Finanz-Bilanz 2014: ATX verlor 15 Prozent, Euro stürzte ab

Finanz-Bilanz 2014: ATX verlor 15 Prozent, Euro stürzte ab

Austro-Aktionäre schauten heuer ins Leere, Gold-Investoren profitierten immerhin vom schwachen Euro.

Die heurige Wirtschaftsflaute hat auch dem ATX deutlich zugesetzt - vor allem Unternehmen mit starkem Russland-Fokus mussten ordentlich Federn lassen. Der Euro ist so wenig wert wie zuletzt Mitte 2012. Das freut vor allem jene, die in Euro verdienen und das Gehalt in Gold anlegten - denn zwar hat der Goldpreis in Dollar verloren, gemessen am Euro legte er aber 12 Prozent zu.

Die Wiener Börse hat die heurige Wirtschaftsflaute voll zu spüren bekommen. Der Aktienindex ATX gab um 15,2 Prozent nach. Zu Jahresbeginn ging es noch nach oben, dann fast kontinuierlich bergab, die Talsohle wurde im Oktober mit einem Index von 2.032 erreicht. Das Jahreshoch lag im Jänner bei 2.729 Punkten. In den vergangenen Tagen lief es wieder besser, zum Schluss wurden 2.160 Punkte erreicht.

Die Börse führten den ATX-Rückgang auf die Russlandkrise und den Verfall des Ölpreises zurück. Beides hätte die im ATX stark vertretenen Bank- und Öltitel zum Teil massiv unter Druck gesetzt. "Viele Unternehmen haben im abgelaufenen Jahr jedoch eine hervorragende Performance aufs Börseparkett gelegt", so Sprecherin Julia Resch.

Der große Gewinner des Börsenjahres 2014 (heute, Dienstag, wird noch am Parkett gehandelt) ist der Leuchtenhersteller Zumtobel mit einem Plus von 64,8 Prozent. Auf den weiteren Plätzen landeten Faserhersteller Lenzing mit plus 26,7 Prozent und Verfolger BUWOG mit einem Kursanstieg von 24,1 Prozent. Am anderen Ende steht die Raiffeisenbank International RBI, die ein Minus von 51,1 Prozent einfuhr. Der niederösterreichische Energieversorger EVN gab um 38,0 Prozent nach, die Immofinanz verzeichnete ein Minus von 37,9 Prozent.

Die RBI, Porr, FACC, BKS Bank und die mittlerweile teil-mexikanische Telekom Austria haben sich mit frischem Kapital versorgt und ein Volumen von rund 4 Mrd. Euro aufgenommen. Den drei Neunotierungen (FACC, BUWOG und PIAG Immobilien) stehen zwei Abgänge vom Kurszettel im geregelten Markt (A-TEC und Century Casinos) gegenüber. Bei den neuen Unternehmensanleihen wurde laut Börse mit einem Emissionsvolumen von 7,2 Mrd. Euro ein historischer Rekord verzeichnet.

Für die teilstaatlichen Betriebe Telekom Austria, OMV und Post ist die heurige Bilanz gemischt. Die Telekom Austria war mit einer Aktiennotierung weit unter dem Ausgabekurs ins heurige Jahr gestartet - und zum Jahresende auch wieder dort gelandet. Noch schlechter sah es bei der OMV aus, die sich heuer auch mit kräftigen personellen Turbulenzen herumschlagen musste. Zu Jahresbeginn lag die Aktie noch bei 34,63 Euro, ein Jahr später beträgt sie gerade mal 22,22 Euro. Ein Lichtblick war hingegen die Post, sie startete heuer mit 34,40 Euro, zu Jahresende notiert sie bei 40,50 Euro.

Internationale Börsen mit Gewinnen

Die wichtigsten internationalen Börsen werden das turbulente Börsenjahr 2014 hingegen mit Gewinnen beenden. Der Euro-Stoxx-50 der wichtigsten Blue-Chip-Aktien der Eurozone hält am Dienstagabend bei einem Jahresplus von 0,9 Prozent. Der deutsche DAX schloss am letzten Börsentag 2014 mit einem Jahresplus von 2,7 Prozent.

Noch deutlicher nach oben ging es in Japan und den USA. Tokios Nikkei-Index beendete das Börsenjahr mit einem Jahresplus von 7,1 Prozent. Der Dow Jones hält zwei Tage vor Jahreswechsel bisher bei einem Plus von 8,5 Prozent.

