Geld verdienen mit Freunden: Die Aktien der Social Media-Unternehmen

Geld verdienen mit Freunden: Die Aktien der Social Media-Unternehmen
Geld verdienen mit Freunden: Die Aktien der Social Media-Unternehmen

Facebook ist an der Börse mehr wert als Amazon, Twitter mehr als die Lufthansa. Die Kursgewinne der vergangenen Monate sind traumhaft, allein Xing legte seit Jahresbeginn um knapp 70 Prozent zu. Zahlt es sich noch aus, jetzt in die großen Social-Media-Player zu investieren?

Statistisch gesehen hat jeder fünfte Erdenbürger ein aktives Facebook-Konto. Am 22.4. gab das weltweit größte Social Network seine Zahlen für das vergangene Quartal bekannt und ließ dabei unter anderem verlauten, dass sich 1,44 Milliarden Menschen mindestens einmal pro Monat auf der Website oder über die App einloggen – das sind 13 Prozent mehr als im Vorjahr, allein in den vergangenen drei Monaten kamen 50 Millionen Nutzer hinzu.

Die Erlöse von Facebook (ISIN: US30303M1027) legten im gleichen Zeitraum um 42 Prozent auf 3,54 Milliarden Dollar zu, ohne die Währungseffekte des starken Dollars hätte das Plus gar 49 Prozent betragen; der Löwenanteil davon (3,32 Milliarden Dollar) kommt durch Werbung zustande. Zugleich sank aber auch der Gewinn des Unternehmens um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, auf 933 Millionen Dollar. Der Grund dafür sind die erhöhten Ausgaben: Die operativen Ausgaben stiegen um 83 Prozent auf 2,61 Milliarden Dollar, die Kosten für Forschung und Entwicklung schossen von 455 Millionen Dollar auf gut eine Milliarde in die Höhe.

Social Media in Österreich
Angebot Nutzer
Facebook 3.400.000
Twitter 125.873
Instagram 780.000
LinkedIn 657.468
Quelle: socialmediaradar.at

Hintergrund dieses Kostenanstiegs ist, dass der Konzern in sein Wachstum investieren muss: „Wir haben uns von einer kleiner blauen Anwendung zu einer ganzen Familie von Anwendungen entwickelt“, sagt Mark Zuckerberg, CEO von Facebook, in einer Telefonkonferenz. Denn in den vergangenen Jahren wurden die Apps WhatsApp und Instagram ebenso in die Familie aufgenommen wie Oculus VR, der Hersteller der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift.

WhatsApp kommt inzwischen auf 800 Millionen Nutzer weltweit, Instagram auf 300 Millionen – von beiden Produkten sagen Marktbeobachter, dass sie bei jungen Nutzern deutlich beliebter sind als die Website Facebook.com; das Unternehmen ist daher gut beraten, das Wachstum dieser Angebote zu pflegen und somit in die Zukunft zu investieren. Unklar ist Marktbeobachtern noch immer, wie Zuckerbergs Pläne mit der VR-Brille Oculus Rift aussehen – in einer Frage-Antwort-Session auf Facebook ließ er jedoch zuletzt eine Zukunftsvision durchblicken, die stark an das Holodeck aus der TV-Serie „Star Trek“ erinnert.

Wie reagieren Analysten auf die Facebook-Zahlen? Ben Schachter, Branchenanalyst von Macquarie Research, sieht in der Bilanz ein solides Quartal: "Die Trends gehen alle in die richtige Richtung," sagt der Experte. Die Frage sei aber, ob Facebook den Kostenanstieg unter Kontrolle halten könne. Facebook erklärte allerdings, inzwischen werde für 2015 nur noch mit einem Kostenanstieg zwischen 55 und 65 Prozent gerechnet, nach bisher 55 bis 70 Prozent.

Von den bei Bloomberg gelisteten Analysten empfehlen über 85 Prozent die Aktie zum Kauf; derzeit notiert die Aktie bei 84,63 Dollar, den 12-Monats-Zielkurs sehen die Experten im Schnitt bei 95,03 Dollar – ein Ertragspotenzial von 12,3 Prozent. Am 23. April, dem Tag nach der Bekanntgabe den Quartalszahlen, bestätigten etliche Analysten ihre Kaufempfehlungen; Goldman Sachs sieht den Zielkurs gar bei 102 Dollar, Jefferies auf 105 Dollar.

Dabei hat die Aktie bereits einen regelrechten Höhenflug hinter sich: Allein seit Jahresanfang liegt das Plus bei 8,47 Prozent, im Lauf der vergangenen zwölf Monate ging es um 37,92 Prozent bergauf. An der Börse ist Facebook gut 237 Milliarden Dollar wert – zum Vergleich: Der Shopping-Riese Amazon bringt es bloß auf 181 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung.

