Alibaba: Ein neuer Internet-Gigant erwacht

Alibaba: Ein neuer Internet-Gigant erwacht

Die Alibaba-Zentrale in Hangzhou

Der chinesische Online-Konzern wird am Freitag über die Börse rund 25 Milliarden Dollar einsammeln. Nach dem Börsegang geht es los mit dem Geldausgeben. Alibaba wird bereits als neuer ernstzunehmender Konkurrent von Amazon gesehen. Viele Fragezeichen gibt es noch, inwieweit die Mitsprache nach dem Börsengang neu geregelt wird. Lars Riegel von Arthur D. Little Austria erklärt, was den chinesischen E-Commerce-Giganten von der Konkurrenz unterscheidet..

Wien. Was macht der chinesische Internetkonzern mit dem vielen Geld, das mit einem Schwung in die Kassen gespült wird? Diese Fragen stellen sich bereits viele Experten. Das 1999 vom ehemaligen Englischlehrer Jack Ma gegründete Internetunternehmen wird bereits mit dem Online-Händler Amazon verglichen und als ernstzunehmender Rivale gehandelt. „Der Vergleich hinkt ein wenig, die Geschäftsmodelle haben beträchtliche Unterschiede,“ erklärt Lars Riegel, Telekom- und Internetexperte von Arthur D. Little Austria im Gespräch mit FORMAT.at. „Alibaba ist eine reine Handelsplattform und wird dies auch bleiben. Das heißt: Alibaba bringt Käufer und Verkäufer zusammen. Die Zahlung erfolgt über Alibaba-Zahlungsdienst. Die Lieferung wird Online entsprechend vereinbart.“ Im Gegensatz zu Amazon, das auch selbst Waren verkauft – wie etwa Bücher oder Elektronik – ist Alibaba eine reine Vermittlungsplattform. Alibaba hat somit keine Lager und keinen Einkauf. "Und Alibaba ist bereits hochprofitabel", betont Riegel

Beim Umsatz ist der chinesische Händler noch weit hinter Amazon (ISIN US0231351067). So erzielt Alibaba (ISIN US01609W1027) im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Erlös von 7,5 Milliarden Dollar – Amazon kommt auf 74 Milliarden Dollar. „Im Gegensatz zu Amazon bringt es Alibaba bereits auf eine beachtliche Marge von 44 Prozent, Amazon ist weit unter einem Prozent“, so Riegel. Darüberhinaus bringt es Chinas Nummer 1 im E-Commerce auf ein Transaktionsvolumen von 250 Milliarden Dollar – pro Deal werden durchschnittlich 175 Dollar umgesetzt. Auf 190 Milliarden Dollar oder 220 Dollar pro Transaktion bringt es Amazon mit seinen Händlern, die die Platform von Amazon nutzen.

Die Wachstumssäulen

Die Zukunftsaussichten von Alibaba alleine am chinesischen Markt seien "noch immer immens". In China gibt es derzeit geschätzte 570 Millionen Internetnutzer, das entspricht 40 Prozent der Bevölkerung. "Alleine voriges Jahr wurde ein Wachstum von 60 Prozent beim Internethandel erzielt", so Riegel. "Auch wenn die Wachstumsraten ab dem Jahr 2017 etwas flacher werden, die Chancen bleiben unverändert günstig." In den USA gibt es derzeit rund 220 Millionen Internetnutzer. Laut Riegel betrug im Vorjahr das Wachstum in den USA 20 Prozent.

Und wer in China im E-Commerce Geschäfte machen will, kommt an Alibaba nicht vorbei, das ist unmöglich", so Riegel. Alibaba hat so gut wie ein Alleinstellungsmerkmal in China in gilt als der Internetpionier im Reich der Mitte. "Alibaba investiert auch in den Einzelhandel, ist also nicht nur Online aktiv", so Riegel. Über Kooperationen mit Einzelhändlern schlägt Alibaba auch die Brücke zu Geschäften, in den Kunden ihre Produkte abholen können. Angenehmer Nebeneffekt: Der Kunde bestellt Online, holt die Waren in einem Geschäft ab und kauft noch zusätzlich im stationären Handel weitere Produkte ein. "Die Mischform hat sich in China bereits etabliert", so Riegel, "Alibaba lässt sich das auch etwas kosten und investiert in diese Kooperationen."

Neben dem Geschäft als Online-Vermittler will Alibaba auch IT-Dienste wie Cloud Services anbieten. Hier würde Alibaba wiederum direkt in Konkurrenz unter anderem Amazon, Google oder andere IT-Dienstleister treten. Derartige "On-Demand-Services" - quasi Datenservices auf Abruf und Verbrauch - werden laut ADL-Telekom- und Internetexperte Riegel in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum prognostiziert.

Die Expansion

Recht kryptisch gibt sich Alibaba-Gründer und Hauptaktionär Jack Ma, wenn es um die Expansion geht. Zumindest einen Teil des Erlöses aus dem Börsengang soll in die weltweite Expansion investiert werden. Bis der chinesische Online-Konzern in Europa richtig zu spüren sein wird, könnte es noch etwas dauern. "Es wird schwierig sein, die großen Player wie Amazon oder auch Ebay zu verdrängen", sagt Riegel. "Alibaba ist fleißig am Einkaufen von Unternehmen, mit denen es lokale Kompetenzen erwerben kann", so Riegel.

Im Zuge der Expansion wollen die Chinesen auch in neue Geschäftsfelder stoßen - darunter Hotelwesen und Tourismus sowie Unterhaltung. Mit dem Kartendienst Navigo hat Alibaba bereits eine Übernahme vollzogen, der als Gegenstück zu Google Maps eingesetzt werden soll. In den USA wurde die Online-Platform Shoprunner übernommen.

Auf der Einkaufsliste stehen laut Riegel auch "zukunftsweisende Startups", mit denen Alibaba außerhalb von China wachsen will: "Alibaba will seinen Fußabdruck in die Märkte setzen und schnell Mehrwerte erzielen, auch wenn das nicht von heute auf morgen passieren wird." Gegenwind sei dabei auch von etablierten, zum Teil spezialisierten Online-Händlern zu erwarten, gegen die sich Alibaba positionieren müsse.

Die Macht

Mit großer Spannung wird der Börsengang am Freitag auch hinsichtlich der Machtaufteilung beobachtet. "Ich gehe davon aus, dass Jack Ma trotzdem noch die Mehrheitsrechte behalten wird", so Riegel. Der Alibaba-Gründer und ehemalige Englischlehrer Jack Ma wird sich von 8,8 auf 7,8 Prozent reduzieren. Mit den Stimmrechten wird er sich wohl die Mehrheit weiterhin absichern und somit den Kurs des Unternehmens bestimmen. Haupteigentümer ist die japanische Investmentgesellschaft Softbank. Sie wird beim Börsegang ihre Beteiligung von 34,1 auf 32,4 Prozent abbauen. Der zweitgrößte Investor ist der US-Internet-Pionier Yahoo, das seinen Anteil von 22,4 auf 16,3 Prozent vermindert.

Riegel: "Es wird spannend, was die Investoren zur neuen Machtkonstellation sagen, wenn der Gründer weiterhin das Sagen hat."

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