In den USA haben zuletzt einige Wirtschaftsdaten und Frühindikatoren positiv überrascht. Das US-Bruttoinlandsprodukt ist von Juli bis September mit einer annualisierten Rate von 5,0 Prozent und damit so schnell wir seit elf Jahren nicht mehr gewachsen. Der US-Aktienindex Dow Jones ist nach den guten Daten erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 18.000 Punkten gestiegen. Die US-Notenbank dürfte damit auch von ihrer ultralockeren Geldpolitik zur Wirtschaftsbelebung bald wieder abrücken und ihre während der Krise auf Rekordtiefs gesenkte Zinsen bald wieder anheben.

Wann kommt die erste US-Zinserhöhung?

Die Analysten von Raiffeisen Research erwarten die erste US-Zinserhöhung schon im zweiten Quartal 2015. Der US-Dollar dürfte damit weiter ansteigen, die Analysten erwarten den Dollar Ende des Jahres bei rund 1,12 Dollar je Euro. Dies könnte in Folge aber einige Emerging Markets belasten, die in Fremdwährungen wie US-Dollar verschuldet sind, erklärt der Raiffeisen-Analyst Valentin Hofstätter. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte hingegen ihre ultralockere Geldpolitik vorerst weiter fortsetzen, glauben Analysten.

Eine Erholung erwartet Hofstätter auch für die Konjunktur der Eurozone, die Prognose für 2015 lautet hier auf ein Wachstum von 1,2 Prozent. Unterstützt werden dürfte die Erholung von der weiter niedrigen Inflation, den zuletzt massiv gefallenen Rohölpreisen und den steigenden Reallöhnen.

Ölpreis: Gut für die Eurozone, schlecht für Russland

"Der Ölpreissturz ist für die Konjunktur der Eurozone uneingeschränkt positiv, weil er die Kaufkraft stärkt. Für uns ist das wie eine massive Steuersenkung", erklärt Hofstätter. Die Ölpreise haben sich im Lauf des zweiten Halbjahres fast halbiert, der Preis für die Referenzsorte Brent rasselte von rund 110 auf unter 60 Dollar je Fass (159 Liter).

Das stark von den Einnahmen seiner Ölproduktion abhängige Russland dürfte hingegen weiter unter dem Ölpreisverfall leiden. In Kombination mit den Sanktionen gegen das Land dürfte Russland damit im kommenden Jahr deutlich in die Rezession schlittern, und die Russland/Ukraine-Krise weiter ein bestimmendes Thema bleiben.

Die Raiffeisen-Analysten prognostizieren für Russlands Wirtschaft 2015 ein Minus von rund vier Prozent. Ein wichtiges Thema dürfte zu Beginn des Jahres neben der Russland/Ukraine-Krise auch Griechenland bleiben, erwartet Hofstätter, wobei aber eine Rückkehr der Euro-Schuldenkrise nicht zu befürchten sei.

Neue Börse-Rekorde im Jahr 2015

Auch für 2015 prognostizieren die Raiffeisen-Analysten weitere Anstiege an den etablierten Aktienmärkten. Ende des Jahres erwarten sie den DAX bei 11.000 Punkten, den Euro-Stoxx-50 bei 3.550 und den US-Index S&P-500 bei 2.200 Zählern.

Vor allem bei Aktien der Eurozone sieht der Raffeisen-Analyst Johannes Mattner trotz des im Vergleich zu den USA geringeren Wirtschaftswachstums stärkeres Kurspotenzial. Durch die anhaltend lockere EZB-Geldpolitik und niedrige Anleihenverzinsungen sollten Aktien aufgrund der fehlenden Anlagealternativen in Mode bleiben, erklärt der Analyst. Zudem haben sich auch die Unternehmensergebnisse in den vergangen beiden Quartalen gut gehalten, und europäische Aktien seien im Vergleich zu US-Werten derzeit attraktiver bewertet.

Euro im Sinkflug

Der Euro notiert indes so niedrig wie seit Mitte 2012 nicht mehr: Der Euro fiel in der Spitze am 30.12. auf 1,2122 Dollar. Die erneute Zuspitzung der politischen Lage in Griechenland belaste die Gemeinschaftswährung, hieß es aus dem Handel. Auch die Aussicht auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik belastet den Euro.

Experten gehen davon aus, dass die Notenbanker im kommenden Jahr zu breit angelegten Staatsanleihekäufen greifen, um das mickrige Wachstum in der Eurozone anzukurbeln.

Sollte die reformkritische Syriza-Partei bei den im Jänner anstehenden Neuwahlen in Griechenland dann stärkste Kraft werden, könnte dies das Ende für den Sparkurs des hoch verschuldeten Euro-Landes bedeuten. Je näher das Datum für die Neuwahlen rücke, desto sensibler dürfte der Euro auf Nachrichten zum Wahlverhalten der Griechen reagieren, hieß es in einem Kommentar der UBS.