Sind solche Wachstumsraten ungesund? Mag sein: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist mit 82,17 gefährlich hoch; andererseits sprengen viele IT-Konzerne mit dem KGV die Grenzen des gesunden Menschenverstandes – wenn sie überhaupt einen Gewinn schreiben und nicht über Quartale hinweg rote Zahlen in den Büchern stehen haben.

Twitter – der rote Vogel

A propos rote Zahlen: Twitter (ISIN: US90184L1026), Facebooks größer Konkurrent, schreibt ebensolche. Zahlen für das erste Quartal 2015 legt das Unternehmen erst am 28. April; im vorherigen Quartal wurde jedenfalls ein Verlust von 125,35 Millionen Dollar verbucht, im gesamten Finanzjahr sammelte sich ein Fehlbetrag von 577,8 Millionen Dollar an. Die Nutzerzahl stieg in drei Monaten um nur vier Millionen. Insgesamt hatte der Kurznachrichtendienst zum Jahreswechsel 288 Millionen aktive Nutzer - weniger als WhatsApp, und weniger als Instagram. Innerhalb des vergangenen Jahres kamen insgesamt 47 Millionen hinzu.

Gute Nachrichten gab es bei dem Unternehmen dennoch zu verzeichnen; denn der Umsatz stieg trotz des schwachen Nutzerwachstums von 361 auf 479 Millionen Dollar. Für Marktbeobachter ist dies ein Zeichen dafür, dass der Werbemarkt allmählich in Schwung kommt. Diese positive Entwicklung beflügelte die Aktie: Im nachbörslichen Handel stieg sie am 5. Februar um mehr als elf Prozent.

Unter anderem durch dieses massive Plus an nur einem einzigen Tag kommt Twitter auf einen Kursgewinn von 44,22 Prozent seit Jahresbeginn; aktuell notiert das Papier bei 51,73 Euro, an der Börse kommt der blaue Vogel auf eine Marktkapitalisierung von 33,85 Milliarden US-Dollar – etwa fünf Mal so viel wie Lufthansa mit 5,7 Milliarden Euro.

Trotz der Aussichten auf zukünftige Gewinne über ein wachsendes Werbegeschäft sind Analysten in Bezug auf Twitter skeptischer als bei Facebook: 50 Prozent sprechen ein „Hold“ aus, aber immer 45 Prozent raten zum Kauf der Aktie. Diese Woche gab es eine Kaufempfehlung und drei Hold, die Kursschätzungen der vergangenen vier Tage rangieren von pessimistischen 45 Euro bis zu optimistischen 62 Euro.

LinkedIn – Geld verdienen mit Headhuntern

Auch LinkedIn (ISIN: US53578A1088), das Social Network für Bürohengste, konnte bei der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen am 6. Februar einen Kurssprung von gut zehn Prozent verzeichnen; die nächsten Quartalszahlen stehen am 30. April auf dem Programm.

Die Begeisterung der Aktionäre im Februar dürfte wohl daher gerührt sein, dass das Business-Netzwerk nach drei Verlustquartalen in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist und einen Gewinn von knapp 3,1 Millionen Dollar erwirtschaftete. Der weltweite Umsatz kletterte im Schlussquartal 2014 im Jahresvergleich um 44 Prozent auf 643 Millionen Dollar, die Nutzerzahl stieg in dieser Zeit um ein Viertel auf 347 Millionen - weniger als WhatsApp, aber mehr als Isntagram und Twitter. Durch die angehäuften Verluste aus den vorherigen Quartalen schloss LinkedIn das Gesamtjahr 2014 aber mit einem Minus von 15,3 Millionen Dollar ab.

Im Gegensatz zu Facebook und Twitter ist bei LinkedIn die Werbung nicht der größte Umsatzbringer, sondern Lösungen für die Personalsuche: Headhunter können im Business-Netzwerk nach ausgewählten Kriterien Wunschkandidaten finden und diese kontaktieren; dafür zahlen sie eine Gebühr. Die Erlöse aus diesem Bereich legten binnen eines Jahres um 41 Prozent auf 369 Millionen Dollar zu. Kürzlich gab das Unternehmen außerdem bekannt, die Lern-Plattform lynda.com kaufen zu wollen - in das Gesamtangebot für die Zielgruppe der High Performer würde dies recht gut hineinpassen.

