Anleihenkauf der EZB treibt Anleger in riskante Aktien

Anleihenkauf der EZB treibt Anleger in riskante Aktien

Angesichts der EZB-Geldschwemme scheinen Aktien geradezu alternativlos; denn Staatspapiere werfen kaum noch Rendite ab, und so manche Bilanz wird trotz des schwachen Umfelds heuer gut aussehen - wegen des schwachen Euros und des billigen Öls. Doch auch Unternehmensanleihen könnten vom EZB-Geldregen profitieren.

Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik drängt die Europäische Zentralbank Anleger zunehmend ins Risiko. Sichere Anlagen wie Sparbücher und Staatsanleihen bringen kaum noch Rendite. Was nun zählt, sind laut Experten Unternehmensbonds aus dem Hochzinsbereich (High Yield) und vor allem Aktien. Die Aussicht auf eine neue Flut billigen EZB-Geldes treibt die Börsen seit Wochen an, der Frankfurter Leitindex Dax (ISIN: DE0008469008) markiert den sechsten Tag in Folge ein Rekordhoch und notiert am Freitag bei rund 10.700 Punkten. Dennoch ist es nach Ansicht der meisten Strategen für einen Einstieg in den Aktienmarkt nicht zu spät. "Der niedrige Ölpreis und der schwache Euro dürften in der Summe dazu beitragen, dass besonders die europäischen Unternehmen trotz einer schwachen konjunkturellen Entwicklung positiv mit ihren Gewinnen überraschen können", sagt Anlagestratege Matthias Thiel von MM Warburg.

Die historische Lockerung der Geldpolitik im Euroraum stellt die Anleger vor neue Herausforderungen. Insgesamt will die Notenbank in den nächsten Monaten Anleihen im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Das dürfte vor allem die Renditen vieler Staatsbonds ins Bodenlose drücken. Zehnjährige deutsche, italienische und spanische Bonds werfen schon jetzt so wenig ab wie nie zuvor. Auf der Suche nach Alternativen dürften für Investoren zunehmend Aktien mit einer hohen Dividendenrendite, vor allem solide Industriewerte, wieder in den Vordergrund rücken, prognostiziert NordLB-Analyst Tobias Basse.

AUTOBAUER PROFITIEREN VOM SCHWACHEN EURO

Chefstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co empfiehlt Papiere der stark exportorientierten Autobauer, weil sie von der Entwicklung am Devisen- und Ölmarkt profitierten. Der Euro, der unter der ultralockeren Geldpolitik der EZB leidet, fiel am Freitag mit 1,1113 Dollar auf den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren. Der Ölpreis brach seit Juni vergangenen Jahres um rund die Hälfte ein und notiert inzwischen unter 50 Dollar je Fass.

Lohnen könnte sich laut Experten auch ein Blick auf Unternehmensbonds aus dem High-Yield-Bereich. LBBW-Analyst Thomas Klee rechnet mit einem deutlichen Nachfrageschub für diese Anleihen, die aufgrund ihres höheren Risikos eines Zahlungsausfalls auch eine höhere Verzinsung aufweisen. "Die Rendite liegt hier im Schnitt bei knapp über vier Prozent und das ist einiges mehr, als die meisten Staatsanleihen oder auch Unternehmensanleihen mit Top-Bonitätsnote (Investment Grade) noch bieten", sagte Klee.

STEIGT DIE INFLATION, IST AUCH GOLD WIEDER EINEN BLICK WERT

Eine andere Assetklasse favorisiert Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank: "Mittel- bis langfristig sind auch Edelmetalle interessant, wenn die Inflation anzieht." Gold wird von Investoren gern als Absicherung gegen eine drohende Geldentwertung angesteuert. Da die lockere Geldpolitik zudem die Konjunktur ankurbele, könnte dem Experten zufolge auch mit wieder steigenden Preisen für Rohöl und Kupfer gerechnet werden.

Zunehmend gefragt sein dürften laut Rahn auch US-Staatsanleihen, weil Anleger auf diesem Weg von der Aufwertung des Dollar profitieren. Der Greenback steigt derzeit nicht nur, weil der Euro schwächelt. Anleger setzen auch auf eine Anhebung der Zinsen in den USA, die den Dollar für Investitionen wieder attraktiver macht. Die US-Notenbank Fed hält den Leitzins seit Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. An den Märkten wird bislang frühestens Mitte 2015 mit einer Erhöhung gerechnet.

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