Der konservative Ministerpräsident Antonis Samaras hat die Neuwahlen für den 25 Jänner angesetzt, nachdem sein Kandidat für das Präsidentenamt am Montag auch im dritten Wahlgang durchgefallen war.

Gold legt in Euro 12 Prozent zu

Der schwache Euro hat freilich nicht nur Verlierer: Wer sein Geld in Euro verdient und in Gold investiert hat, darf sich heute zufrieden die Hände reiben: Im Londoner Goldhandel wurde heute, 30.12., gegen 11.00 Uhr die Feinunze (31,10 Gramm) bei 1.187,89 Dollar (973,92 Euro) gehandelt - damit liegt der Goldpreis heute zwar in Dollar gerechnet geringfügig unter dem Wert zu Jahresbeginn, in Euro ist er aber um 12 Prozent gestiegen.

In den vergangenen fünf Jahren, seit Anfang 2010, stieg der Wert von Gold sogar um satte 28 Prozent gegenüber dem Euro. Diese Preisentwicklung sagt zwar mehr über die Wertentwicklung des Euro aus als über jene von Gold, doch Anleger aus dem Euro-Raum dürfen trotzdem zufrieden sein.

Inder kaufen mehr Gold, Chinesen weniger

Nach Daten des World Gold Council, des Sprachrohrs der Goldindustrie, war die Nachfrage nach Gold in den ersten drei Quartalen dieses Jahres mit 3.140 Tonnen um 5,6 Prozent geringer als im gleichen Zeitraum 2013 und somit auf dem tiefsten Stand seit fünf Jahren. Zur schwachen Nachfrage hat vor allem ein starker Rückgang in China beigetragen, ein Teil davon wurde durch eine höhere Nachfrage in Indien aufgefangen. China und Indien machen zusammen mehr als die Hälfte der Verbraucher-Nachfrage nach Gold aus, also nach Schmuck, Goldbarren und Goldmünzen. Die USA stellen rund 5 Prozent der Verbraucher-Nachfrage, Europa knapp unter 8 Prozent.

Weltweit wurden im Zeitraum Juli bis September 534 Tonnen Gold zu Schmuck verarbeitet, davon fast 183 Tonnen in Indien und 157 Tonnen in China. 185,7 t Gold wurden weltweit in Form von Barren verkauft, 35,4 Tonnen zu Goldmünzen und 24,5 Tonnen zu Medaillen, Gedenkmünzen und dergleichen. Vergleichsweise gering war mit knapp 98 Tonnen die Goldnachfrage der Industrie, wovon 8,5 Tonnen zu Zahngold verarbeitet wurden.

Notenbanken kaufen Gold

Den Goldpreis gestützt hat in den vergangenen Jahren das Verhalten der Zentralbanken: Während die europäischen Notenbanken ihre Goldverkäufe verlangsamt haben, gab es massive Zukäufe der Zentralbanken in Emerging Markets in Lateinamerika, dem Nahen Osten und in Asien. Seit 2010 seien die Notenbanken insgesamt Nettokäufer von Gold gewesen, heißt es in einer Analyse des World Gold Council.

Auf der ganzen Welt gibt es derzeit - an der Erdoberfläche - 177.200 Tonnen Gold. Würde man all dieses Gold zu einem Würfel gießen, hätte er eine Kantenlänge von nur 21 Metern. Größter Goldproduzent ist heute China mit etwa 14 Prozent der Weltproduktion. Ostasien insgesamt produziert gut ein Fünftel des weltweit neu geförderten Goldes, Lateinamerika kommt auf 18 Prozent, Nordamerika auf 15 Prozent. Rund 19 Prozent des neuen Goldes kommen aus Afrika, 5 Prozent aus Zentralasien und Osteuropa.

Die größten offiziellen Goldreserven besitzen heute die USA, denen 8.134 Tonnen Gold gehören. Deutschland besitzt 3.384 Tonnen, der Internationale Währungsfonds (IWF) 2.814 t, Italien 2.452 t, Frankreich 2.435 t, Russland 1.169 t, China 1.054 t, die Schweiz 1.040 t, Japan 765 t und Holland 613 t. Auf den Plätzen 11 bis 13 folgen Indien (558 t), die Türkei (521 t) und die Europäische Zentralbank (503 t). Österreich gehören auf dem Papier 280 Tonnen Gold - physisch lagern aber 83 Prozent davon im Ausland.

Börse

Uniqa sucht nach Lösung von Luxusproblemen

Börse

Schwache Dividendenrendite bei Österreichs Börsecompanys

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt