Billiger Zucker und Rekordernte: Die Baustellen der Agrana

Billiger Zucker und Rekordernte: Die Baustellen der Agrana

Johann Marihart: "Ukrainisches Apfelsaftkonzentrat ist durch den Währungsverfall und die niedrigen Rohstoffkosten so billig, dass wir es problemlos Richtung Westen bis in die USA exportieren können."

Der Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern kämpft weiterhin mit sinkendem Umsatz und Gewinn. "Der Plattfuß ist beim Zucker", erklärt Agrana-Vorstandschef Johann Marihart. Weniger Sorgen hat er wegen der Ukraine-Krise - der russische Markt wird aus dem chinesischen Werk bedient.

Der börsenotierte Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana (ISIN: AT0000603709) hat wie schon im ersten Halbjahr auch im 3. Geschäftsquartal 2014/15 Einbußen bei Umsatz und Gewinn erlitten. Die Erlöse sanken von 693,7 auf 629,2 Mio. Euro, und der Konzern-Periodengewinn schrumpfte auf 21,1 (33,4) Mio. Euro.

In den ersten neun Monaten gingen die Umsätze um 15,3 Prozent von 2,259 auf 1,914 Mrd. Euro zurück, und das Periodenergebnis sank auf 82,0 (102,6) Mio. Euro. Das EBIT lag im 3. Quartal (September bis November) bei 37,4 (48,4) Mio. Euro und in den ersten neun Monaten mit 124,4 (152,6) Mio. Euro um 18,5 Prozent tiefer. In den Segmenten Zucker und Frucht war das EBIT durch geringere Erlöse belastet, im Segment Stärke konnte es erhöht werden.

Auch weniger Umsatz im Gesamtjahr

Agrana-Vorstandschef Johann Marihart geht nach dem Umsatz- und Gewinneinbruch in den ersten neun Monaten dieses Jahres davon aus, dass sich insbesondere die Situation im Geschäftssegment Zucker in den nächsten Monaten weiter verschärfen wird.

"In dieser Zeit bewährt sich unsere Diversifizierung", erklärte Marihart am Dienstag laut Aussendung. "Die Segmente Stärke und Frucht stützen unser Gruppenergebnis."

Für das gesamte Geschäftsjahr 2014/15 geht die Agrana weiterhin von einem deutlichen Rückgang beim Konzernumsatz (Vorjahr: 2.841,7 Mio. Euro) aus, weil das Preisniveau im Durchschnitt deutlich gesunken sei. Beim Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT, im Vorjahr: 167,0 Mio. Euro) erwartet man wegen des Preisverfalls vor allem bei Zucker und Ethanol eine deutliche Abschwächung.

Das Investitionsvolumen des Konzerns soll im laufenden Geschäftsjahr insgesamt rund 95 Mio. Euro betragen und damit deutlich unter dem Vorjahr liegen. Das Finanzergebnis belief sich in den ersten drei Quartalen auf -11,6 Mio. Euro (Vorjahr: -21,7 Mio. Euro). Die Verbesserung wird vor allem auf ein positives Währungsergebnis zurückgeführt. Der Steueraufwand von 30,8 Mio. Euro entspricht einer Steuerquote von 27,3 Prozent (Vorjahr: 21,6 Prozent). Das den Aktionären der Agrana zurechenbare Ergebnis je Aktie lag bei 5,45 (Vorjahr: 6,80) Euro.

Die Nettofinanzschulden zum 30. November 2014 lagen mit 284,6 Mio. Euro um 102,2 Mio. Euro unter dem Wert des Bilanzstichtages zum Jahresende 2013/14. Bei einer gegenüber dem 28. Februar 2014 leicht gesunkenen Bilanzsumme in Höhe von 2,54 Mrd. Euro ging die Eigenkapitalquote von 49,9 Prozent auf 47,6 Prozent zurück. Das Gearing zum Quartalsstichtag war mit 23,5 Prozent daher wesentlich niedriger als zum 28. Februar 2014 (32,4 Prozent).

"Plattfuß ist beim Zucker"

"In Summe ist der Plattfuß beim Zucker" - so fasst Agrana-Generaldirektor Johann Marihart die Gründe für den Umsatz-und Ergebnisrückgang in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres 2014/15 zusammen.

