Schreien vor Glück: Die Aktien der Online-Händler

Schreien vor Glück: Die Aktien der Online-Händler
Schreien vor Glück: Die Aktien der Online-Händler

Shoppen macht Spaß - auch im Internet. Wer sein Geld aber sinnvoll anlegen will, der kauft sich Aktien statt Schnickschnack: Die Papiere von Zalando heben heute ab, und die Aktie eines großen Konkurrenten gibt es derzeit zum Schnäppchenpreis. Format.at analysiert die größten Online-Händler.

Aktionäre des deutschen Online-Händlers Zalando (ISIN: DE000ZAL1111) schreien vor Glück. Im vergangenen Jahr hat der Mode-Händler mit der einprägsamen TV-Werbung erstmals schwarze Zahlen geschrieben, 62 Millionen Euro EBIT nach 114 Millionen Euro Minus 2013 – und nun gab das Unternehmen bekannt, dass auch das Jahr 2015 besser gestartet ist als erwartet: Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag in den ersten drei Monaten 2015 voraussichtlich bei 25 bis 39 Millionen Euro; im ersten Quartal 2014 stand noch ein Minus von 23 Millionen Euro in der Bilanz. Der Umsatz stieg den Angaben zufolge im ersten Vierteljahr 2015 auf 635 bis 648 Millionen Euro, ein Plus von etwa 27 bis 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Meldung über das gut gelaufene Quartal lädt auch Investoren zum Shoppen ein: Am 16.4. stieg die Aktie am frühen Vormittag um gut zehn Prozent auf ihr Allzeithoch von 27,14 Euro. Das Tief erlebte die Aktie im Oktober vergangenen Jahres bei 17,01 Euro, kurz nach dem unter viel Medienrummel veranstalteten IPO. Seit Jahresbeginn ist der Wert der Aktie nun um 6,37 Prozent gestiegen, an der Börse ist das Unternehmen nun 6,6 Milliarden Euro wert – zum Vergleich: Die Telekom Austria bringt es eine Marktkapitalisierung von nur 4,4 Milliarden Euro.

Die Analysten von Main First Bank haben ob der positiven Quartalsmeldungen ihre Bewertung von „Outperform“ bestätigt und den Zielkurs auf 29 Euro gesetzt; insgesamt sprechen 50 Prozent der bei Bloomberg gelisteten Analysten für die Aktie eine Kaufempfehlung aus. Rückenwind bekommt Zalando nicht nur von der Entwicklung der eigenen Performance, sondern vom Wachstum des E-Commerce allgemein: Keine Adventszeit vergeht, ohne dass stationäre Händler darüber klagen, wie ihnen das Internet das Geschäft wegnimmt.

Andererseits ist die Konkurrenz für Zalando groß – durch etablierte Platzhirsche ebenso wie durch Newcomer, die mit innovativen Konzepten punkten können. In den Startlöchern für ein IPO steht etwa windeln.de – ein Online-Händler, der sich auf den Verkauf von Babyartikeln spezialisiert hat. Preisvergleiche wie geizhals.at und idealo.de oder Schnäppchen-Websites wie dealdoktor.de oder preisjaeger.at schaffen zudem eine Transparenz, die zum Preiskampf unter den Anbietern verleitet: Auch vergleichsweise kleine Shops können mit den Großen konkurrieren, solange sie das bessere Angebot haben. Die Großen wiederum punkten gegenüber den Kleinen durch Skaleneffekte – hier ist Zalando besser aufgestellt als der kleine Shop ums Eck, hat aber noch viel Abstand zum Allround-Anbieter aus den USA: Amazon.

Amazon – der Platzhirsch

Amazon (ISIN: US0231351067) weist mit seinen über 154.000 Mitarbeitern eine Marktkapitalisierung von 178 Milliarden Dollar auf – also etwa das 25fache von Zalando. Die Aktie des Unternehmens aus Seattle ist seit Jahresbeginn um 23,5 Prozent auf derzeit 383,45 US-Dollar gestiegen. Einen großen Sprung machte die Aktie mit der Bekanntgabe der Jahreszahlen 2014, auch wenn diese alles andere als berauschend sind: Im gesamten Jahr machte das Unternehmen einen Verlust von 241 Millionen Dollar, das Jahr 2013 war noch mit einem Gewinn von 274 Millionen Dollar geendet. Auch im wichtigen Weihnachtsquartal hatte Amazon verloren: Der Quartalsgewinn sank im Jahresvergleich um gut zehn Prozent auf 214 Millionen Dollar.

Für gute Stimmung hatte unter den Investoren bei der Bekanntgabe wohl gesorgt, dass Analysten von noch schlechteren Zahlen ausgegangen waren. Außerdem ist bekannt, dass Amazon seinen Umsatz – der immerhin um 15 Prozent gestiegen ist – in neue Geschäftsfelder re-investiert, was zu Lasten der Gewinne geht: Im dritten Quartal 2014 hatte das eigene Smartphone Fire Phone dem Konzern die Bilanz verhagelt; in den Statistiken der meistverkauften Handys scheint das Gerät nicht einmal auf.

