte Probleme. Zudem sei das Marktumfeld auch in anderen Schwellenländern schwieriger geworden. So hat sich die schwere Rezession in Brasilien zuletzt vor allem in den Bilanzen der ausländischen Agrarchemie- und Düngemittelkonzerne, wie Monsanto, DuPont und Syngenta bemerkbar gemacht, für die das südamerikanische Land eines der wichtigste Märkte ist.

Rahn malt aber nicht nur schwarz. "Als erstes kommen natürlich die Gewinnwarnungen." Die Konjunkturdaten für Europa seien aber insgesamt positiv. Er rechnet daher auch mit positiven Überraschungen, die vor allem aus dem Konsumsektor von Firmen wie Beiersdorf, Henkel und Fielmann kommen könnten. Wasser in den Wein gießt Michael Koetter, Finanzmarktexperte von der Frankfurt School of Finance: "Der Ifo-Geschäftsklima-Index ist im September den dritten Monat in Folge gestiegen - die Unternehmen gehen also von einer rosigen Zukunft aus. Auf der anderen Seite gibt es strukturelle Schwierigkeiten in zahlreichen Ländern und individuelle Schocks wie bei Volkswagen. Das passt nicht zusammen."

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