Amazon begeistert Börse - trotz Jahresverlust

Amazon begeistert Börse - trotz Jahresverlust

Für Anleger stimmt das Paket Amazon noch immer.

Der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon hat im 2014 einen satten Verlust geschrieben. Hoffnungschimmer ist einzig das abgelaufene Quartal, das mit dem Weihnachtsgeschäft gerettet wurde. Aber hier hat Amazon weniger verdient als erwartet wurde. Und dennoch begeistert der US-Konzern die Spekulanten. Die Aktie hebt ab.

New York. Online-Händler Amazon hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 wieder einmal einen Verlust eingefahren, trotz eines massiven Umsatzzuwachses. Und dennoch sind die Anleger aus dem Häuschen. Zu den Fakten: Der Online-Händler hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz um 20 Prozent auf 88,99 Milliarden Dollar (78.5 Milliarden Euro) erhöht. Unterm Strich bilanziert der US-Konzern aber mit einem Verlust von 241 Millionen Dollar - nach einem Gewinn von 274 Millionen Dollar im Jahr 2013.

Selbst das starke Weihnachtsgeschäft konnte dem US-Konzern die Jahresbilanz 2014 nicht retten. Der Umsatz wurde im 4. Quartal um 15 Prozent auf 29,33 Milliarden Dollar erhöht. Amazon hat aber auch hier die Marktprognosen verfehlt, die von Erlösen von rund 30 Milliarden Dollar ausgegangen waren. Immerhin konnte der Online-Händler noch einen Gewinn in Höhe von 214 Millionen Dollar verbuchen. Aber auch hier liegt Amazon nicht wirklich auf Plan: Der Gewinn ist somit gegenüber dem Vorjahresquartal um satte zehn Prozent geringer ausgefallen.

Unbeeindruckte Anleger

Und dennoch: Die Anleger scheinen die Zahlen, die schlechter ausgefallen sind als vor Bekanntgabe der Ergebnisse erwartet wurde, kaum zu irritieren. Während Amazon-Konkurrent Alibaba am Vortag noch aufgrund eines nicht erwarteten Gewinnrückgangs erbarmunglos von der Börse abgestraft wurde und die Aktie auf Talfahrt geschickt wurde, erfreut sich Amazon und seine Freunde an Kurszuwächsen. Nachbörslich sind die Amazon-Papiere um satte acht Prozent gestiegen.

Vorschusslorbeeren

Die 1995 als Buchhändler gestartete Internet-Company genießt trotz einiger Flops offenbar uneingeschränktes Vertrauen in der Finanzwelt. Amazon investiert viel in den Ausbau des Geschäfts, experimentiert viel, was auf die Gewinne drückt. Im 3. Quartal 2014 hatte Amazon eine Abschreibung auf das gefloppte erste eigene Smartphone Fire Phone die Bilanz verhagelt. Ein Verlust von 437 Millionen Dollar war die Folge.

Projekte wie die Amazon-Drohne, die Millionen verschlingt und irgendwann einmal zum Transport von Packerln verwendet werden soll, können dennoch die Lust der Anleger nicht bremsen. Neben dem Online-Handel zählt auch die Online-Softwareservices, die anderen Firmen zur Verfügung gestellt werden, Werbeanzeigen ("Sponsored Links"), einen Video-/TV-Internetdienst (Amazon Instant Video & Fire TV) sowie das Buchlesegerät Kindle zu den Cashcows des Unternehmens. Das Smartphone Fire war bisher ein einziges Desaster. Mit der erst kürzlich übernommenen Video-Channel Twitch will Amazon im Internet-Gaming-Geschäft neue Erlösquellen erschließen. Der Amazon Apps-Shop ist noch immer ein Nebenschauplatz und ist Googles Play Store oder Apples AppStore noch immer unterlegen.

Bei den Cloud-Services - Amazon zählt sich zu den weltgrößten Anbietern - werden in den komenden Monaten und Jahren weitere hohe Investitionen in neue Rechenzentren notwendig, um das Wachstum und höchste Qualitätsansprüche zu garantieren. 1,3 Milliarden Dollar hat Amazon erst kürzlich in den hauseigenen Video-Streamingdienst. Was die Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche und somit Transparenz anbetrifft, hält sich Amazon bedeckt.

Schlechte Prognose

Die Prognose für das laufende Quartal fällt alles andere als positiv aus. Amazon rechnet mit einem operativen Ergebnis zwischen einem Verlust von 450 Millionen Dollar und einem Gewinn von 50 Millionen Dollar.

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