Positiv gestimmt sind die Marktbeobachter dennoch. Von den bei Bloomberg gelisteten Analysten sprechen 57,1 Prozent eine Kaufempfehlung aus; zuletzt bewertetet Credit Suisse die Aktie mit „Outperform“ und setzte den Zielkurs auf 412 Dollar.

Ebay – Marktplatz statt Auktionshaus

Ebay (ISIN: US2786421030), das vielerorts noch immer das Image eines Auktionshauses hat, versucht seit ein paar Jahren, in den Wassern von Amazon zu fischen – indem man sich selbst als "Marktplatz" definiert. An der Börse ist Ebay mit einer Marktkapitalisierung von 69,13 Milliarden Dollar allerdings deutlich weniger wert als der Konkurrent. Die großen Würfe kommen inzwischen auch nicht mehr mit dem Kerngeschäft: Im vierten Quartal 2014 wuchs der Umsatz mit der namensgebenden Website nur noch um einen Prozent – während das Geschäft mit der Bezahldienst-Tochter Paypal um 18 Prozent zulegte. Paypal soll nun abgespalten werden – finanziert wird der Umbau mit der Kündigung von 2400 der mehr als 34.000 Mitarbeiter. Auch die Sparte Enterprise, die auf die die Entwicklung und den Betrieb von Onlineshops für Unternehmenskunden spezialisiert ist, soll verkauft werden – als Ebay dies im Jänner verkündete, legte die Aktie um gut sieben Prozent zu, gab gleich darauf aber wieder um ebensoviel nach. Insgesamt hat sich die Ebay-Aktie seit Jahresbeginn kaum verändert.

Analysten sind in Bezug auf Ebay positiv gestimmt, wenn auch nicht ganz so optimistisch wie bei den Rivalen: 47,9 Prozent sprechen eine Kaufempfehlung aus, 43,8 Prozent raten zum Halten der Aktie. Allein in dieser Woche waren unter zehn Analystenempfehlungen vier Kaufempfehlungen und vier Empfehlungen zum Halten der Aktie.

Alibaba - der Riese aus China

Größer als alle anderen ist aber ein Chinese: Der Online-Händler Alibaba (ISIN: US01609W1027), der an der Börse 208,7 Milliarden Dollar wert ist. Allerdings musste der Riese aus dem Reich der Mitte in den vergangenen Monaten Federn lassen: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 18,54 Prozent an Wert verloren und notiert nun bei 84,67 Dollar. Für den ehemaligen Lehrer und Alibaba-Gründer Jack Ma ist das ein harter Schlag, er hat seit Jahresbeginn 7,3 Milliarden Dollar verloren – trotzdem bleibt er mit einem Reinvermögen von 35,7 Milliarden Dollar der reichste Mann Chinas. Zum Vergleich: Von seinem Vermögen könnte Ma drei Mal die OMV kaufen und hätte noch immer rund fünf Milliarden Dollar auf der hohen Kante.

Der Grund für die schlechte Aktienperformance Alibabas liegt in den enttäuschten Erwartungen der Analytsen. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 40 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar, die Experten hatten mit mehr gerechnet. Auch fiel der Gewinn unerwartet um 28 Prozent auf 964 Millionen Dollar, was Alibaba mit Sonderausgaben erklärte.

Nun scheint der Groll allerdings wieder verflogen zu sein, die bei Bloomberg gelisteten Analytsen sind geradezu euphorisch: 84,1 Prozent empfehlen die Aktie zum Kauf; den 12-Monate-Zielkurs sehen sie bei 107,98 Dollar – was einem Ertragspotenzial von 27,5 Prozent entspricht.

Fazit

Allgemein ist zu erwarten, dass sich der Siegeszug des Internets gegenüber dem stationären Handel fortsetzen wird; Websites von A wie Amazon bis Z wie Zalando punkten durch große Auswahl und einfache Bestellvorgänge gegenüber dem etablierten Handel. Zugleich ergeben sich für die Unternehmen aber auch Gefahren, etwa durch neue Mitbewerber im Markt. Außerdem besteht bei so manchen Führungskräften die Gefahr, dass ihnen der Übermut auf den Kopf fällt: Amazon-Chef Jeff Bezos investiert etwa euphorisch in neue Geschäftsfelder und Produktkategorien - die sich aber leider nur allzu oft zu Rohrkrepierern entwickeln. Auf die Watchlist gehören die Aktien dieser Unternehmen aber allemal - und der Kauf von Alibaba-Papieren ist angesichts der jüngsten Kursverluste eine reizvolle Option.

Online-Händler im Vergleich
Unternehmen Marktkapitalisierung YTD-Performance Konsensrating
Alibaba 208,712 Mrd. USD -18,54 % 4,59
Amazon 178,07 Mrd. USD +23,55 % 4,10
Ebay 69,14 Mrd. USD +1,59 % 3,77
Zalando 6,68 Mrd. EUR +6,59 % 3,38
Konsensrating: 5=starker Buy; 1=starker Sell

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