Intel setzt auf die Internet-Wolke

Intel setzt auf die Internet-Wolke

Totale Vernetzung sollte eigentlich Intel helfen. Die Anleger sind aber verwöhnt: Milliardengewinne sollen und dürfen nicht zurückgehen.

Dem weltgrößten Chip-Hersteller Intel macht der rückläufige Umsatzrückgang im PC-Geschäft zu schaffen. Umsatz und Gewinn sind gesunken. Und auch das Servergeschäft und somit Cloud Computing brummt nicht mehr so, wie es sich der Konzern vorstellt. Trotz bisher verheißungsvoller Geschäfte mit Cloud Computing stürzt die Intel-Aktie nachbörslich ab.

Santa Clara (Kalifornien) Der US-Chiphersteller Intel bekommt die anhaltende Schwäche im PC-Geschäft zu spüren. Der weltgrößte Halbleiter-Konzern verdiente im abgelaufenen Quartal gut sechs Prozent weniger als vor Jahresfrist. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, sank der Nettogewinn auf 3,1 Milliarden Dollar. Der Umsatz blieb im dritten Quartal mit 14,5 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahrsquartal fast gleich.

Intel bekommt zunehmend die rückläufige Nachfrage nach Computern zu spüren. Laut IT-Beratungs-- und Marktforschungsunternehmen Gartner ging der Absatz von PCs zuletzt um 7,7 Prozent zurück. Und auch bei Tablet-PC stagniert derzeit der Absatz. Die große Nachfrage nach Smartphones seit dem Jahr 2007 ist hingegen an Intel lange Jahre vorbei gegangen.

Der Weltmarktführer hat das Geschäft lange Zeit unterschätzt und sogar - mit der Arroganz des Marktführers- das Smartphone-Geschäft einst als wenig profitträchtig schlichtweg auf die lange Bank geschoben. Und auch den Boom mit Tablet-Rechnern hat Intel lange Zeit negiert. Und somit verschlafen. Andere Chiphersteller wie Chipentwickler ARM, Qualcomm oder auch Samsung setzten hingegen auf Smartphones und Tablet.

59 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt noch immer mit Chips für PCs und Notebooks. Rund 28 Prozent der Gesamterlöse stammen aus dem Servergeschäft, dessen Anteil mit dem Hoffnungsträger "Cloud Computing" weiter ansteigen soll, um auch den rückläufigen Umsatz bei PC-Chips mehr aus auszugleichen.

Die Hoffnung aus der Wolke

Im Geschäft mit Computerchip für große Rechenzentren hat Intel zuletzt die Schlagzahl erhöht, um auch die Profite langfristig zumindest zu halten. Die Auslagerung von Daten, Anwendungen und der Abruf von Rechenleistung etwa für Analysen via Internet - im Jargon "Cloud Computing" genannt - hat Intel indes forciert. Zudem soll auch das unter dem Stichwort "Internet der Dinge" und Industrie 4.0 mit der Totalvernetzung etwa von Produktionsabläufen und Unternehmen einen weiteren Schub bringen. Der US-Hersteller liefert hier die notwendigen Chips für die Server, die in riesigen Datenzentren die Daten von Internetnutzern und Unternehmen verarbeiten, speichern und auf Abruf zur Verfügung stellen.

Rund Intel liefert bereits rund 90 Prozent der Chips für Server der Hersteller HP, Dell, Lenovo, IBM und Oracle, die in den Rechenzentren mit riesigen Serverfarmen von Amazon, Microsoft, IBM, Google, Facebook oder Alibaba zum Einsatz kommen. Nur: Auch das Geschäft mit Servern ist rückläufig. Statt zweistelliger Wachstumsraten von früher bis zu 20 Prozent und mehr, zuletzt nur noch 15 Prozent, werden künftig nur noch Zuwächse im einstelligen Bereich kalkuliert.. Intel hat diese Schwäche in Ausblick auf das kommende Jahr mit Bekanntgabe der Ergebnisse bestätigt.

Das Geschäft mit Cloud Computing, dem Hoffnungsträger von Hardware- und Softwarehersteller, entwickelt sich somit auch langsamer als die IT-Branche es sich verspricht, auch wenn immer mehr Daten von Internetnutzern in der "Cloud" gespeichert werden. Aus diesem Grund dürfte Intel letztendlich auch sein sonst üppiges Forschung- und Entwicklungsbudget (F&E) nun auch gekürzt haben. Statt bisher 7,7 Milliarden Dollar will der Chip-Krösus nur noch 7,3 Milliarden Dollar in F&E investieren. Einfacher Grund: Um die hohe Marge von zuletzt 63 Prozent zu halten, die bisher stark vom PC-Geschäft abhängig war, hat Intel-Chef Brain Krzanich unter anderem auch die F&E-Ausgaben gekürzt. Im übrigen wurden die Investitionspläne im laufenden Geschäftsjahr bereits zum ditten Mal in Folg gekürzt.

Die Schadensbegrenzung für den Anleger

Doch am Ende hat Intel dafür gesorgt, dass der Einbruch des Ergebnisses geringer ausgefallen, als es Analysten erwartet schon in ihren Kalkulationen niedergeschrieben hatten. Sie hatten im Durchschnitt mit nur noch mit ienem Gewinn von 59 Cent pro Aktie Gewinn gerechnet. Intel weiß aber, dass es die Aktionäre weiter bei Laune halten muss: 64 Cent pro Anteilsschein bedeutet das derzeitige Ergebnis, was gegenüber dem Vorjahresquartal somit "nur" um zwei Cent geringer ist.

Die Reaktion an der Börse folgt postwendend. Die Aktie ist nach Bekanntgabe der Ergebnisse abgestürzt: 3,8 Prozent Minus war die Quittung der Anleger.

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