Für den starken Preisverfall bei Zucker sieht Marihart vor allem drei Gründe. "Das eine ist, dass die Zuckermarktordnung mit 30. September 2017 ausläuft." Die Quoten würden auslaufen und die einzelnen Wettbewerber versuchen, ihre Potenziale zu heben, indem sie die Kampagnen entsprechend lange fahren und viel Zucker produzieren, "das führt natürlich dazu, dass Marktdruck entsteht". Die Zuckermarktordnung der EU sieht für Österreich vor, dass die hiesigen Produzenten pro Jahr maximal 355.000 Tonnen Zucker in der EU vermarkten dürfen. "Alles, was darüber hinausgeht, müssen wir exportieren oder es muss für chemisch-technische Zwecke verwendet werden."

Rekordernte in Europa

Der zweite Grund sei, dass es in Europa heuer eine Rekordernte gebe, die Exporte aber durch die WTO limitiert seien - die EU dürfe maximal 1,3 Mio. Tonnen Zucker exportieren. Insgesamt seien die Weltmarktpreise für Zucker auf einem sehr niedrigen Niveau, nämlich um die 15 bis 16 Dollar-Cent (12,71 bis 13,56 Euro-Cent) pro Pfund. "Das war vor eineinhalb Jahren mehr als das Doppelte, nämlich 33 bis 35 Dollar-Cent."

Die Strategie, auf drei starke Standbeine zu setzen, habe sich als richtig erwiesen, betonte Marihart. Im Stärkesegment habe man in drei Quartalen eine Verbesserung beim EBIT erzielt. "Im Fruchtsegment liegen wir umsatzmäßig um 10 Prozent unter dem Vorjahr." Hier sei aber der Umsatz im Fruchtzubereitungsbereich stabil, während sich der Preis für Apfelsaftkonzentrat fast halbiert habe.

Auch das Ergebnis im Fruchtsegment sei unter jenem des Vorjahres, aber nicht wesentlich. In diesem Bereich habe es die Schließung des Betriebes für Fruchtzubereitung in Kröllendorf (NÖ) mit entsprechenden Rückstellungen zu verkraften gegeben. Diese sei nach Gleisdorf verlagert worden. Die Konzentratproduktion in Kröllendorf sei davon nicht betroffen. Anlaufverluste habe es auch durch das Werk in Lysander im US-Bundesstaat New York, das man neu auf die grüne Wiese gebaut habe.

"Können über Russland und Ukraine nicht klagen"

Die Ukraine-Krise habe die Agrana nicht sehr stark zu spüren bekommen, sagte Marihart. In der Westukraine habe man einen Standort für Fruchtzubereitung und die Herstellung von Fruchtkonzentrat und südlich von Moskau eine Fabrik für Fruchtzubereitung. "Diese beiden stehen für weniger als fünf Prozent unseres Umsatzes. Um es ganz offen zu sagen: Wir können im Moment nicht wirklich klagen über die beiden Töchter."

Zwar seien die ukrainische und die russische Währung verfallen, aber auf der anderen Seite auch die Kosten für die Rohstoffe deutlich gesunken, während man viele Kontrakte mit Kunden in Hartwährungen geschlossen habe. Allerdings sei die Kaufkraft in diesen Märkten gesunken und die Absätze um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen. Die Sanktionen spüre man u.a. in der Form, dass man Apfelsaftkonzentrat aus der Ukraine nicht mehr nach Russland exportieren könne. "Dafür ist ukrainisches Apfelsaftkonzentrat durch den Währungsverfall und die niedrigen Rohstoffkosten so billig, dass wir es problemlos Richtung Westen bis in die USA exportieren können." Den russischen Markt bediene man aus anderen Quellen, "zum Beispiel aus unserem chinesischen Werk".

Preisargument gilt bei Benzin derzeit nicht

Im vergangenen Oktober hatte Marihart angekündigt, sich bei der Regierung für eine verstärkte Nutzung von Bioethanol als Benzinbeimischung einzusetzen. Er hatte damals argumentiert, dass Benzin teurer als Ethanol sei. "Das Preisargument gilt im Moment nicht", räumte Marihart heute gegenüber der APA ein. "Die Dinge haben sich grundsätzlich gedreht, aber für wie lange, das ist die große Frage." Man müsse die Preise immer im längerfristigen Durchschnitt betrachten.

Was das seit 2010 beim Kartellgericht anhängige Bußgeldverfahren angeht, rechnet Marihart damit, dass es heuer zu einem Urteil kommen wird, "aber die Frage ist, zu welchem". Es gebe einen Strafvorschlag für die Agrana und ihre Konzernmutter Südzucker über 15 Mio. Euro, etwa 7 Mio. Euro davon würden die Agrana betreffen. "Wir haben dafür keine Rückstellung getroffen, weil wir der Meinung sind, dass wir keinen Kartellverstoß begangen haben."

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