Auch ohne den Kurssprung im Februar verzeichnete die Aktie zuletzt prächtige Kurszuwächse. Seit Jahresbeginn ist die Aktie um 12,9 Prozent gestiegen; im Lauf der vergangenen zwölf Monate gab es ein Plus von 47,6 Prozent. Derzeit notiert die Aktie bei 259,35 Dollar, an der Börse ist das Unternehmen 32,6 Milliarden Dollar wert.

Knapp 70 Prozent der bei Bloomberg gelisteten Analysten sprechen für die Aktie nun eine Kaufempfehlung aus; den 12-Monats-Zielkurs sehen sie bei 286,49 Dollar – was einem Ertragspotential von 10,5 Prozent entspricht.

Xing – das deutsche LinkedIn

Weltweit mag LinkedIn das größte Netzwerk für die Business-Community sein, im deutschsprachigen Raum ist Xing (ISIN: DE000XNG8888) aber der Platzhirsch. Rund acht Millionen Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat das Hamburger Unternehmen, während der US-Konkurrent hier auf sechs Millionen Nutzer kommt. Allerdings gewinnt LinkedIn rasch an Land: Alle sieben Monate kommen rund eine Million Nutzer im deutschsprachigen Raum hinzu; punkten wollen die Amerikaner vor allem bei Studenten und mit der Möglichkeit, auch internationale Kontakte ansprechen zu können – während Xing auf den deutschsprachigen Markt fokussiert ist.

Xings Zahlen sind auch bescheidener als jene der US-Konzerne; dennoch kann sich das Management über schöne Wachstumsraten freuen: Der Umsatz war im vergangenen Jahr um ein Fünftel auf 101,4 Millionen Euro gestiegen, das Ebitda um 28 Prozent auf 29,2 Millionen Euro. Eine Abschreibung von gut 7 Millionen Euro auf das Veranstaltergeschäft, in dem unter anderen Dienstleistungen rund um Branchentreffen gebündelt sind, hatte den Nettogewinn allerdings um ein knappes Drittel auf 6,2 Millionen Euro einbrechen lassen. Für das Veranstaltergeschäft soll es auch heuer noch einen operativen Verlust geben; konzernweit wird aber erneut ein deutliches Plus angepeilt. Im vierten Quartal 2014 war das Unternehmen nach drei Verlustquartalen wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Unter den analysierten Social Networks hat Xing das bisher größte Kursplus im Jahresverlauf zu verzeichnen: Um 68,79 Prozent legte die Aktie seit 1.1. zu; derzeit notiert sie bei 156,65 Euro. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 876 Millionen Euro - im globalen Vergleich ein recht bescheidener Wert. Das KGV nach diesen massiven Kursgewinnen: 141,13.

Das hohe KGV und der starke US-Konkurrent – diese Signale sollten bei Investoren die Alarmglocken läuten lassen. Und dementsprechend haben Ende März drei Analysten die Aktie herabgestuft – einer auf Hold, einer auf Neutral und einer auf Underweight. Die Ergebnisse für das erste Quartal stehen am 6. Mai auf dem Programm – dann wird sich zeigen, ob die Norddeutschen den Amerikanern die Stirn bieten können.

Fazit

Es ist klar, wer der Platzhirsch der Branche ist: Facebook, bei dem selbst die Nebenprodukte größere Nutzerzahlen aufweisen als die Konkurrenz. Beim Kernprodukt wachsen die Nutzerzahlen ebenso wie der Umsatz - allerdings läuft Mark Zuckerberg Gefahr, angesichts des Höhenflugs in Zweige zu investieren, die langfristig scheitern. Die schiere Marktmacht gibt jedoch Anlass dazu, eher in Facebook zu investieren als in die kleineren Konkurrenten.

Andererseits werden böse Erinnerungen an die Jahrtausendwende wach. Manche Branchenvertreter schreiben noch keine Gewinne, bei den anderen sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse absurd hoch. Vor einem möglichen Platzen einer zweiten Dotcom-Blase warnen Marktbeobachter schon lange - und die harten Zahlen geben ihnen dabei Rückenwind. Wer dieses Risiko nicht scheut, der kann investieren. Aber sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt...

Social Media-Aktien im Vergleich
Unternehmen Marktkapitalisierung YTD-Performance Konsensrating
Facebook 237,72 Mrd. USD +8,47 % 4,65
Twitter 33,85 Mrd. USD +44,22 % 3,76
LinkedIn 32,64 Mrd. USD +12,9 % 4,23
Xing 873,5 Mio. EUR +68,3 % 3,36
Konsensrating: 5=starker Buy; 1=starker Sell

Börse

Schwache Dividendenrendite bei Österreichs Börsecompanys

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt