Bene-Aktionäre stimmen Squeeze-out zu - Bilanz ist tiefrot

Auf der Hauptversammlung am Donnerstag haben die Aktionäre von Bene entschieden, dem Squeeze Out-Angebot der neuen Mehrheitseigentümer, Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und Sanierer Erhard Grossnigg, zuzustimmen. Im ersten Halbjahr summierte sich der Verlust auf 3,5 Millionen Euro.

Bene-Aktionäre stimmen Squeeze-out zu - Bilanz ist tiefrot

Should I stay or should I go? Das ist die Entscheidung, vor der die Aktionäre des Büromöbel-Herstellers Bene am Donnerstag auf der Hauptversammlung standen. Denn ihnen wurde im Rahmen eines so genannten "Squeeze Out" angeboten, dass ihre Aktien von den Mehrheitseigentümern zu einem Preis von 1,03 Euro je Aktie übernommen werden. Das Angebot wurde angenommen. Der Streubesitz soll wie angekündigt mit 1,03 Euro je Aktie abgefunden werden, sagte eine Unternehmenssprecherin zur APA. Alle Tagesordnungspunkte seien mit Stimmenmehrheit angenommen worden. Widerrufe habe es einzig zum Punkt Squeeze-out gegeben, "aber auch dieser Punkt wurde angenommen", so die Sprecherin.

Kleinanlegerschützer Wilhelm Rasinger hatte dieses Angebot Mitte August stark kritisiert: Wenn man den Kapitalschnitt bei Bene sowie den Wertverlust einrechne, "mussten die Aktionäre einen Verlust von 98,5 Prozent hinnehmen", so Rasinger.

Die Bene-Familie selbst ist an dem traditionsreichen Unternehmen nicht mehr beteiligt. Die neuen, Mehrheitseigentümer sind nun Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) sowie der Sanierer Erhard Grossnigg. Deren Beteiligungsgesellschaft BGO hält 90,24 Prozent der Bene-Aktien, der Rest ist in Streubesitz.

Tiefrote Zahlen

Die Bilanz des niederösterreichischen Unternehmens ist nach wie vor tiefrot, wie Bene vor der Hauptversammlung in einer Ad Hoc-Information mitteilte: Im ersten Halbjahr (Jänner bis Juni) wurde ein Verlust vor Steuern von 3,5 Millionen Euro ausgewiesen, nach 7,2 Millionen Euro in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Der Umsatz konnte auf 76,6 Millionen Euro gesteigert werden, dies begründet Bene mit Erlösen aus einem Großprojekt - um diese Einnahmen bereinigt verringerten sich die Erlöse aus dem Kerngeschäft um 13 Prozent auf 9,8 Millionen Euro.

Bene begründet die Umsatzrückgänge mit dem starken Preisdruck, unter anderem in den Kernmärkten Deutschland und Österreich. In Russland und Osteuropa blieb der Umsatz aufgrund der Ukraine-Krise und dem schwachen Rubel deutlich unter dem Vorjahreswert. Zudem habe eine sinkende Investitionsneigung infolge des Ölpreisverfalls die Umsatzentwicklung im Mittleren Osten und in Afrika gebremst. Steigern konnte Bene den Umsatz nur in Großbritannien und in einigen westeuropäischen Staaten.

Für das gesamte Geschäftsjahr strebt das Unternehmen ein positives operatives Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) an - im Halbjahr fiel es mit einem Minus von -0,2 Millionen Euro noch negativ aus. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen mit einem deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (158,9 Millionen Euro). Nachhaltig sei ein Jahresumsatz von 140 Millionen Euro geplant, hieß es vom Unternehmen. Der Mitarbeiterabbau geht weiter: Ende Juli beschäftigte das Unternehmen 920 Mitarbeiter, Ende Jänner waren es noch 1.048.

Rasinger erwartet "langwieriges Verfahren"

Für Rasinger kommt das Squeeze-out zum "ungünstigsten Zeitpunkt", wie er im Augzst sagte. "Grossnig und Bartenstein haben nichts hergeschenkt. Sie haben die gesetzlichen Bestimmungen einseitig in ihrem Interesse ausgenützt." Der Kleinaktionärsvertreter verkündete, er rechne jedenfalls mit "langwierigen Verfahren" wie etwa bei der Bank Austria, der AUA oder der Constantia Privatbank. "Da sind wir teilweise im sechsten bis achten Jahr", so Rasinger. Er geht davon aus, dass mindestens ein Dutzend Bene-Aktionäre eine gerichtliche Überprüfung zur Höhe der Barabfindung in die Wege leiten wird. Nach der HV haben sie einen Monat Zeit, um einen entsprechenden Antrag einzubringen.

Rasinger kritisierte auch das Bewertungsgutachten des Unternehmens. "Laut Gutachten ist Bene jetzt 16 Millionen Euro wert, obwohl erste Sanierungserfolge sichtbar werden." Dabei hätten Bartenstein und Grossnig 18 Millionen Euro gezahlt - für 90 Prozent des Unternehmens. Die sogenannte Fairness Opinion von BDO war aus der Sicht Rasingers überhaupt "vollkommen entbehrlich". Das BDO-Papier bestätige nur das, was das Unternehmen ausgerechnet habe.

Die Bene-Aktie notierte am Morgen noch bei 1,28 Euro - seit Jahresbeginn hat sie somit 74,28 Prozent an Wert verloren. Am Donnerstagnachmittag notierte die Bene-Aktie bei 1,35 Euro.