Blitzrcrash am Rentenmarkt

Blitzrcrash am Rentenmarkt

Der Ausverkauf an den europäischen Finanzmärkten geht auch am Donnerstag weiter: Am Rentenmarkt brachen die Kurse zahlreicher Anleihen ein. Der Dollar wurde massiv verkauft. Die Ursachen für diese Trendwende.

Dollars im großen Stil verkauft

Börsianer sprachen von einem Blitzcrash. Am Devisenmarkt bauten die Anleger in großem Stil ihre Dollar-Positionen ab und hievten damit den Euro auf ein Acht-Wochen-Hoch von 1,1248 Dollar. Dies sorgte an den Aktienmärkten bei hektischem Handel zeitweise für neue Verkäufe. Nach dem Einbruch vom Vortag, als der Dax um mehr als drei Prozent nach unten gerauscht war, stabilisierten sich die Kurse bis zum Mittag etwas. Dax und EuroStoxx50 notierten mit 11.432 und 3617 Punkten auf ihren Vortagesniveaus. Sollte der Dax auf dem Niveau schließen, wäre das ein Wochenminus von über drei Prozent.

Zentralbanken höhlen Liquidität aus

"Der Blitzcrash fördert die strukturelle Schwäche des Bondmarktes zutage", kommentierten die Analysten der Commerzbank. Unter anderem höhlten die Zentralbanken durch ihre Interventionen die Handelsliquidität aus. Um die Konjunktur in der Euro-Zone in Schwung zu bringen, kauft die EZB über die nationalen Notenbanken monatlich Anleihen für rund 60 Milliarden Euro.

Der Bund-Future brach bei überdurchschnittlichen Umsätzen um bis zu 1,24 Punkte auf 156,49 Zähler ein, was die Renditen quer durch alle Länder und über alle Laufzeiten in die Höhe trieb. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe kletterte um zehn Basispunkte auf ein Sieben-Wochen-Hoch von 0,38 Prozent.

Schlechte US-Zahlen führen zu neuer Einschätzung über Zinserhöhung

Die am Vortag veröffentlichten schwachen US-Wachstumsdaten für das erste Quartal lösten am Devisenmarkt eine grundsätzlich neue Einschätzung aus. So zweifeln immer mehr Börsianer an einer noch im Sommer anstehenden Zinserhöhung in den USA. Das schlössen die Anleger derzeit beim Dollar wieder aus, sagte ein Händler. Seit Mitte April haben die Zweifel am geldpolitischen Kurs den Euro um sechs Prozent steigen lassen. Dass die Fed dennoch an ihren Plänen für eine Zinserhöhung in diesem Jahr festhalten will, stützte den Dollar zeitweise.

Der Anstieg des Euro sorgt auch bei den Aktienanlegern für Umschichtungen. Am Morgen rutschte der Dax um bis zu 0,9 Prozent auf 11.331 Zähler ab, womit er die Gewinne, die er seit Anfang März gemacht hat, wieder einbüßte. Die Abwertung der Gemeinschaftswährung zum Jahresanfang hatte die Rally befeuert und den Dax zeitweise um über 20 Prozent auf ein Allzeithoch von 12.390 Punkten gehievt. Denn ein niedriger Euro verschafft den europäischen Industriekonzernen beim Export einen klaren Wechselkursvorteil. So verhalf der starke Dollar dem Chemiekonzern BASF im ersten Quartal auf die Sprünge. Die Anleger honorierten das: Die Titel legten bis zu 2,3 Prozent zu, bröckelten dann mit dem Gesamtmarkt aber ab.

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